Griechenland - Wie es zur Krise kam
Hallo,
ich lese seit einigen Jahren hier mit und möchte einmal eine persönliche Meinung zu Gabys Post: "Griechenland: Aktueller Lagebericht" anmerken.
Aus eigener Erfahrung kenne ich Griechenland relativ gut. Wir haben Verwandte in der Nähe von Thessaloniki. Einige Male war ich auch dort zu Besuch. Darum erlaube ich mir eine eigene Meinung.
Im Grunde ist es so, dass Griechenland nie reif für den Euro war. Das kann man an den unproduktiven Tätigkeiten der meisten Griechen sehen. Mein Onkel betrieb bis zum Eurobeitritt eine Druckerei. Dort standen uralte Maschinen "Heidelberger". Solche, bei denen er noch mit der Hand die Buchstaben setzte. Er hielt es für völlig unnötig, neue Maschinen anzuschaffen. Er erbte eine Wohnung, kaufte zwei weitere und sparte ein wenig an. Mit dem Euro und der Aufwertung der Immobilien konnte er, auf einen Schlag, so viel Geld verdienen, wie er im Leben als Drucker niemals hätte verdienen können.
Das Geld brachte er zu einer deutschen Bank.
So gesehen hat er persönlich alles richtig gemacht.
Er hat selten gearbeitet, er hat nie investiert, er hat immer nur konsumiert und er hat ein gut gefülltes Bankkonto in Deutschland, er lebt sparsam von einer kleinen Rente und zahlt keine Miete, er reist gerne durch Europa.
Statistisch gesehen ist er "arm". In Griechenland gehört ihm nur noch eine kleine Wohnung, in der er lebt. Sein Bankkonto ist zum Monatsende immer leer. Sein Auto ist 30 Jahre alt.
Er jammert auch den ganzen Tag, wie schwer er es hat und die Regierung den "armen" Menschen nicht hilft.
Manchmal besucht er die Verwandten, die weltweit verstreut sind. Dann zahlt er nur den Flug, lässt sich bewirten und schläft im Gästezimmer.
Nun will ich das nicht alles verallgemeinern. Mir ist klar, es gibt auch andere Griechen, vor allem die im Ausland und auch in Griechenland gibt es viele arbeitende Menschen. Aber doch ist der Anteil derjenigen, die maximal 4 Stunden morgens arbeiten, mittags schlafen (bei der Hitze ist das klar), dann nochmal 2-3 Stunden abends dranhängen und dann draußen sitzen und Bier trinken.
Nichts gegen das Lebensgefühl. Darum werden die Griechen ja auch beneidet.
Aber bitte doch nicht auf Kosten der EU.
Mit einer Schwachwährung und weniger Krediten wären die Immobilien billig geblieben, mein Onkel müsste noch arbeiten - er hätte vielleicht aus Not und Angst vor Konkurrenz auch mal in das Geschäft investiert. Die Touristen würden dennoch kommen und das Theater wäre uns erspart.
Gruß
Alexander