Warum Zschaepe vermutlich die "Uwes" des Ueberfalls in Heilbronn beschuldigt ...
Falls es also zutrifft, dass die beiden Uwes die Kiesewetter nicht erschossen haben, warum beschuldigt Tschäpe diese dann?
Es gibt ja (mindestens) zwei Moeglichkeiten:
a) beide Uwes waren damals zufaellig laenger (von ihr) abwesend und haben sich spaeter (faelschlich) damit gebruestet. Ich weiss zuwenig ueber deren Psyche/Mentalitaet, um das voellig auszuschliessen.
b) Was ich fuer wesentlich wahrscheinlicher halte:
1) die Staatsanwaltschaft, jedenfals die Sitzungsvertreter vor Ort, ist in ein "tiefer Staat"-Komplott nicht eingeweiht.
2) Polizeiliche Ermittlungsbehoerden (der von der normalen Polizei abgeschirmte Staatsschutz) und Verfassungsschutz etc. sind nicht nur eingeweiht, sondern teilweise sogar Drahtzieher. Dafuer sprechen ja einige Ungereimtheiten, insbes. auch archivordnungswidrig vernichtete aeusserst wichtige Akten und das Zeugensterben. Die Muster sind zu auffaellig und gleichen anderen Faellen, bei denen man von staatlicher Einflussnahme weiss.
3) Die Aussage ist also -mit wem auch immer- abgesprochen, aber nicht mit den staatsanwaltlichen Sitzungsvertretern. Darum auch die Weigerung, deren Fragen zu beantworten.
4) Hier werden womoeglich mehrere Gewaltverbrechen gleich mit entsorgt, denn Tote koennen nicht mehr reden und Zschaepe war dummerweise am Leben und hat sich, klug von ihr, in Begleitung eines Anwaltes gestellt. Tod auf der Flucht ging nun nicht mehr. Auch war sie von Anfang an hochkaraetig anwaltlich beraten. Die Anwaltschaft hat im Uebrigen seit Stammheim dazugelernt.
5) Der Koelner Nagelbombenanschlag aehnelt dem auf das Oktoberfest in Muenchen. Jahre haben Polizeipsychologen daran herumgeraetselt, denn an der U-Bahn-Treppe haette die Bombe ja nicht ausschliesslich Auslaender treffen koennen, sondern sogar -zufaellig- 20 NPD-Mitglieder auf dem Weg zu einer Demo. Als "rechtsradikalen" Anschlag ergaben damals der Bombenanschlag auf das Oktoberfest ebensowenig Sinn wie eben der in Koeln. Aber sie weisen frappierende Aehnlichkeiten auf mit Anschlaegen in Italien, die heute ziemlich zweifelsfrei ... Gladio zugerechnet werden.
6) Auch dass die beiden Uwes -von weit weg- nach Koeln "einfach so" fahren, dann nach Heilbronn "einfach so", ist eigentlich, wenn man sich als Taeter hineinzuversetzen versuchte, derart weit hergeholt, dass ich das zwei Maennern, die angeblich in der eigenen Wohnung unbeobachtet von der Mitbewohnerin Bomben bauen und stets umsichtig zu Werke gehen, nicht zutraue. Man faehrt nicht in eine komplett fremde Stadt, "um eine Polizeiwaffe zu besorgen", wenn man nicht mal weiss, wo man dort unbeobachtet an Polizisten herankommt.
Das "Gestaendnis" auf Welt.de habe ich mir vollumfaenglich zu Gemuete gefuehrt und halte es fuer komplett geschoent. Ich kann mir nur erklaeren, dass hier korrekte Versatzstuecke mit anderen vermengt wurden, um einen "Deal" zu erreichen. Wie ein solcher "Deal" funktionieren soll, wenn er offensichtlich nicht mit der Sitzungsstaatsanwaltschaft abgesprochen sein kann (anderes ist prozessual unzulaessig, danach muss noch das Gericht "mitspielen"), entzieht sich meiner Kenntnis und jede Spekulation darueber fuehrt zu unertraeglichen Konsequenzen. Wenn der Deal platzt, hagelt es Selbstmorde und Ruecktritte, da ist die Spiegel-Affaere ein Spaziergang dagegen.
Ich vermute, der neuen Verteidiger bedurfte es, weil die alten da nicht mitgespielt haetten.
Wer mit strafprozessualem und strafrechtsdogmatischem Sachverstand das "Gestaendnis analysiert", bemerkt sofort zwei Tatkomplexe:
A) die gemeingefaehrliche Brandstiftung seitens Zschaepe und
B) die Taten der Uwes, die "alles auf sich nehmen", was in den letzten ca. 15 Jahren so an Unerklaerlichkeiten vorfiel.
Dabei geht es darum ad A), dass Zschaepe keine Personen gefaehrdet hat, sondern nur Sachen und den Tod anderer "nicht billigend inkauf genommen" hat, darum der gaehnend ausfuehrliche Passus, wie oft sie bei ihrer Nachbarin klingelte und weshalb sie sich sicher sein konnte, sie sei nicht da, anhand ihrer Gewohnheiten (denn wer nicht oeffnet, kann ja dennoch zuhause sein - dann haette sie den Tod eben doch "inkauf" genommen).
Damit koennte sie unter Anrechnung der Untersuchungshaft tatsaechlich bald auf freien Fuss kommen.
Wenn sie naemlich ad B) nie in die Entscheidungen eingebunden und damit NICHT Mitglied einer kriminellen Vereinigung war.
Das wird aber sicher noch spannender, denn "nichts ist so fein gesponnen" ...
--
Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
Atomkraft | in English