Der Nutzen von US-Quellen
Hallo Monterone!
Danke (auch an @ottoasta) für die Antworten. Bezüglich der ausbaufähigen Unterhaltsamkeit des Vortrags bin ich d'accord. Sicher, hier spricht kein spritziger, charismatischer Entertainer, sondern eben ein trockener Akademiker. Allerdings dürfte gerade darin der Vorteil liegen, was die Überzeugungskraft für ein Mainstream-Publikum angeht - der volle und am Ende applaudierende Hörsaal darf als Zeuge gelten. "Professorales Geschwätz" (@ottoasta) wirkt - ob berechtigt oder nicht - auf Akademiker wie Nichtakademiker gleichermaßen nach wie vor zumindest sehr glaubwürdig. Umständlich Fakten auszubreiten, ist dabei sicher kein Malus, solange es sich eben um nachprüfbare Fakten handelt.
Der wichtigere Punkt ist aber, dass angloamerikanische Quellen m.E. nicht für den Papierkorb, sondern im Gegenteil sogar besonders wertvoll sind. In einem heute ökonomisch, politisch, kulturell und intellektuell vollkommen angloamerikanisch ausgerichteten und geprägten Europa ist es neben den alten Griechen doch gerade der angloamerikanische Kronzeuge, der besonders effektiv das Glaubenssystem der westlichen Demokratie dekonstruieren und erschüttern kann. Nichts ist entlarvender, als die demokratischen Völkermörder selbst zu Wort kommen zu lassen.
Ich hatte hier vor einiger Zeit auch diesen mittlerweile recht bekannten Vortrag von Stratfor-Chef Friedman gepostet, in dem dieser freimütig aus dem imperialen Nähkästchen plaudert und u.a. die seit über 100 Jahren währende angelsächsische Strategie mit dem Hauptziel der Vermeidung eines deutsch-russischen Bündnisses klar bekennt. Nur wenige politische Vorträge erreichen eine derart aufklärerische Wirkung; das Video war in aller Munde, Wagenknecht bezog sich sogar im Bundestag auf Friedman.
Wenn ich Bekannte aus meinem Umfeld zum Nachdenken bringen will, nehme ich dazu ausschließlich Quellen, die ihr Glaubenssystem als bekannt und allgemein anerkannt bzw. glaubwürdig akzeptiert - sogar unabhängig davon, ob sie dieses Vertrauen nun im Einzelfall verdienen. Man muss sich innerhalb des bekannten und akzeptierten Kanons der Gläubigen bewegen. Zum Einstieg in das Thema 9/11 z.B. nehme ich für den Normalindoktrinierten meist keine aufwändig produzierten Dokumentationen, sondern einen recht simplen und keineswegs besonders tiefgründigen Vortrag von Daniele Ganser. Warum? Weil er in einem Hörsaal einer anerkannten deutschen Hochschule stattfand, und damit die Bedingungen des westlichen Referenzrahmens erfüllt:
https://www.youtube.com/watch?v=cgkQXJ3mugY
(Ganser ist übrigens ein bisschen unterhaltsamer als Mausfeld, aber das nur nebenbei)
Dir wird ja auch in diesem Forum immer mal wieder entgegengehalten, dass die von dir zitierten Quellen und Autoren kaum bekannt sind, du deren Inhalte aber als bekannt voraussetzt. Und auch das von Marion Sigaut herangezogene Massaker in der Vendée kennt hierzulande (leider) kaum jemand, den Irak-Krieg und seine Lügen kennt jeder. Und so arbeitet auch Mausfeld vermutlich ganz bewusst innerhalb der Grenzen des Bekannten und "kanonisch" Akzeptierten. Recht effektiv, wie ich an vielen anderen Reaktionen ablesen kann.
Aber nochmal vielen Dank für die ja insgesamt trotzdem positiven Reaktionen, auch an @ottoasta.
Mit besten Grüßen,
M