RIP Günter Schabowski - mit einer sehr persönlichen Anmerkung
Moin,
heute ist Günter Schabowski verstorben. Ich habe selbst (leider) nur mit ihm telefoniert, mein Mann hat ihn kennen gelernt. Er (mein Mann) hat heute deshalb auf seiner Facebook-Seite noch einmal einen sehr persönlichen Eintrag dazu gemacht, den ich unkommentiert nachfolgend einkopiere.
Personen der Zeitgeschichte. Weiss Gott nicht unumstritten. Was Schabowski ganz, ganz hoch anzurechnen ist, ist seine sehr kritische und ehrlich-kritische Auseinandersetzung mit seiner politischen Vergangenheit.
Möge er in Frieden ruhen. Hier noch das Posting meines Angetrauten samt Link.
Viele Grüße
Gaby
"Es gibt so Nachrichten, die lassen einen nicht unberührt. Zu den Höhepunkten meiner journalistischen Laufbahn gehörte ein Hintergrundgespräch in Berlin mit Günther Schabowski (und seiner Frau Irina) - dem Mann, der 1989 mehr oder weniger aus Versehen die Berliner Mauer öffnete. Schabowski, der 1990 aus der SED-Nachfolgepartei PDS ausgeschlossen wurde, bekannte sich im Gegensatz zu den meisten anderen DDR-Politgrößen zu Mitverantwortung und moralischer Schuld, auch am Schießbefehl an der Mauer. Dafür wurde er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er knapp ein Jahr absitzen musste bis zu seiner Begnadigung.
An diesem Abend war außer Schabowski noch ein etwa gleich alter Zahnarzt dabei. Dieser hatte in den ersten Monaten der DDR im Alter von 15 Jahren mit ein paar gleich alten Freunden zusammengestanden, alle hatten herum gemault, dass sie in den Westen rübermachen würden, wenn es vor Ort nicht besser werden würde. Wenige Stunden später drückte die Mutter des Jungen, die einen Tipp erhalten hatte, ihm ein Fahrrad in die Hand mit der Ansage, so schnell es ginge in den Westen zu radeln, was von dem Ort aus eine überschaubare Strecke war. Alle seiner Kumpel wurden vom NKWD abgeholt, nicht einer kam lebend zurück.
Daraus entspann sich ein stundenlanger Dialog zwischen den beiden, in denen sie ihre Lebensgeschichten abglichen. Bei Schabowski kam sehr klar rüber, wie sehr er sich mit seinem Wirken im DDR-Regime kritisch auseinander gesetzt hatte. Es ist bezeichnend, dass er schon 1990 aus der PDS ausgeschlossen wurde und bis zu seinem Tod in der LINKEN alles andere als wohl gelitten war. Bezeichnend für die Partei, nicht für ihn.
Ein faszinierender Mann, der mit seinem historischen Satz „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich“ die Mauer zu Fall brachte. Ein Satz, für den er keine Vorgaben seitens des Politbüros hatte und den er deshalb mehr oder weniger spontan sagte …
Mehr im Interview mit Peter Hahne auf Youtube.
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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci