In der DDR wurde der Dresdner Bomben-Holocaust nach offizieller Lesart relativiert

Plancius, Samstag, 13.02.2016, 21:18 (vor 3651 Tagen) @ Leserzuschrift5761 Views
bearbeitet von unbekannt, Samstag, 13.02.2016, 21:55

Gab es Trauerfeiern in der DDR/Dresden zum Jahrestag der Bombardierung,
und wie wurden die Opferzahlen von der DDR-Propaganda behandelt?

Hallo Thomas,

ich bin jetzt Ende 40 und wurde in der DDR sozialisiert.

Eine angeheiratete Tante überlebte als Jugendliche das Dresdner Inferno. Sie sagte zwar immer, dass die Bombennächte furchtbar waren, aber das war auch alles. Sie hatte kein Verlangen, die nachfolgenden Generationen aufzuklären oder zu sensibilisieren. Das Ereignis wurde von ihr schlichtweg verdrängt. Sie war in ihrem Innern eine herzensgute Frau, hegte jedoch nie irgendwelche Hassgefühle gegen die Angelsachsen. In ihren Augen waren eher die Russen die Bösen, weil der Westen unter englisch-amerikanischer Herrschaft nach dem Krieg einen höheren Lebensstandard genießen konnte.

In der Schule wurde Dresden immer mit dem britischen Coventry in Verbindung gebracht. Die Deutschen hatten zuerst Coventry bombardiert und London angegriffen und als Antwort darauf haben die britisch-amerikanischen Bomberverbände Dresden plattgemacht. Letztendlich waren die Deutschen schuldig an diesem Inferno - so jedenfalls die offizielle Lesart, wie sie uns vermittelt wurde.

Ich habe jetzt im Rheinland 2 Freunde/Bekannte, die aus Dresden stammen (47 und 35 Jahre). Für sie spielt Dresden keine Rolle im kollektiven Gedächtnis. Ihnen wurde seitens ihrer Vorfahren nichts darüber vermittelt. Wenn ich mal bei diesem Thema nachfrage, kommt als Antwort: "Ey, lass mich mit diesem alten Scheiß in Ruhe".

Gruß Plancius

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Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.


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