Das Thema hatten wir hier schon - und das sehe ich deutlich in meiner Generation (Edit: WDR)
Hallo Vatapitta,
danke sehr für den sehr guten Tipp (oft kommt das dann bald auf YT - selbst die Inhalte der Öffentlichen, die nur kurz in Mediatheken vorgehalten werden dürfen). Das Thema an sich hatten wir imho hier auch schon mal (da gab es mal einen ähnlich angelegten Spiegelartikel), und dem stimme ich bewusst ausdrücklich zu:
Da könnte sich der ein oder andere wiederfinden.
Die Kriegs-Kinder, die in Not und Unsicherheit groß wurden (und sich so viel aufbauen konnten, wie ihre Kinder nicht mehr können), haben ihre Kinder stellenweise ganz schön getrietzt und sind immer noch dabei. Es scheint bei dem Kriegskindern oft einen rechten Narzissmus ausgelöst zu haben: Meins, meins, meins.
Habe heute mit meiner Frau über einen Hollywoodschinken gesprochen (kann man sich ansehen - mit nur wieder dummen kitschigem Ami-Ende): Die Figur gespielt von George Clooney erzählt, dass ihr Bild von der Zukunft in ihrer Kindheit strahlend, voller Erwartungen und Hoffnungen auf großartige Lösungen gewesen wäre, und nun würden alle Zukunftserwartungen düster sein. Und wenn man sich die Filme und Bücher anschaut, die ein Bild unserer Zunkunft entwerfen, so ist das oft Dystorpie. Sicher kein Zufall.
Die Jungen und "Mittelalten" von heute schindern und sind desillusioniert. Und können oft bei den gestählten, erfolgreichen Eltern, die Kriegskinder waren, nicht Erfolge vorweisen, die diese erwarten. Hart zu sich, hart zu anderen... Und selbst die, die von sich denken, dass sie ach so tolerant und gemässigt seien, sind oft überkritische Kontrolleure (und jene die ihre Kinder schlugen, leugnen es durchweg - auch dazu gibt es Fachartikel).
Das ist aus dem allen erwachsen: http://www.welt.de/icon/article133276638/Warum-die-Generation-Y-so-ungluecklich-ist.html
Allerdings muss man sich fragen, ob das ein wirklich spezifisch deutsches Problem sei, oder ob die Jungen nicht auch in vielen anderen Ländern unglücklich sind, weil Ihnen Hoffnung fehlt, dass es für sie und alle besser werden könne.
Das hat dann wohl eher mit den Effekten des menschlichen Wütens auf dem Planeten und welchen des Debitismus zu tun.
Alles sehr interessante Fragestellungen.
Was kann der Einzelne hier noch erwarten? Was haben wir in den letzten Jahren aus der Politik Gutes erlebt, außer der Abschaffung des Quartals-Zehners? Welcher politischen Kraft ist noch zu trauen und von welcher Idee erwarten sich Menschen hier eine Verbesserung ihres Lebens? Kann da leider nichts sehen, was aufbaut (außer, dass die es nach der 08er Krise weit stabiler lief, als viele hier, einschließlich meiner, erwartet haben - also noch kein Go oder Untergang eintrat).
Die, welche heute gesichert ihr verdientes Altenteil verleben, den geht es oft noch mit am Besten. Aber sie glauben, und das soll keine Vorhaltung sein, wohl oft, dass sie es besonders verdient hätten, was sie sind und haben, die Jüngeren aber nicht so wie sie.
Die eingangs genannten Kriegsenkel haben übrigens sehr häufig schon Kinder, die Kriegsurenkel. Was wird da weitergegeben?
Viele freundliche Grüße
azur
Edit: Bin Deinem Link noch weiter gefolgt: https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsenkel
Da ist einerseit u. a. auch die Rede, dass das auch alles als Ausrede dienen könne, aber auch, dass es eine Bewegung von Kriegsenkel gäbe.
siehe auch: http://www.kriegsenkel.de/
WDR: Kriegsenkel Vererbte Wunden
Von Petra Storch
Donnerstag, 22. Januar 2015, 22.00 - 22.30 Uhr
http://www1.wdr.de/fernsehen/information/frautv/sendungen/Kriegsenkel102.html
"Fremd in der eigenen Familie - so hat sich Silvia ihre ganze Kindheit und Jugend über gefühlt. Heute ist sie 55 Jahre alt und arbeitet ihre Familiengeschichte auf. Silvia gehört zu der Generation der "Kriegsenkel", der heute 45 bis 60-Jährigen. Sie wissen oft nicht, warum sie leiden und tragen noch eine große Kriegslast mit sich – ohne, dass sie selbst den Krieg erlebt haben, wie eben ihre Eltern, die zu der Zeit noch Kinder waren. Die Kriegsenkel sind diejenigen, die Traumatisierungen "vererbt" bekommen haben - oft ohne es zu wissen."
Die Schatten des Krieges wirken fort
Die Psychologin Bettina Alberti schreibt: "Menschen dieser Generation [der 50er und 60er Jahre Geborenen; Anm. d. Autorin] tragen häufig eine kollektiv anmutende seelische Verletzung in sich. (...) Die Kriegstraumatisierung der Familien [Eltern und Großeltern; Anm. d. Autorin] war unverarbeitet, das Erleben von existentieller Not, von unfassbarer Zerstörung, von Verlust, von tiefer Schuld, Beschämung und seelischer Entwurzelung wirkte nach."
Die Traumata, die die Großeltern davon trugen, gaben sie an die Kinder weiter. Und darunter können sogar noch deren Kinder leiden, die Kriegsenkel. Depressionen, Angststörungen, Zwänge, Schlafstörungen, Beziehungsprobleme, Angst vor dem Alleinsein. Das können die Folgen sein. "Erziehung und Beziehung mit elterlicher kriegstraumatisierter Seele hieß in vielen Familien: eine Abwehr des Fühlens und Spürens sich selbst und dem Kind gegenüber zu errichten, die eigene und die Authentizität des Kindes nicht mehr zuzulassen, sich und das Kind von der eigenen Wahrnehmung zu entfremden, seelisches Geschehen bei sich selbst und den Kindern zu entwerten" (Bettina Alberti).
Traumata können nicht nur weitergegeben, sondern sogar "vererbt" werden, weiß die Wissenschaft heute. Aber sie können auch "repariert" und therapiert werden. Ein großer Trost."
Hörte von einer Familie, wo die Mutter unbewusst ständig für Stille und Schweigen gesorgt habe, weil sie im Luftschutzbunker immer hätte schweigen müssen. Das ist den Beteiligten erst nach Jahrzehnten bewusst geworden.
Nur wie gesagt: Getrübte Perspektiven entstehen nicht nur aus diesen Teil der Vergangenheit.
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