"Debit'Ismus" als Universalprinzip ..

Beo2, NRW Witten, Sonntag, 25.10.2015, 12:46 (vor 3741 Tagen) @ Isländer2780 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 25.10.2015, 13:00

Das Ende des Debitismus

Bevor man dem "Debitismus", dem richtig verstandenen wohlgemerkt, das Ende einzuläuten versucht, sollte man sich bewusst machen, dass das "Prinzip der unvermeidlichen Verschuldung (vgl. "Vorfinanzierung") und der Notwendigkeit späterer Gegenleistung (Entschuldung)" ein universelles Prinzip (nicht nur) des menschlichen Dasein ist. Das legitime Dasein besteht nämlich aus Nehmen und Geben.

Jeder Mensch, und zwar ausnahmslos, verschuldet sich bis zu dem Zeitpunkt, wo er/sie das erste Mal eigenes monetäres Einkommen erzielt, bereits bis über die Ohren bei seinen/ihren Eltern, bei den anderen erwerbstätigen Gesellschaftsmitgliedern, bei der Produktivkraft der Natur und bei dem SchöpferIn der Natur, inklusive des menschlichen Körpers. Sie alle haben jeden Menschen durch ihre Einzelleistungen ge-/erzeugt, gefüttert und gekleidet, erzogen und ausgebildet. Hierbei entsteht also so etwas wie die persönliche Urschuld eines jeden Einzelnen. Hinzu kommt, dass dem eigenen physischen Körper, welcher unveräußertes Eigentum seines Schöpfers ist und bleibt, weiterhin lebenslang und permanent eine Pflege und rundum Versorgung "geschuldet wird", damit er nicht vorzeitig stirbt bzw. damit seine "Arbeitskraft i.w.S." erhalten (re'produziert) werden kann.

Mit anderen Worten: Um eigene Leistungen, egal welcher Art, erstellen zu können, benötigt jeder Mensch zuerst Leistungen Anderer. Hieraus erwächst unvermeidlich eine eigene Verschuldung, die nach Entschuldung (Gegenleistung) ruft. Das ist Debit'Ismus.

Nun schwanke ich zwischen Wut und Trauer. Es geht um einen der letzten Threads. Da braucht ein Land Hilfe, und die kompetentesten Leute im Gelben erweisen sich als blind. Und das ausgerechnet dort, wo @Dottore seine helle Freude haben müsste [...]
Stellvertretend u.A. @Dottore, @Ashitaka, @Crisismaven, @Silke, wo seid Ihr?

Wie kommst Du bloß auf diese Idee, ausgerechnet von diesen Protagonisten des alten und heutigen Geldsystems ein Alternativkonzept zu erwarten!? Das ist mir völlig unverständlich.

Worum es geht? Um diesen Thread!

http://www.dasgelbeforum.net/mix_entry.php?id=378929

Aber es kann ja auch daran liegen, das die kühnsten Debitisten selbst nicht daran glauben, das ihre Theorie zur Praxis mutiert.

Im Gegenteil, @dottore's Debitismus IST die heute gängige Praxis .. mit all den bekannten und traurigen Folgen. Diese "kühnsten Debitisten" beschreiben das alte und heutige, bereits etablierte und völlig instabile Geld- und Finanzsystem, sonst nichts. Selbst das tun sie allerdings fehlerhaft, weil sie alles, was mit der Institution "Staat" zu tun hat, hassen und verdammen. Sie "forschen" hassgeleitet. Hass und Angst sind aber schlechte Rat- und Erkenntnisgeber.
Diese Debitisten kümmern sich nicht um mögliche Alternativen, die hier diskutiert würden .. und sie machen polemisch alles nieder, was mit einem staatlich regulierten oder lancierten Währungssystem zu tun haben könnte.

Hallo, @Dottore, da sitzt ein Parlament in Island, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie „Das Gelbe Forum“ kennen, ist sehr gering. Also selbst aktiv werden, Hilfe anbieten! Es gibt keinen kompetenteren Menschen auf der Welt als Dich!!!

Nein, von @dottore ist nichts desgleichen gekommen; zumindest ist mir nichts bekannt. Seine Anhänger haben eine ganz andere Denkrichtung eingeschlagen, über welche sie sich selbst allerdings nicht ganz im klaren sind .. oder sie wollen sie nicht öffentlich kundtun. Auch hierüber ist mir fast nichts Ernstgemeintes bekannt. Jedenfalls, sie wollen keinen Staat, der eine eigene Währung (gZM) emittiert und reguliert.

Hier nochmals für Klickfaulis der Text:
"Parlamentsdokument nr. 171 im 145. Parlament 2015 – 2016
Vorschlag für einen Parlamentsbeschluss zur Reform der Geldschöpfung
Das Parlament beschließe die Ernennung eines Parlamentsausschusses, zur Erstellung einer Studie über das System der Geldschöpfung sowie zur Erarbeitung von Empfehlungen für eine Reform. Der Ausschuss soll aus sechs Abgeordneten/Parlamentsmitgliedern, einem Mitglied aus jeder Fraktion, zusammengesetzt sein. Das Büro des Parlamentes soll dem Abgeordnetenausschuss ein Büro, einen Mitarbeiter (Angestellten) sowie notwendige Sachverständigenhilfe zur Verfügung stellen; außerdem soll der Ausschuss zuständige staatliche Einrichtungen zur Konsultation heranziehen können."

Dies halte ich für sehr begrüßenswert.

"Begründung:
Seit mehr als einem halben Jahrhundert hat die Nation mit schwerwiegenden finanziellen Problemen wie Inflation, Abwertungen der Krone, Spekulationsblasen und sogar einem

Bankenkollaps zu kämpfen. Seit Gründung der Zentralbank im Jahre 1961 hat die Währung 99,7% ihrer Kaufkraft verloren.Die isländische Krone ist in dieser Hinsicht allerdings nicht einzigartig, da sämtliche Weltwährungen auf dem Mindestreservesystem basieren."

Das Fractional Reserve Banking (der Geschäftsbanken) ist nur ein problematisches Konstruktionsmerkmal des heutigen Währungs- und Bankensystems, allerdings ein schwerwiegendes. Es macht das System chronisch einsturzgefährdet und rettungsbedürftig. Der regelmäßige Kollaps nach spätestens 3 Generationen (60-75 Jahren) ist unvermeidlich. Es ist permanent gefährdet durch sog. Bank Runs.
Das FRB hat zu einer weitgehenden Substitution des gZM durch eine zweite Währung, nämlich das hauseigene Giralgeld der Geschäftsbanken geführt. Dieses Giralgeld der GBanken ist zu einem Derivat und weitgehenden Substitut des staatlichen gZM geworden, was den Banken eine ungeheure Macht verleiht. Eine Macht, welche die der staatlichen ZB bei weitem überragt. Dies geschah nicht zufällig oder ohne Absicht. Und dies muss unbedingt korrigiert werden.

Jedoch, das heutige Währungssystem weist weitere schwerwiegende Konstruktionsmängel auf. Insbesondere ist hier zu nennen: die Art und Weise der Staatsfinanzierung und der (fehlenden) Deckelung der Staatsverschuldung. Hierbei ist die Rolle und Funktion der staatlichen Notenbank (Zentralbank) gesetzlich völlig neu zu definieren.
Ein weiteres großes Problem des heutigen Währungssystems ist die geduldete oder gar geförderte chronisch zu hohe Sparquote eines Teils der Wirtschaftsteilnehmer, was zu einem überproportionalen Wachstum der Geldmenge sowie der Geldvermögen im Verhältnis zum BIP-Wachstum führen muss. Hierbei wird ein exponentiell anwachsendes Hyperinflationspotential bei tendenziell chronischer Deflation/Rezession in der Realwirtschaft (= chronisch sinkender BIP-Wachstumsrate) aufgebaut, welcher sich eines Tages unvermeidlich entladen muss.

[...] Es ist daher an der Zeit, dass ein Abgeordnetenausschuss selbständig das System der Geldschöpfung untersucht und Empfehlungen für eine Reform der geltenden Rechtsvorschriften vorschlägt.

Richtig so. Vollständigkeitshalber füge ich hier meinen Ansatz zu einer solchen Reform an:

Grundzüge eines autarken staatlichen Währungssystems
Antworten zum Kernkonzept & Erweiterung

Mit Gruß, Beo2


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