Wie bitte? Auf Grund einer Selbstdarstellung des Selbstdarstellers, der so hoch war?? (Edit) @CalBaer

azur, Montag, 02.11.2015, 21:55 (vor 3740 Tagen) @ Michael Krause2138 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 02.11.2015, 22:04

Alle diejenigen, die jetzt den Stab über Schabowski brechen, sollen erst
einmal beweisen, dass sie es an seiner Stelle besser gemacht hätten, das
gilt insbesondere für all die Opportunisten aus der Politik, insbesondere
im Westen.

Nein Michael, denn dann nach dieser Argumentation hätte es nicht einmal eine Ost-Opposition geben können, da diese ja nicht beweise konnte, dass sie es besser gemacht hätte.

Für die Ostopposition war Schabowski keinerlei Hoffnungsfigur. Wenn das überhaupt jemand war, dann Modrow, von dem man auch im Westen wusste, dass er im Falle einer DDR-Peristroika der kommende Mann war. Es heißt von einem in der DDR-Oposition verankerten Historiker, dass Strauß mit dem Mrd-Kredit bewusst Honecker stützte (auch aus Profitinteresse seiner Freunde vom Rosenheimer Kreis), weil jeder Tag mehr Honecker, wären 100 Tage Modrow weniger. Man hätte also eine schnellere und gründelichere Implosion der DDR stützen wollen.

Modrow war ganz anders als Schabowski, der lange Chefredakteuer DER Parteizeitung war (!!), in die Provinz abgeschoben. Schabowski war in außerordentlicher Nähe zur Macht! Und das eben nicht, weil er ein Reformer gewesen wäre.

Er war in der berühmt-berüchtigten Abteilung Propaganda beim ZK der SED, die u. a. jede Woche Zeitungsseiten kassierte, Journalisten unter Druck setzte Filme und Theaterstücke verbot, Diskussionen im Keime erstickte und eisern über die Honeckerlinie achtete:

"1981 wurde er Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der SED und 1984 Mitglied des Agitationskomitees beim Politbüro des ZK der SED. 1985 wurde er nach dem Sturz von Konrad Naumann Erster Sekretär der Bezirksleitung der SED von Ost-Berlin und damit auch Vorsitzender der Bezirkseinsatzleitung Berlin. Seit 1986 Sekretär des ZK, unterstand er direkt dem Generalsekretär."

Siehe seine feine Gesellschaft: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Mitglieder_des_Politb%C3%BCros_des_ZK_der_SED#Z...

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Mitglieder_des_Sekretariats_des_ZK_der_SED#Apri...

Ehrlich, und da wundert sich wer, dass der Mann selbst von der eigenen Partei ausgeschlossen wurde, die im selben Atemzuge lieber von Stalinisten Geschasste zurück holte?

Man kann dem zwar zustimmen, aber auch Gauck verstehen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/guenter-schabowski-gauck-und-der-kreis-seiner...

Weder für die kirchliche noch die sonstige Oposition in Berlin war Schabowski, der der "Erste" in der Hauptstadt war, also der Parteikönig von Berlin (dessen Machtfülle heute gar nicht mehr vorstellen kann - und kaum vermittelbar ist), ein besonderer Ansprechpartner oder gar "Hoffnungsträger". Der steckte ganz tief in der Reihe von Betonköpfen!

Man lese allein die Funktionäre, die in gleicher Höhe agierten!

Das kann das auch nicht relativieren:


Ich gehöre zu den wenigen Wessis, die auch schon vor dem Mauerfall im
Osten waren. Mein akademischer Lehrer hat zusammen mit Prof. Kaul viele
politische Strafverfahren geführt. Wer diese Zeit der Bundesrepublik
einmal nachvollziehen möchte, dem sei die Biographie von Posser, Anwalt im
kalten Krieg ans Herz gelegt. Die McCarthy Ära gab es auch im Westen, nur
spricht darüber keiner mehr.

Da hast Du in vielem Recht, und ich kannte auch Dr. Friedrich Wolff, den ich mit Hilfe eines Richters für die Seminare von Prof. Rottleuthner (FU Berlin) zu Rechtsgeschichte in Deutschland nach 45 (beide Staaten, mit den Vorgängerzonen - das Seminar ging über Jahre) gewinnen konnte. Der war, wie auch der ehemalige Chefred. des ND Schütt (zu DDR-Zeiten ein gaaanz schlimmer Finger, anders als Wolff, der schon früher als klug, verständig und machtdistanziert galt), nach der Wende sehr bemüht, sich ehrlich mit allem auseinander zu setzen.

Du musst uns, die wir diesen Irrsinn damals erlebt haben, schon unser Urteil lassen.


Dass die DDR so nicht zu erhalten war, hat übrigens schon Mittag erkannt.

Das ist ja bekannt. Wenig dagegen, dass es eine Dreispaltung gab: die Betonköpfe, die alles so lassen wollten wie es war (Honecker, Mielke, Hermann - im Grunde das gesamte Politbüro), die die refomieren wollten und sich an Gorbatschow orientierten (Mischa Wolf, Chef der DDR-Abwehr, Modrow) und die, die keine Chance mehr sahen (Schalk usw.).

Sein Buch, Um jeden Preis, mit persönlicher Widmung, steht noch heute in
meinem Bücherschrank.

Gratulation!

Schreiben und sich gut selbst darstellen, konnte er. Das war bekannt. Deswegen hat er ja auch die Pressekonferenzen der DDR-Nachwenderegierungen leiten können. Und hatte ja auch das Vertrauen etlicher, galt als etwas moderater (deswegen galt er überhaupt vermittelbar, als ganz hohes Tier der SED-DDR, die Modrow-Regierung war ja ein Kompromiss).

Aber bitte: Eine Selbstdarstellung fällt selten zum Nachteil des Autobiographen aus. Da hat er aber, anders als andere, sich mit Selbstkritik nicht zurück gehalten, was aber viele, viele, viele für eine Masche halten. Die sagen, Schabowski habe schon immer ein feines Näschen für seinen Vorteil gehabt. Dafür spricht auch, welche Positionen er inne hatte, und das er lächerlicherweise (skandalös lächerlicherweise) die Verantwortung für die brutalen Polizeieinsätze und Massenverhaftungen im Oktober 89 in Berlin, die er nun mal als Chef der Bezirkseinsatzleitung hatte (und zwar sonnenmegaklar), von sich wies. Das war eine starke und wüste Lüge!

Die in der Wende eingesetzte Kommission, die vorwiegend aus DDR-Oppositionellen bestand, hatte keinerlei Grund ihm das zu glauben!

Siehe: http://www.chronikderwende.de/lexikon/glossar/glossar_jsp/key=kompol%25dcb.html

"Kommission zur Untersuchung der Polizei-Übergriffe
Sitzung des Untersuchungsausschusses

Die unabhängige Untersuchungskommission zu den Ereignissen am 7. und 8. Oktober 1989 in Berlin, wie die offizielle Bezeichnung lautete, entstand aus zwei Ausschüssen, die sich nahezu zeitgleich, aber unabhängig voneinander, gebildet hatten. Auslöser waren die brutalen Übergriffe der Sicherheitskräfte auf Teilnehmer der Demonstrationen am 7. und 8.Oktober 1989 in Ost-Berlin. Während sich eine unabhängige Gruppe von Bürgerrechtlern (darunter Marianne Birthler und Werner Fischer), die um das Kontakttelefon in der Gethsemanekirche entstanden war, bereits im Oktober um die Betroffenen gekümmert und Gedächtnisprotokolle der Zugeführten gesammelt hatte, beschloss die Berliner Stadtverordnetenversammlung am 3.11.1989 die Bildung einer zeitweiligen Untersuchungskommission. Aus dem Zusammenschluss dieser Kommission und jener Kommission im Umfeld der Gethsemanekirche entstand nach einigen Auseinandersetzungen schließlich eine unabhängige Untersuchungskommission. Diesem Gremium gehörten neben Künstlern und Schriftstellern (u.a. Christa Wolf, Christoph Hein, Daniela Dahn) auch Stadtverordnete, Ärzte, Anwälte, Kirchenvertreter und Vertreter der Sicherheitskräfte an.

Ziel der Kommission war es, die Verantwortlichen für die Übergriffe der Sicherheitskräfte gegen Teilnehmer der Demonstrationen am 7./8.Oktober zu ermitteln, und Material für juristische Konsequenzen zu sammeln. Dabei hatte es das Gremium ständig mit Verschleierungs- und Verschleppungsversuchen der Staatsmacht zu tun. Dennoch fanden in der Zeit zwischen dem 15.11.1989 und dem 14.3.1990 24 Befragungen von verantwortlichen Funktionsträgern statt: z.B. Egon Krenz, Günter Schabowski, der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, der Minister des Innern, Friedrich Dickel), der Leiter des AfNS, Generaloberst Wolfgang Schwanitz, Staatsanwälte, Polizeioffiziere, Mitarbeiter des MfS. Im Ergebnis wurden mehrere Anzeigen erstattet, die zu Strafanträgen führten. Alle Verfahren wurden ohne Konsequenzen eingestellt, das letzte gegen Erich Mielke 1999. Dennoch war die Existenz der Kommission ein in der Geschichte der DDR einmaliger Vorgang, der nur dadurch zu erklären ist, dass das System bereits zu marode war, um diesen Versuch einer basisdemokratischen Wahrheitsfindung abzuwehren. Die Kommission stellte ihre Arbeit offiziell am 27.4.1990 ein. Der Abschlussbericht erschien als Buch. Der Nachlass der Kommission wurde dem Archiv der evangelischen Kirche übergeben."

Edit: http://www.jugendopposition.de/index.php?id=644

"Gedächtnisprotokolle und Unabhängige Untersuchungskommission"

Schabowski hatte die Zeichen der Zeit erkannt, aber kein wunder: Honecker war bereits weg und die Funktionäre kämpften um das Überleben ihrer Macht:

"Am 23. Oktober 1989 übergeben Vertreter mehrerer Oppositionsgruppen auf einer Pressekonferenz dem Vizegeneralstaatsanwalt von Berlin, Klaus Voß, eine hundertseitige Dokumentation mit Erlebnis- und Tatsachenberichten zu den Vorfällen um den 7. Oktober. Der Staatsanwalt verspricht eine umfassende und unvoreingenommene Prüfung. Dies war erst möglich geworden, nachdem auf der Demonstration am 22. Oktober SED-Bezirkschef Günter Schabowski und Oberbürgermeister Erhard Krack versprochen hatten, dass eine Kommission die Gewalttätigkeiten vom 7. und 8. Oktober aufklären solle.

Bisher wird eine kritische öffentliche Untersuchung zum Vorgehen von Polizei und Staatssicherheit stets mit einer Kritik am Staat gleichgesetzt. Erst die sich allmählich ändernden gesellschaftspolitischen Umstände – am 18. Oktober tritt der SED-Partei- und Staatschef Erich Honecker von allen seinen Ämtern zurück – ermöglichen erste Schritte der Aufklärung."

Das sollten mal diejenigen lesen, die noch heute an
die Überlebensfähigkeit der DDR

Dei DDr ist vor allem an der dummen Repression ihrer Bürger, der stetigen Unfreiheit und Unterdrückung jedes neuen Ansatzes zugrund gegangen.

Für eben dies alles steht Schabowski. Schon vergessen? Der war Chefred. des DDR-SED-ND, der größten und wichtigsten Zeitung damals, dem Parteiblatt. Der war in der Abteilung Agitation und Propaganda des Politbüros! Viel mehr Einfluss konnte man gar nicht haben!

und dem Märchen vom bösen Wessi
glauben.

Wer hat das hier erzählt?!

Worauf beziehst Du Dich dabei?!

Willst Du mir unterstellen, ich hätte jemals so einen Blödsinn geglaubt?

Dass etliche Entscheider in der BRD der DDR feindlich gesinnt waren, ist aber kein Gerücht, oder[[zwinker]] [[freude]]?

Ans Herz legen möchte ich das Kapitel über den DDR Chip.

Guten Morgen. Die Story wurden schon Jahre in der DDR überall erzählt! Die war ein ausgelutscht, wie sonst nur irgendetwas!

Mir
haben sie noch 1990 erzählt, Sachsenring solle den Trabant weiterbauen,
für den Exportmarkt, insbesondere Ägypten.

Der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft hatte viel Gründe. Tatsächlich waren viele Produkte weltmarktfähig und sind massenhaft in Westdeutschland abgesetzt worden, z. B. über sehr bekannte Marken, aber auch über Versandthandel wie Neckermann und Otto!

Auch über die Sket werden
hier Legenden verbreitet, nicht Azur?

Was willst Du den eigentlich? Was habe ich über Sket geschriebe?

"Es wurden auch "die Kali" ( https://de.wikipedia.org/wiki/Kombinat_Kali#Aufl.C3.B6sung_des_Kombinats ) und viele Großbetriebe zerschlagen (z. B. SKET: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwermaschinenbau-Kombinat_%E2%80%9EErnst_Th%C3%A4lmann%... - alles sehr nett umschrieben, was zig tausende Facharbeiter erlebten: Massenarbeitslosigkeit, von vielen erlebt als Demütigung)."
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=380226

Das ist doch ein Fakt und wird von mir nur berichtet. SKET hat, wie die gesamte DDR-Schwermaschinen-Industrie sehr viel für den Weltmarkt produziert. Schon vergessen: Das saßen deutsche Facharbeiter und Ingenieure!

Da ich selber an der TAKRAF
Restrukturierung beteiligt war,

Das müsstest Du doch wissen, dass in der DDR wahrlich nicht alles Schrott war.

Viel Staaten haben eine um ein mehrfaches höhere Staats- und Auslandsverschuldung, als die DDR.

habe ich erst kürzlich für einen Vortrag
vor einer irakischen Delegation einmal die Privatisierung Sket und TAKRAF
Stand heute verglichen. Die TAKRAF wurde komplett zerschlagen, bei der Sket
hatte man die Großmannsträume weiterverfolgt und wollte das Kombinat
unbedingt erhalten.

Das hatte eben gute Gründe.

Das probelm war doch insgesamt, dass die DDR-Strukture völlig andere waren, die eben nur t. w. erhaltbar waren, und, dass eben "verlängerte" Werkbank, Ausschaltung von Ost-Konkuremnz und. Subjventionsbetrug usw betrieben wurde.
Vielfach fand sich kein Interessent, und die Treuhand hat ein anerkannt beachtliches Volksvermögen in einen gigantischen Schuldenberg verwandelt. Vorwiegend wurde doch nur gefleddert.

Heute gibt es im ehemaligen TAKRAF Verbund 10-mal so
viele Arbeitsplätze wie im alten Sketverbund. Das war vor allem Dohnanyis
Verdienst, der das den Gewerkschaften verkauft hat. Also lieber Azur, bitte
keine Märchen erzählen.

Was soll denn das? Habe doch nur berichtet, dass SKET gleich nach der Wende, wie in den meisten DDR-Großbetrieben, Massenentlassungen erlebte. Was ist daran bitte ein Märchen?

Es kann nicht ansatzweise so ein Märchen sein, wie das des angeblichen weißen Raben Schabo in Politbüro!

Bei meinem Besuch im Irak direkt nach dem
Golfkrieg war ich in einer Ziegelei in Hilla. Die einzige Maschine, die
dort noch funktionierte, war eine alte Seilzugmaschine der Sket.

Na sieh mal einer an. Sag ich doch.

Für diese
Märkte war Sket gut geeignet, das heißt aber nicht, dass deren Produkte
weltmarktfähig waren.

Waren sie anerkannt lange. Nur die Umwandlung von Volksvermögen in Privathand ist sehr schwierg und hatte nicht immer einen Lothar Späth (zeiss Jena) oder Dohnany an ihrer Seite.


Also lasst Schabowski in Frieden ruhen. Der war keiner der Bösen,
menschenverachtenden Kader.

Ach Michael, nun wird es ja interessant: Wer waren denn die "Bösen", die "menschenverachtenden Kader"? Und woher willst Du das überhaupt wissen?

Sieh in die Reihe der hohen Funktionäre (wobei es miese Kerle auch ganz unten gab), in deren Mitte sich Schabowski befand.

Meinen allergrößten Respekt hat er.

Na meinen bestimmt nicht. Und da befinde ich mich hier im Osten und im ehemaligen Ostberlin in der breitesten Mehrheit. Denn dafür gab und gibt es keinen Grund. Schabowksi stand auch für stetige Repression!

Meinst Du, irgendwer hier trauert dem Machthaber Schabowkis nach? Das anzunehmen, ist schlicht absolut lächerlich!

Der Mann war ein ganz, ganz hohes Tier, ein mächtiger Unterdrücker und einer der bekanntesten Wendehälse. So sieht man ihn hier, ganz überwiegend, und zwar von DDR-Opposition ausgehen über die breite Mehrheit!

Weil es um persönliche Eindrücke ging: Hatte das Glück mal eine gute Stunde allein mit Hans Modrow reden zu können. Habe selten so einen feinsinnigen und bescheidenen Menschen erlebt. Und das sagen alle über ihn, auch dessen politische Gegner.

Der stand in weiter Distanz zu dem, was Schabowski war.

Schabowski hat es zu meinem Erstaunen geschafft, dass einer wie er hier verteidigt wird! Hammer.

Möge er in Frieden ruhen!

Viele freundliche Grüße

azur

--
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