Was Jean Baudrillard wohl zu den Anschlägen von Paris geschrieben hätte

Ashitaka, Dienstag, 17.11.2015, 21:57 (vor 3729 Tagen) @ nemo5955 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 17.11.2015, 22:04

Ja, das Denken, das allgemein als die höchste Leistung des Menschen
angesehen
wird, ist in dieser Gesellschaft zu einer Massen-Simulation degeneriert,
mit
deren Hilfe Menschen gelenkt und kontrolliert werden.

So ist es. Wir leben in einer Realität, in der Mordopfer in frühen Aufnahmen nicht auf Gehwegen liegen, sofern sie zumindest in späteren Aufnahmen dort rum liegen. Die früheren Aufnahmen passen nicht zur Simulation, sind damit auch niemals real. Man muss sie deshalb auch nicht verstecken. Sie verstecken sich selbst. Weil es nicht sein kann. Erkläre mal einer Gruppe Menschen, dass die auf den Gehweg von Paris erschossenen Opfer erst in späteren Aufnahmen zu sehen sind, dass das ganze Treiben in den Straßen bis dahin trotdem stattgefunden hat.

Das funktioniert nicht, tut es wirklich nicht.

Da erzähle mir noch einer was von Evolution. Denn genau die findet über
das Denken statt. Zu blöd, wenn ausgerechnet das dem Menschen aberzogen
wird, was ihn zur Entwicklung befähigt.

Die geistige Entwicklung des Menschenwesen bedarf der Rückkehr zur Illusion. Jean Baudrillard hat sehr schön erklärt, dass diese Illusion eben nicht das Gegenteil vom Realen bzw. der Simulation darstellt. Nein, die Illusion ist das Wirkliche, die mentale Freiheit. Oder im Bezug auf das System: Der äußere Standpunkt. Wie kommt man dahin? Durch die Kunst, dadurch, dass man alle Studien / Systeme loslässt, sich in der Irritation des Augenblicks verliert. Das Leben ist eigentlich Illusion. Wir sind geboren um bereits gestorben zu sein (um in der Simulation zu verwesen). Meine Spaziergänge sind nur vor dem Hintergrund zu verstehen. Die Toten verstehen das nicht.

Carlos Castaneda hat das glasklar erkennt: „Der westliche Mensch ist
bisher nicht über den politischen Menschen hinaus gelangt.“

Als goldene Faustregel könnte gelten: Die Abwesenheit eines System
ist viel näher an der Wirklichkeit, als jedes künstliche System.

Ein künstliches Denksystem schließt bestimmte Denkrichtungen aus.
So bleiben wir in Konzepten gefangen.

Wir haben keine Freiheit des Denkens. Es ist etwas, was wir erst
erwerben müssen. Aber genau das Gegenteil passiert.

Ja, wozu Länderspiele nicht alles gut sind. Wir werden die neuen Happen hier schon abfeiern bis der Arzt kommt. Die Menschen wollen ihre Ängste ausdrücken, einen Ausweg in der Simulation suchen.

Das meinte auch Peter Ouspensky in „Tertium Organum“ mit einer
absteigenden Evolution. Alles was sich nicht bewusst entwickelt,
degeneriert.

So ist es. Der Mensch stirbt und will dies selbst nach seinem Tode nicht akzeptieren. Das Thema ist ernst. Von neuem geboren zu werden, das wurde schon immer von den meisten Menschen falsch verstanden, durch zahlreiche Religionen verdreht.

Die Simulation des Denkens ist der endgültige Abstieg der Menschheit
zu einer gleichgeschalteten, denkbefreiten und im Kollektivismus
gefangenen Spezis. Das Universum gibt uns nur die Möglichkeiten –
ob sie genutzt oder verworfen werden, ist eine ganz andere Frage.

Gruß
nemo

Tot, sie sind alle tot. Denn:

„Das Fernsehbild ist schneller als eine Kugel.“
(Emir Kusturica)

Dankend für den Text,

Ashitaka

--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.


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