Benötigt eine Pflanze Sinn zum Blühen?
Der Logos wurde in früheren Zeiten – noch lange vor dem Christentum —
so verstanden:
Im Anfang war das Wort, der Logos, und der Logos war bei Gott, und von
Gottes Wesen war der Logos.
Es besagt, dass sich der Sinn des Lebens in einer intelligenten Schöpfung
offenbart, wo alles seine Bedeutung und seinen Platz hat.
Im Kollektivismus wird ein neuer künstlicher Logos erschaffen
Danke nemo, ein schönes Posting!
Nur bin ich mir nicht ganz sicher ob ich das von Dir oben so stehen lassen würde.
Das Zitat mit 'Am Anfang..." steht im Evangelium nach Johannes und ist demnach im ersten Jahrhundert u. Z. entstanden. Nach meinem Verständnis ist da also nicht das zum Ausdruck gebracht, was "in früheren Zeiten – noch lange vor dem Christentum - so verstanden" wurde.
Du führst den Begriff 'Logos' ein, den wir im Deutschen nicht kennen. Er muss also gefüllt werden. Begriffe werden durch vielmalige Verwendung in Kontexten gefüllt bzw. 'verstanden'. Begriffe über geistige Dinge werden extrem unzuverlässig gebildet. Allein die von Dir verwendete Begriffe 'Gott', 'Sinn des Lebens' oder 'Schöpfung' werden von jedem von uns anders verstanden. Daher ist es extrem schwierig, einen neuen Begriff (Logos) aus dem Zusammenhang Deiner wenigen Zeilen zu verstehen.
Logos ist ein altgriechischer Begriff. Jegliche Begriffsüberlieferung ist in kollektivistischen, patriarchalen Zeiten erfolgt und von entsprechenden Memen durchsetzt. Der patriarchale Gott zeugt, gebiert, schöpft aus sich heraus durch 'Worte'. Da geht ein Logos von Gott aus und produziert eine Schöpfung. Da wird Sinn geschaffen und Gehirnwäche (Omo - jetzt mit neuer Wirkformel) betrieben. In der vorkollektivistischen und vorpatriarchalischen Welt wurde meiner Meinung nach nichts durch Worte geschöpft, da wurde Leben geboren.
Der Mensch evolvierte aus einem wortlosen - oder wortarmen, wenn wir Grunzlaute, Mimik, Gestik u. Ä. einbeziehen - Wesen zu einem wortreichen. Worte bzw. Begriffe wurden zunächst verwendet, um sich in einer vielseitigen Umgebung zu verständigen. Parallel zur Etablierung von Raum und Zeit wurde die Sprache verbessert. Ich nehme an, sogar Raum und Zeit wurde erst durch die Sprache erfunden. Mit der Erforschung - vielleicht auch Erfindung - der geistigen Welten wird aber jenseits der Grenze der menschlichen Begriffsbildung navigiert.
Für mich 'gibt es' keinen Sinn der Schöpfung. Maximal: 'Wir machen' für uns einen Sinn der Schöpfung. Ich persönlich strebe danach nicht einmal mehr einen Sinn zu machen. Mir genügt dass ich lebe, dass ich Lebenskraft oder Lebenslust habe. Das kann ich spüren. Sinn dagegen muss ich 'konstruieren'.
Als Formel: Das Leben hat keinen Sinn. Es hat Kraft.
Danke und Gruß
Hinterbänkler
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...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...
Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'