Ego und Rationalität

Leserzuschrift, Montag, 06.07.2015, 16:59 (vor 3849 Tagen) @ Sylvia4498 Views

Rationales Handeln ist nicht Grundlage meiner Analyse. Eher ist es die chronologische Abfolge der Ereignisse und dann natürlich die geäußerte Zielsetzung (Worte) und die entsprechende Umsetzung (Taten).

Helmut Kohl hat definitiv eine andere Zielsetzung und Politik in und mit Europa veranstaltet als dann nachfolgend Gerhard Schröder und Angela Merkel. Nur setzt man in der Betrachtung beginnend bei Kohl viel zu spät an.

Theoretischer Urvater des Euros ist der Kanadier Robert Alexander Mundell - Theorie optimaler Währungsräume von 1961.

1985 spricht Karl Otto Pöhl (Bundesbankpräsident unter Helmut Schmidt) in einem Spiegel-Interview das erste mal von einem Euro. Bis dato ist nur der ECU bekannt. ECU = Index-Währung, Euro = starrer Verbund.

1985 ist auch nichts von einer Wiedervereinigung sichtbar. Pöhl ist also für damalige Zeiten schon extrem visionär unterwegs.

Kohl und Waigel sind für die Unterzeichnung der Maastrichter Verträge verantwortlich. Doch was steht in denen? Wenn die Leistungsbilanzen der beitrittswilligen Länder passen, dann starten wir die Utopie.

Und da in 3000 Jahren die Leistungsbilanz eines Italiens nie zu der eines Deutschlands passen wird, heißt das auf Deutsch: Wir machen da nicht mit.

Darauf folgte 1997 der Vertrag von Amsterdam, den heute niemand kennt oder erwähnt. In diesem wurde das Beitrittskriterium von Leistungsbilanz auf die unbedeutsame Verschuldungsrate umgeschrieben.

Hier ist definitiv das Scheitern der Ära Kohl zu erkennen. Danach wurde es für ihn auch politisch ungemütlich und Gerhard kommt an die Macht. Welches Erpressungsmittel Kohl und Waigel zum Umschwenken brachte, weiß ich nicht.

Und Gerhard erschlägt den Euro schon auf dem Kindsbett. Er verpasst per Agenda 2010 der deutschen Industrie eine 20 %-Lohnstückkostensenkung, was einer 20 %igen DMark-Abwertung gleich kommt. Diese Abwertung können aber die anderen Staaten nicht folgen. A) Gefangen im starren Euro-Verbund, B) Agenda 2010 in anderen Staaten innenpolitisch nicht durchsetzbar. Hier bekommt der falsch gebaute Euro einen "Verwerfungsturbo" mit oben drauf. Und Schröder und Eichel schauen hübsch weg, als Griechenland mit dazu genommen wird.

Die politische Agenda von Angela Merkel jetzt aufzuschlüsseln, würde die Zuschrift sprengen. Sie folgt aber genau dem eingeschlagenen Schröderschen Weg. Der Euro wird von Deutschland nur so lange akzeptiert und aufrecht erhalten, wie er der deutschen Industrie von Vorteil ist. Ein strategisches Interesse ihn ewig am Leben zu erhalten, ist nicht erkennbar. Im übrigen auch nicht durch EZB Chef Draghi. Er ist der erste Zentralbanker der Geschichte der aktiv und mit Vorsatz, sein eigenes Produkt ruiniert.

Der größte analytische Fehler ist, immer von der Dummheit und Naivität der dort oben auszugehen. Die wissen schon ganz genau, zu was ihre Handlungen führen. Das Gegenteil würde bedeuten: Eine Horde der unterzahligen Minderintelligenz schafft ein weltumspannendes Verschwörungskonglomerat, was Kraft seiner Dummheit in der Lage ist, die Massen zu knechten.

MFG

RK

PS: Wie das Ego die Rationalität ausblendet kann man derzeit bei US Anlegern gut beobachten. Immer her mit den Euro- und Griechenlandpapieren, es gibt ja eh die Lösung um jeden Preis.
Verwettet würde ich mal sagen.


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