Wissen um die Hintergründe
O.k., Dieter, werd mal sehen, ob ich noch an den Streifen irgendwie komme. Dann werde ich mir ein Urteil bilden. Ich kenne nur wenige sog. Dokumentarfilme, die wirklich ausgewogen berichten. Die Reporter oder Regisseure, die sowas fabrizieren, sind auch nicht besonders gefragt.
Ich kenn einen, der eine gute Reportage über DU-Munition im Irak gemacht hat, - sein Film hat sich irgendwie in die ARD verirrt, - wahrscheinlich als Versehen; - aber von ihm oder seinen Produkten habe ich nichts mehr gesehen. - Thats life.
Warum bin ich da immer skeptisch, wenn ich von Filmen was höre. Nehmen wir mal das Beispiel der Sudetendeutschen. Ja, es gibt Filme, die die Vertreibungsverbrechen zeigen. Die Mehrzahl der Filme aber zeigt die Nazi-Verbrechen, - und was bewirkt das Ganze? Ohnehin kann man niemals ein Verbrechen mit dem anderen aufrechnen.
Es wird suggeriert, dass die Sudetendeutschen ja an ihrem Schicksal selbst schuld sind, - sie haben sich das ja durch die Henlein-Partei und durch die Frohlockung über das Naziregime selbst eingebrockt. Kein Wort über andere Zusammenhänge, kein Wort über den Widerstand im Sudetenland der Sozialdemokraten, der Seligergruppe, usw.
Was davor war, - interessiert keinen Menschen. Niemand spricht über die Verbrechen der tschechischen Soldateska an den Deutschen nach dem 1. WK, als Wilson nur leere Versprechungen gemacht hat. Vom 4. März 1919, als in die friedlich demonstrierenden Deutschen vom tschechischen Militär geschossen wurde, mit 54 Opfern, darunter Alte, Frauen und Kinder, weiß kaum jemand etwas.
Bleiben wir mal bei dem Beispiel: Nun jährt sich das mit den Armeniern zum 100sten Male, in 4 Jahren jährt sich der Vorfall vom 4. März auch zum 100sten Male. Glaubst Du, dass der Papst dann auch an die deutschen Opfer denken wird, - die im Jahre 1919 eigentlich der Auftakt zur späteren Vertreibung von über 3 Mio Sudetendeutschen geführt hat? Glaubst Du, dass da jemand von Genozid spricht?
Ich WEISS es jetzt schon, dass das nicht der Fall sein wird. Weil es sich dabei ja "nur" um Deutsche handelt. Es ist doch wesentlich schicker, sich für die Armenier, die Syrer, die Molukken, oder sonst jemand einzusetzen. Ich übertreibe nun etwas, - absichtlich. Aber ich wollte Dir nur transparent machen, dass man bei ethnischen Auseinandersetzungen immer weit zurückgreifen muss, - um überhaupt an den Kern der Wahrheit ranzukommen. Ich bezweifle, dass das bei dem Armenienkonflikt überhaupt möglich ist.
Ich gehe soweit, z.B. Hr. Schröder als damaligen Bundeskanzler eine Mitschuld an Srebreniza zu geben. Hätte er, - wie es sich für einen deutschen Bundeskanzler eigentlich gehört - diese Vertreibungsverbrechen an den Deutschen klar verurteilt, sich dafür eingesetzt, dass Vertreibung, sowie die Ermordung anderer Ethnien oder Volksgruppen geächtet werden muss, - dass derlei Dinge niemals unter den Tisch oder in Vergessenheit fallen werden, - dann hätte es vielleicht auch Leute wie Milosovic usw. nachdenklich gemacht.
So aber sagte sich jeder dieser Verbrecher, - egal, was wir auch anstellen, es muss nur lange genug Gras über die Sache wachsen, dann spricht keiner mehr von "Unrecht", dann wird es irgendwann zu "Recht". In solchen Sachen habe ich eine klare Meinung; für mich gibt es eine grundsätzliche Regel: Wenn ein Mensch (und wenn es auch "nur" 1 Mensch wäre)aufgrund seiner Weltanschauung, Religion, Rasse, Hautfarbe, Nationalität, Sprache, Kultur, oder sonst was, ums Leben kommt, dann ist es bereits 1 Mensch zuviel.
Aber man sollte auch in der Lage sein, Unrecht, unhaltbare Zustände, jedwelche Gründe, die zu ethnischen Auseinandersetzungen führen, zu analysieren und beim Namen zu nennen. Man soll sich immer das sinnige Zitat von Mark Twain vor Augen halten:
Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.
Gruß - Helmut