Beratung einholen

Hyperion, Sonntag, 31.05.2015, 22:58 (vor 3883 Tagen) @ Leserzuschrift3099 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 01.06.2015, 13:31

Hallo Leser,
zunächst einmal ganz allgemeine Kritik, die Dir möglicherweise nicht gefallen mag, auf keinen Fall böse gemeint ist, und vielleicht hilft sie Dir trotzdem.

Diverse Geschehnisse meines Lebens, das Bewußtsein sich um zahlenmäßig
mehr Kinder für unser Land zu kümmern, resultiert auch aus Meinungen, die
auch hier präsentiert wurden.

Niemand hat Dich darum gebeten, möglichst viele Kinder zu zeugen. Du kannst auch aus der Anzahl Deiner Kinder keinen moralischen Anspruch auf irgendetwas ableiten. Die Eltern sind für die Kinder verantwortlich und danach ganz lange niemand.

Staatlicher Terror gegen speziell junge Familien mit Kindern

Davon kann meines Erachtens keine Rede sein. Ich als Familienvater einer Familie mit kleinen Kindern bin überrascht, wie viel (unnötige) staatliche Unterstützung auf uns herabregnet. Die Anträge auszufüllen ist immer eine Menge Arbeit, aber wenn ich es auf den Stundenlohn umrechne, sind es die bestbezahlten Stunden im ganzen Jahr <img src=" />

Falls Du die Gerichte und den Gerichtsvollzieher meinst mit dem Terror, dann würde ich es mit folgendem Gleichnis versuchen: eine junge Familie springt bei rot auf die Straße und der Vater wird von einem Auto angefahren. Schlagzeile: "Automobilindustrie terrorisiert junge Familie". Das zentrale Ereignis (Unfall) hat erstens nichts mit der jungen Familie zu tun; zum anderen wäre das ganze vermutlich vermeidbar gewesen, wenn die Straße bei grün überquert worden wäre; zuletzt stellt sich die Frage: was hat die Automobilindustrie mit dem ganzen Sachverhalt zu tun!?

Aber weiter im Text.

Vater verspricht sich durch eine Scheidung mehr Zeit mit den Kindern
verbringen zu können.

Das ist eine verblüffend verdrehte Logik, aber vielleicht taugt sie ja was zur Rechtfertigung vor sich selbst. Selbst falls die Intention für den Schritt, die Scheidung einzureichen, akkurat dargestellt wurde, zeugt der Ansatz von einer gewissen Naivität. Eine schlichte Google-Suche hätte recht schnell aufgezeigt, wie die Familiengerichte hierzulande urteilen.

Angesichts der Kinderzahl, kann die Mutter der neuen Familie die
erforderlichen Haushalts und Betreuungsleistungen während der Arbeitszeit
des Vaters nicht mehr allein leisten.

Das ist also die "Root cause" für die aktuellen Probleme. Deine Frau braucht Hilfe daheim. Keine Frage, vier Kleinkinder sind extrem anstrengend. Aber, falls keine sonstigen Beeinträchtigungen vorliegen, ist das mit entsprechender Organisation machbar. Auf jeden Fall sollte probiert werden, Hilfe von außen zu bekommen: Familienberatung, andere Mütter, stundenweise aushelfende Großeltern (falls keine vorhanden sind, kann man auch mal nach einer "Leihoma" annoncieren). Die Haushaltshilfe zu beantragen war eine super Idee. Dass es nicht geklappt hat - kein Beinbruch.

Es gibt einen gesetzlichen Anspruch auf Krippenplätze. Je nach Lage lohnt es sich, der Gemeinde mit Klage zu drohen, um zügig zu einem Platz zu kommen. Dass bei euch die Betreuung nur drei Stunden am Tag möglich ist, erscheint mir seltsam. Da gibt es sicher Alternativen.

Unisono wird empfohlen den Vater in Elternzeit zu schicken.
Während der Elternzeit sind die Einnahmen der Jungfamilie drastisch
vermindert.
Nichtsdestotrotz bestehen die Ansprüche der Altfamilie.

Elternzeit kann aber nur eine Übergangslösung sein, da sie zeitlich recht eng begrenzt ist. Außerdem kann man den Einfluss der Elternzeit auf das Familieneinkommen recht gut im Vorfeld kalkulieren - eine große Überraschung dürfte die Finanzierungslücke nicht gewesen sein.

Insofern war die Elternzeit des Vaters nie eine Lösung. Das ändert sich auch nicht dadurch, dass es einem durch genervte Beamte mehrmals empfohlen wird.

Da die Elternzeit also unter diesen Umständen gar nicht finanzierbar ist,
die sofortige Zwangsversteigerung des Hauses droht, entschließt sich die
Jungfamilie zum Verkauf, der Auszahlung der Anteile an die geschieden
Ehefrau, sowie zum Neukauf einer entsprechend der Differenz preiswerteren
Immobilie.

Also nach der Kausalkette "Hilfe im Haushalt" -> "Elternzeit" -> "Finanzierungslücke" -> "Haus verkauft" kommt jetzt ein weiterer echter Fehler: "Neues Haus gekauft". Ich kann die Finanzsituation nicht einschätzen, aber dem Ergebnis nach zu urteilen, wäre eine Wohnung zur Miete angebrachter gewesen. Dadurch hätten möglicherweise größere Teile des Eigenkapitals durch die schwierige Zeit gebracht werden können.

Trotz Anfragen des Vaters zwecks Neuberechnung der Unterhaltstitel (wurden
vor der Geburt der jüngsten Kinder berechnet) bei Jugendamt (Auskunft von
dort: „Neuberechnung steht auf Anfrage nur der Mutter zu“ –
geschlechtliche Ungleichbehandlung) als auch beim seit 2 Monaten
eingesetzten Anwalt, führte zu keiner Veränderung der Titel.
(Gesamtforderungen 600,00 Euro/Monat)

Laut kurzer Suche sollte eine Änderungsklage auch vom Unterhaltspflichtigen (unabhängig vom Geschlecht :-)) möglich sein. Wird sich aber hinziehen. Besser ist sowieso die außergerichtliche Einigung, sonst verdienen wieder nur die Anwälte (unterlegene Partei zahlt). Streitwert: 12*600 = 7200 EUR.

Daß dafür eine andere Immobilie
(stark renovierungsbedürftig) gekauft wurde, interessiert das Jugendamt
nicht.

Um Verständnis oder Interesse geht es hier auch nicht. Dem Jugendamt muss es doch egal sein, wovon Du Deine Pflichten erfüllst. Es gibt diese Forderungen, und Du musst ihnen nachkommen.

Schockierend hier allerdings, dass die neue Immobilie stark renovierungsbedürftig ist. Das klingt nach einem Fass ohne Boden und bestätigt meinen Eindruck, dass die Entscheidung für den Kauf der Immobilie ein Fehler war.

Zwangsvollstrecker
Schickt seien Terminvorschlag für Juli 2015 zu.

Der Besuch vom Gerichtsvollzieher selbst ist gar nicht mal so unangenehm. Meistens sehr freundliche Menschen, die viel Verständnis aufbringen. Im Gegensatz zu vielen Schreibtischtätern kann man mit denen reden. Und die werden nicht beim ersten Besuch das Haus Zwangsräumen und euch auf die Straße stellen. Der schaut sich um, sieht nichts von Wert und schreibt in sein Formular: Nix gefunden. Was ich sagen möchte: keine Panik, mit dem Besuch geht die Welt nicht unter.

Trotzdem unbedingt sofort zur Schuldnerberatung!

Aufgrund des Ablaufes der Elternzeit der Mutter für das erste gemeinsame
Kind,
hat sie, wie auch die beiden bei ihr versicherten Kinder unterdessen KEINE
Krankenversicherung.

Das Thema muss unbedingt angegangen werden, "Prio 1" wie man bei uns sagen würde :-) Seid ihr nicht in der Gesetzlichen? Die Tarifstruktur wundert mich. Kenne mich nicht aus, aber bei so vielen Kindern macht es Sinn, wieder zurückzutauschen. In der gesetzlichen Krankenkasse sollten dann alle möglichen Härten abgefangen sein.

Einnahmen
Elterngeld des Vaters (rd. 500,00 Euro/Monat)
Kindergeld für 4 Kinder 190,00 pro Kind
Unterhalt für die beiden ältesten gesamt ca. 400,00
Wohngeld 150,00

Wie schaut es aus mit Betreuungsgeld?

Ausgaben, die z.T. nicht bedient werden können:
Wasser, Strom, Heizung, Lebensmittel, Hausinstandhaltung, PKW, Abwasser,
Müll, GEZ, usw.

Schnell handeln, keine zusätzlichen Kosten durch Zahlungsversäumnisse entstehen lassen. Zahlungen priorisieren, usw... Schuldnerberatung wird weiterhelfen.

Allein aus dem Immobilienverkauf resultierend, hat die Jungfamilie heute
noch den Stand, nicht „auf der Strasse“ respektive dem Steuerzahler auf
der Tasche zu liegen.
Ohne Hartz IV Schein, steht der Familie auch kein Tafelessen zu!
Dieser Staat ließe sie einfach verhungern!

Wieder ein bisschen quere Logik: der Staat würde euch gerade nicht verhungern lassen.

Wörtlich: „so einen Fall, hatten wir in den letzten 40 Jahren noch
nicht...“

Das glaube ich zum einen nicht (wer ist denn da heutzutage noch 40 Jahre lang beschäftigt?), zum anderen hilft es euch auch nicht weiter, ein kurioser Fall zu sein.

Das ist zugegeben eine nicht sehr einfache Konstellation.

Ziemlich einfach: Du hast mehr Verpflichtungen als Einnahmen. Jetzt muss konzentriert daran gearbeitet werden, das zu ändern. Die wichtigste Frage ist vermutlich: könnt ihr die neue Immobilie retten oder nicht? Meine persönliche Vermutung ist, dass ihr nicht durchkommt, aber das muss jemand beurteilen, der sämtliche Details kennt.

Mit der Ankündigung für die Zwangsvollstreckung fragt sich nun die
Jungfamilie, ob sie es nicht hier mit einer staatlichen Aufforderung zur
Straftat (Geldbeschaffung, egal wie, der sie niemals Folge leisten wird) zu
tun hat.

Jetzt lass doch den Staat beiseite. Du musst jetzt Dein Leben auf mehreren Ebenen in Ordnung bringen, und dazu gehören in unserer Gesellschaft auch die Finanzen. Meiner Meinung nach braucht ihr Unterstützung und Beratung. Die geschilderten Entscheidungen, die zu eurer jetzigen Lage führten, belegen schon einen gewissen negativen "Track Record". Die Chance, dass ihr ohne Unterstützung in der Zukunft bessere Entscheidungen macht, schätze ich als recht gering ein.

Der Vater der Jungfamilie versucht nun, durch diese Veröffentlichung
Hilfe zu finden.
Die Mutter winkt ab und sagt, da hilft uns sowieso niemand...

Wer hat Recht?

Schön, dass ihr trotz der prekären Lage eure natürliche Neugier nicht verloren habt. :-)

Aber es gibt Wichtigeres!

Liebe Grüße,

Hyperion


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