Die Frage wird sein, über was
Guten Morgen allerseits,
die Frage wird sein, über was die Griechen abstimmen werden. Bislang liest es sich so, als wenn es tatsächlich der Vorschlag der "Institutionen" wäre mit allen detaillierten Sparmaßnahmen.
Die eigentliche Frage, die dahinter steht, wird aber sein: "Euro oder Drachme". Jedenfalls wird man in den kommenden sieben Tagen alles tun, um den Griechen genau das einzuhämmern, jedenfalls von europäischer Seite. Frau Merkel soll bereits entsprechend vorgelegt haben.
Allerdings: Auch wenn es ein Referendum über den Euro würde - ich wäre mir mittlerweile nicht mal mehr sicher, ob das glatt Pro-Euro ausginge. Noch vor Kurzem war die Zustimmung ("will den Euro behalten) bei siebzig Prozent.
Jetzt hört man hier so oft "mir ist langsam alles egal. Euro, Drachme, wurscht. Nur will ich wissen, wie es weiter geht." Die Leute hier sind aufgerieben. Und sauer auf Brüssel, wollen eigentlich möglichst raus aus der Fremdbestimmung.
Wenn Tsipras schlau ist, wird er diese nationale, patriotische Karte spielen in den nächsten Tagen. Dann hat er am Ende der Woche gute Chancen, auch ein Votum ggf. für den Euro-Ausstieg zu bekommen.
Und: Hier sehen es viele, wie auch helmut: Auch, wer Syriza eigentlich nicht mag oder gewählt hat, sagt klar: "Er macht das Richtige." Im Sinne von: Er fragt das Volk. Damit eint er selbst die hinter sich, die ihn bestimmt nicht ggewählt haben.
Derweil leeren sich hier übrigens die Bankautomaten (hier im Vorort von Thessaloniki war gestern schon kaum noch was zu kriegen), die Alpha-Bank hat angeblich ihr online-Banking bereits eingeschränkt (m.E werden die Banken spätestens Dienstag die Flunder machen, dafür wird schon Brüssel sorgen, damit die Griechen so einen kleinen Vorgeschmack bekommen, wie es sich so lebt im Chaos, damit am Sonntag das Richtige raus kommt) die Tankstellen haben gut zu tun.
Sollte bei dem Referendum ein "Nein" raus kommen, so werden spätestens dann Montag nächster Woche turbulente Tage anstehen. Der Vorteil: Durch das Referendum sind alle "auf ihren Dörfern" - in Griechenland wählt und stimmt man nicht da ab, wo man wohnt, sondern wo man geboren ist. D.h. selbst wenn am Folgetag das Chaos ausbricht, sind alle auf den Dörfern bei ihren Familien, wo jeder ein wenig Landwirtschaft hat (in der Regel die Eltern bzw. Großeltern) und man ist raus aus der Großstadt.
Ich werde - wenn Zeit ist - weiter berichten.
Viele Grüße
Gaby
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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci