Vor einigen Jahren sagte uns der Leiter des Stasi-Museums in Berlin: "Geht, wenn Ihr Kinder habt"
Lieber Udo,
wie Du weisst, haben mein Mann und ich auch mehr als 20 Jahre in der Medienbranche Deutschlands gearbeitet, die meiste Zeit hatten wir unseren eigenen Verlag und publizierten (wenn auch für ein "Nischenpublikum", namentlich Ärzte) politisch Unbequemes. Sehr Unbequemes. Wir haben "Überfälle" von MSM erlebt, die in die Redaktion platzten und Interviews forcierten, die dann später in einem Beitrag auftauchten, der "Ärztliche Nachrichtendienst" (unser Verlag) betreibe Volksverhetzung und habe einen Draht zu den Nazis. Die Details alleine würden Bücher füllen.
Es wurde dafür gesorgt, dass unsere Kinder auf dem Schulhof angemacht wurden: "Dein Vater ist doch dieser Nazi, oder?" Einmal war mein Mann zu einer Veranstaltung eingeladen, von einem libertären Verein. Es ging um bürgerliche Freiheitsrechte. Referent war u.a. der Leiter des Stasimuseums in Berlin. In einem persönlichen Gespräch hinterher, in dem mein Mann ihm unsere langen, und leidvollen Erfahrungen berichtete und auch davon, dass wir überlegen, das Land zu verlassen, sagte er ihm: "Es geht wieder los. Wenn es Ihnen um Ihre Kinder geht, dann gehen sie. Wenn nicht, dann bleiben Sie und kämpfen".
Wir sind gegangen.
Aufhalten wird man die Entwicklung nicht mehr. Das Einzige, was vielleicht noch hilft, sind unabhängige Blogs. Möglichst im Ausland gehostet und möglichst von Autoren, die nicht mehr in Deutschland leben. Siehe Markus Gärtner.
Eines aber weiss ich: Niemals mehr werde ich die Frage stellen, wie denn unsere Großeltern das Unheil des dritten Reiches (und damit meine ich nicht "nur" den Krieg, sondern alle Unfreiheiten, die es brachte) nicht haben kommen sehen können.
Hasso, ich teile Deine Melancholie.
Viele Grüße
Gaby
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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci