Selbstehrlichkeit

Leserzuschrift, Freitag, 16.10.2015, 16:50 (vor 3756 Tagen) @ mabraton3363 Views

Zitat mabraton: "Allerdings ohne mich!"

Und genau das ist doch der entscheidende Punkt.

Bei Licht betrachtet ist es nämlich so, dass eine Trennung von Kirche und Staat nicht wirklich existiert, da sich überall durch religiösen Glauben manifestierte Wertevorstellungen in Gesetzen niedergeschlagen haben. Da stellt auch das Christentum keine Ausnahme dar. Und selbst die größten Atheisten und Staatshasser hier im Forum müssen anerkennen, dass ihr heutiges Weltbild in absolut überragender Weise von eben jenem geprägt wurde, was sie am liebsten sofort abschaffen würden, nämlich vom eineiigen Zwilling Kirche und Staat.

Viele Menschen haben ein nachvollziehbares Problem damit, wenn andere Menschen ihnen einen Glauben, der von ihrem aktuellen irgendwie abweicht, aufoktroyieren wollen. Doch auch ihr aktueller Glaube wurde ihnen durch Erziehung schon ab Geburt aufgezwungen. Dagegen kann man sich als Kleinkind gar nicht wehren, das liegt in der Natur des Menschen.

Überhaupt ist die Natur ein einziger Zwang. Bei Licht betrachtet ist es nämlich so, dass Leben auf der Erde in absolut überragender Weise von Gewalt geprägt ist. Wer überleben will, muss anderen Lebewesen das Leben wegnehmen. Gleich welchen Glauben man nun hat, sollte ein "friedfertiges Element" darin vorkommen... ist das nicht lediglich der Versuch, sich mit anderen Menschen zu organisieren, um gemeinsam mit vereinten Kräften noch besser Gewalt gegen andere Lebewesen (ggf. auch gegen andere Menschen, wenn es dem eigenen Überleben dienlich ist) ausüben zu können?

Entscheidend ist doch, wie man nach der Kindheit in späteren Jahren mit dem aufgezwungenen Glauben umgehen kann. Dann kommt die persönliche Komponente ins Spiel. Man setzt die eigene, gesammelte Lebenserfahrung in Relation zu den aufgezwungenen Glaubenssätzen und schaut, was man für sich persönlich behalten möchte - und was nicht. Dieser Selbstreflexionsprozess ist vielleicht die einzige Freiheit, die man als Mensch in dieser von Gewalt und Zwängen geprägten Welt überhaupt hat. Doch je intensiver der Erziehungsprozess war, den man in seiner Kindheit erdulden musste, desto schwieriger wird es wohl mit dem inneren Hinterfragen. So besteht zum Beispiel nach wie vor die Möglichkeit, dass ich diesen Absatz nur deshalb genau so formuliert habe, wie ich ihn formuliert habe, weil meine Erzieher auf dieses Ergebnis hingearbeitet haben. :(

Aber was heißt das jetzt für Deutsche in Deutschland? Deutschland existiert als Staat nach dem verlorenen Weltkrieg quasi nur noch auf dem Papier und dieser Papierstaat ist weitestgehend wehrlos. Durch Mauerbau und Teilung gab es zudem über Generationen hinweg abweichende Erziehungsansätze und Lebenserfahrungen, also haben wir hier ein breiter gefächertes Spektrum an Wertevorstellungen. Der Einwanderungsprozess fördert diese Pluralität natürlich zusätzlich. Nichtsdestotrotz lebt man als Deutscher immer noch in einem vereinheitlichten Sprach- , Rechts-, und somit Glaubensraum. Darum darf man sich natürlich fragen, was eigentlich deutsch ist und wie deutsch man selber sein möchte.

Allgemeingültige Antworten diesbezüglich habe ich nicht, ich habe nur die, welche es in mir selbst zu finden gab. Nach denen lebe ich, und zwar mit vermutlich ziemlich deutscher Konsequenz.

Ist das nicht der beste Weg in der aktuellen Situation? Ich halte nichts mehr von Massenaufläufen, Massenkundgebungen und Massenbewegungen, die leichter denn je unterwandert, ausgehebelt, ins Gegenteil verkehrt und letztlich unterworfen werden können. Man bietet damit nur eine Angriffsfläche, die sich Deutschland überhaupt nicht leisten kann. Interessant wäre in diesem Zusammenhang übrigens mal die Beantwortung der Frage, wie umfangreich schon damals die NSDAP von gegnerischen Aktivitäten durchsetzt war. Heute ist so etwas noch wesentlich einfacher zu bewerkstelligen.

Deshalb lebe ich, wie es mir persönlich richtig erscheint. Das heißt, ich schreibe eigentlich niemandem etwas vor, sondern versuche mich langfristig (= gesamte, persönliche Lebensspanne) nach meinen Vorstellungen bestmöglich in Deutschland zu behaupten. Das versprüht zwar weit weniger öffentlichkeitswirksame Wirkung als eine Sportpalastrede, aber wenn mein Weg von anderen insgesamt für gut befunden wird, sollte es sich doch rumsprechen.

Gruß


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