Man muß die Spielregeln einhalten

helmut-1, Siebenbürgen, Samstag, 26.12.2015, 08:02 (vor 3694 Tagen) @ Hannes4215 Views

Klar gibts da einige Dinge, die man beachten muß. Das fängt schon damit an, wie man die Maische ansetzt. Viele geben da noch einen Haufen Zucker dazu, um soviel wie nur möglich Schnapsmenge rauszuholen. Was zwar von der Chemie her stimmt, aber es ist nicht mein Bier. Weil man dann oft ein Kratzen im Hals beim Trinken verspürt, außerdem bei einigen Gläsern auch Kopfweh danach.

Ich ziehe es vor, den Schnaps so natürlich wie möglich zu brennen, weil ich ihn ja nicht kommerzialisiere, sondern selbst verwende (oder guten Freunden verschenke). Zucker gebe ich nur soviel dazu, damit der natürliche Gärungsprozeß in Gang kommt. Da braucht man z.B. bei Pflaumen, die ganz reif sind, überhaupt nichts, und bei den Vogelbeeren, weil die etwas sauer sind, da muß man eben was geben. Dazwischen ist - je nach Frucht - eine große Bandbreite.

Theoretisch kann man aus jedem Sch.dreck Schnaps brennen, auch aus Hühnerkot (hat man alles schon gemacht), - man braucht nur entsprechend Zucker dazu zu geben, und am Schluß noch Aromastoffe. Dann kann man aus Hühnerkot auch Apfelschnaps oder Kirschenschnaps machen, - findet nur der Fachmann dann heraus, obs aus echten Früchten ist oder nicht.

Wie man das testen kann? Den Trick habe ich von meinem seligen Vater :

Man nimmt einen kleinen Unterteller, gießt so die Menge zwischen einem Kaffeelöffel und einem Suppenlöffel Schnaps drauf und hält es über eine Flamme (Kerze, etc.). Dadurch erwärmt man Tellerchen und den Schnaps drauf, bis zu einem bestimmten Punkt: Nämlich dann, wenn man den auf dem Teller befindlichen Schnaps anzündet und er zu brennen anfängt. Je mehr Prozente, umso schneller geht das. Über 50% brennt er auch ohne Erwärmen.

Brennt der Schnaps dann, so stellt man den kleinen Teller irgendwohin (nicht gerade auf die Plastik-Tischdecke) und wartet ab, bis diese leicht bläuliche Flamme verlischt. Ist das geschehen, dann prüft man direkt mit der Nase den aufsteigenden Geruch direkt über dem Teller. Da ja nur der Alkohol verbrennt, bleibt das Destillat über. Und das sagt einer feinen Nase ganz genau, ob da z.B. beim Obstler 4 Früchte drinnen sind (man riecht jede einzelne heraus), oder ob da nie eine Frucht drinnen war. Auch beim echten Korn riecht man eindeutig den Geruch der Getreidekörner.

Wenn man z.B. in Ungarn auf der Durchreise den bekannten "Barack Palinca" kauft, dann wird man feststellen, dass der intensiv nach Marille (Aprikose) riecht und schmeckt. Dasselbe bei bestimmten teuren Marken in der Wachau in Niederösterreich. Bei mir schmeckt der Schnaps aus den selben Früchten auch nach Marille, aber bei weitem nicht so intensiv. Eben naturbelassen.

Und noch was zum Blindwerden:
Logisch nimmt man den Vorlauf weg, auch den Nachlauf trennt man aufgrund der geringeren Prozente ab. Es gibt verschiedene Methoden, um zu testen, zu welchem Zeitpunkt das Gesöff gesundheitsschädlich ist (Methylalkohol). Eine davon ist das Übergießen von Watte. Wenn sich diese bläulich verfärbt, dann ist der "Schnaps" nur für Reinigungszwecke brauchbar, - aber für äußere ([[lach]] ). Wenn es natürlich Zeitgenossen gibt, - sowie man das in Indien öfters hört (oder vor einiger Zeit auch in der Tschechei) - die da keine Ahnung haben oder aus Geschäftsinteresse jeden Tropfen nach dem Destillieren vermarkten wollen, -dann muss man halt damit rechnen.

Wir brennen den Schnaps zweimal, weil man für gute (glasklare) Qualität beim Einmalbrennen eine professionelle Anlage braucht, die wir nicht haben. Bei uns gehts nach alter Technik. Dadurch wird der Schnaps sauber und glasklar, aber auch sehr hochprozentig (zwischen 50 und 70 %, - je nach Maische). Dann hole ich den mit destilliertem Wasser auf die entsprechenden Prozente herunter, um genau den Punkt zu erreichen, wo man das Aroma am besten herausschmeckt. Das ist dann irgendwo - je nach Frucht - zwischen 42 und 48%. Denn der Schnaps soll ja nach Frucht schmecken, und nicht nur einfach den Organismus durchschütteln. Viele in Rumänien meinen aus Unwissenheit, dass der Schnaps umso höherwertiger ist, je mehr Prozente er hat.

Noch ein Wort zu den Gesetzen:

Wie es in Deutschland zugeht oder zuging, das weiß ich. In Österreich und auch in Rumänien gabs da andere Regelungen, die noch aus der Zeit der Maria Theresia herrühren. Man unterscheidet das große und das kleine Brennrecht. Das große war schwierig zu erwerben und auch teuer. Das besagte, dass man jedwelche Früchte, auch die zugekauften, brennen darf.

Das kleine Brennrecht bekam jeder, der einen landwirtschaftlichen Betrieb hatte und eigenen Obstbaumbestand. Aus den eigenen Früchten darf der Bauer eine bestimmte Literanzahl pro Kopf brennen, das heißt, soviel Leute auf seinem Hof ansässig sind (einschl. seiner Familie, der Knechte und Mägde). Da Siebenbürgen auch mal unter der K.u.K.Monarchie war, hat man das auch hier eingeführt und später für ganz Rumänien übernommen.

Wie es heute ist, ob das schon durch die EU gekippt wurde oder nicht, interessiert hier nur für die Statistik. Der mit dem großen Brennrecht hier in Rumänien muß aber den Finanzer informieren, wenn er brennen will, andernfalls bleibt der Brennkessel versiegelt (wird vom Finanzamt gemacht). Er meldet dann z.B. für 10 Tage das Brennen an, und dann kommt der Finanzer täglich und kontrolliert, wieviele Liter er gemacht hat, wegen der Branntweinsteuer. Ist aber meines Wissens in anderen Ländern ähnlich. Oder war es zumindest.


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