Statt Wolle-Kriegen jetzt Kohle-Kriege in China?
Der Stromverbrauch sank im September 3.1% YoY, was ja nicht gerade fuer eine wachsende Konsumgesellschaft spricht. Gleichzeitig baut man wie bloed neue Kohlekraftwerke, die Erzeuger-Kapazitaet erhoeht sich um sagenhafte 55% pro Jahr. Das sieht nicht gerade nach gesundem Wirtschaften aus.
Das sieht nach Merkel aus, "Die Sonne schickt keine Rechnung", sie schickt gleich den Gerichtsvollzieher.
China ist keine Marktwirtschaft (Europa in Energiedingen auch nicht mehr).
Ich will mich gar nicht erst mit der Frage weiter befassen, ob neue Kohle- (oder irgendwelche!) Kraftwerke bei sich eintruebender Konjunktur und wenn die Verbrauchs-Technologie grds. immer wieder mal Energiesparschuebe vollfuehrt, das Kluegste ueberhaupt sein koennen.
Was hingegen seit der "Liberalisierung" nach Maos Tod immer wieder zu beobachten war, ist, dass in China die Provinzen versuchen, die Binnenkonjunktur mit den unsinnigsten Bau-Projekten "anzukurbeln", siehe auch die dortigen Geisterstaedte. Da sie sich dabei gegenseitig Konkurrenz machen und als nicht wirtschaftende Unternehmen keine Kostenrechnung haben, geht das jedesmal brutal daneben.
Case in point: die "wool wars", wo jede Provinz in den 80er Jahren die Wollproduktion angekurbelt und Wollwaeschereien und Wollweiterverarbeitung gebaut hat, als ob sie die einzigen in ganz China, ja der ganzen Welt, waeren. Ergebnis: defizitaere Ueberkapazitaeten und ... der Tod der Wollwaeschereien in ganz Europa und Australien. Wolle von wandernden Schafherden in Deutschland wird heute eher kompostiert als weiterverarbeitet, zumal verschaerfte Vorschriften zur Rueckverfolgbarkeit und gegen Krankheitsuebertragung das Geschaeft noch schwieriger haben werden lassen. Das Waschen ist unrentabel geworden gegenueber der chinesischen Konkurrenz, das Verschicken dorthin aber erst recht.
Beispiele aus der Literatur:
China Deconstructs: Politics, Trade and Regionalism, p. 169
"Such conflicts have led to 'wool wars' and 'tobacco wars' between provinces in the 1980s ..."
From Mao to Market: Rent Seeking, Local Protectionism, and Marketization ... p. 135
The Third Revolution in the Chinese Countryside, p. 138
Who Won the “Wool War�: A Case Study of Rural Product Marketing in China
"During the mid-1980s, various examples such as the 'wool war' and the 'silk war' were cited, in which local governments tried to retain low priced raw materials within their own locality in order to favor local manufacturers ... Parallel with these struggles over lowpriced raw materials were efforts to prevent inflows of manufacturing goods with high mark-ups."
The Disempowered Development of Tibet in China, p. 338
Wer glaubt, China koenne man durch eine westlich-kapitalistische Brille sehen und deren Statistiken und Preisgefuege fuer bare Muenze nimmt, duerfte boese, existenzgefaehrdende Ueberraschungen erleben.
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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