@azur, ich stimme Dir voll zu

CalBaer, Montag, 02.11.2015, 18:08 (vor 3740 Tagen) @ azur2099 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 02.11.2015, 18:21

Man muss eben das System von innen erlebt haben. Bei der Bilderbuchkarriere, die Schabowski bis 1989 hingelegt hat, war er zweifelsfrei ein hundertzwanzigprozentiger, wie man so schoen in der DDR sagte. Er hat das System bis zum Untergang vollumfaenglich mitgetragen und ist dabei auch ueber Leichen gegangen (Schiessbefehl). Niemand ist zu so einer Karriere gezwungen worden, jeder hatte immer noch die Freiheit sich dem vollstaendig zu versagen. Seine Einstellung nach dem Untergang der DDR ist irrelevant, denn sie trug nichts mehr zur Beendigung der DDR bei. In den Wochen vor dem 9. November eskalierte die Lage und die SED-Fuehrungszirkel sahen als letzte Rettung die Oeffnung der Grenze, womit sie schnell alle DDR-Kritiker in den Westen loswerden wollten. Aber in diesen Tagen ging eben alles sehr chaotisch und improvisiert zu (Honecker wurde abgesetzt, Krenz war an der Macht), und die Ankuendigung Schabowskis war mehr ein Versehen seinerseits als auch eine Missinterpretation der Bevoelkerung. Die Ausreisemoeglichkeit war erst fuer den Folgetag vorgesehen und es war als eine Ausreise auf Nimmerwiedersehen gedacht. Die Entwicklungen ueberschlugen sich aber derart, es sammelten sich am selben Abend Menschenmassen vor den Grenzuebergangsstellen an, die darauf hin geoeffnet wurden (geplant war das so nicht). So nahm die Geschichte ihren Lauf und Schabowski war gewiss kein Held. Oder sollen wir ihm etwa dankbar sein, dass er nicht auf uns schiessen liess? Wenn man ihm eins anrechnen kann, ist, dass er zumindest zugab und die Verantwortung in Teilen uebernahm, was man aber ohnehin schon wusste. Trotzdem RIP, Schabe!

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