Lebensqualität

Ashitaka, Montag, 06.04.2015, 22:30 (vor 3934 Tagen) @ sodele4412 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 06.04.2015, 22:39

Hallo sodele,

Vielleicht ist die Zeit für dieses Experiment hier im Forum jetzt reif. Es
ist inspiriert von einem aktuellen Beitrag aus der Gelddiskussion, welcher
wie ein nachhallendes Echo vieler ähnlich lautender Texte aus den letzten
Jahren klingt und in dem folgendes steht:

"Es wird wirklich übel werden ... Im Forum wie auch in der übrigen
Gesellschaft zersetzt man sich gegenseitig so gut man nur kann. - Dann auf
in den Untergang!"

Die Frage, die man sich stellen sollte, lautet, ob denn dieses erwartete Übel auch ein Teil des eigenen Lebens werden wird. Und ich denke dabei nicht an Vorsorge bzw. eine Umgebung, die einen vor gesellschaftlichen (An)spannungen und Zerfällen schützt, sondern vielmehr an die Überlegung, ob sich nicht die Maßstäbe in einem sich immer weiter beschleunigenden und außer Kontrolle geratenden System auch ändern werden. In Gesprächen mit Überlebenden des 2. Weltkriegs erwartet man gewöhnlich Berichte über eine grausame Zeit, in der sich die Lebensqualität in Angst, Elend und Not umgekehrt hat. Doch was mir so berichtet wurde, haben sich vielmehr ganz neue Maßstäbe der Lebensqualität entwickelt, ist die Lebensqualität nicht gestorben, trotz alledem. Auch mit dem Verlust der Sicherheit kann Lebensqualität einhergehen, ein Gedanke, der uns fast abwegig erscheint. Jeder Verlust, und so fordert es auch der Verlust von Mitmenschen, keimt auf einer anderen Ebene als ein neuer Weg auf, den es zu beschreiten gilt. Jacke an, Schaal um und ab in den Sturm.

Dieses "sich gegenseitig zersetzen" spiegelt einerseits die uns umgebende
Situation und andererseits die innere Verfasstheit der Schreibenden wider.

Mit dem zweiten Aspekt beschäftigt sich der folgende Text. Er
thematisiert einen Gedanken, über den nicht nur hier im Forum sehr Wenige
je nachgedacht haben dürften. Und wenn auch nur ein Leser sein Wohbefinden
damit ein bissl verbessern kann, war`s den Aufwand ihn zu übersetzen,
etwas zu glätten und hier einzustellen schon wert.

Um den Text gewinnbringend lesen zu können, empfehle ich sehr, ihn
auszudrucken und in einer stillen Minute auf sich wirken zu lassen.

Vielen Dank für den Text. Ich versuche mal meine Gedanken in ein paar Tagen, nach ausführlichem Lesen, dazu mitzuteilen. Das wird nicht einfach, da mir der Text nicht zusagt, mich aber dennoch inspiriert.

Wodurch sich Lebensqualität meiner Meinung nach auszeichnet:

Sportwagen, soviel kann ich bestätigen, zeichnen nur die Werkstätten aus. Ein guter Verdienst hilft ebensowenig weiter. Die Rechenbeispiele unter Berücksichtigung der gesellschaftlich und staatlich erzwungenen Mehrausgaben muss ich nicht aufführen. Zeit alleine ist es auch nicht. Von dem was ich so verfolgen und bisher selbst erleben durfte, zeichnet sich Lebensqualität dadurch aus, dass man (aus welchem Grund auch immer) sich selbst keine Zeit mehr gibt, über die Lebensqualität nachzudenken, sondern in seiner Welt, ohne die gedankliche Vorstellung einer wie auch immer gearteten Trennung von dieser ("Das will nicht wie ich es will! Das bin alles nicht ich!"), versinkt und sich - so meine ich - als den Beobachter (Geist) erkennt.

Wenn man nicht mehr in der Lage ist, die Welt um einen, die Freude und ihren Bruder namens Grauen als FÜR EINEN SELBST geschaffen anzusehen, dann kämpft man gegen sich selbst an, verliert sich in endlosen Gedankenketten des "ich wäre jetzt gerne ganz woanders!", "bitte warm, aber nicht kalt!". Was mir geholfen hat, war zu erkennen, dass man sich in unwohlen Momenten beiseite nehmen kann (sich als geistigen Beobachter erfahren, nicht das Denken auszuschalten oder zu kontrollieren versuchen), alles was es zu beobachten gibt auch als eine solche gedankliche (beobachtete) Ebene erkennen und sie damit nicht mehr ablehnen.

In Meditation zu versinken ist das schlimmste überhaupt, der auf Scheitern vorprogrammierte Versuch, so zu tun, als könne der Beobachtende Geist dadurch vollkommen werden, dass man das zu Beobachtende (die Gedanken) konzentriert. Es gilt meiner Meinung nach zu erkennen, dass wir und alles was wir beobachten bereits vollkommen ist (Ein grauer veregneter Vormittag ist geil, weil ich es beobachte!). Vor allem ist unser Körper vollkommen, ist niemand ein Krüppel, sind Krankheiten ein Teil der Vollkommenheit und der Tod (oder die Angst davor) das wichtigste im Leben, um uns wieder daran zu erinnern, dass der Beobachter (Geist) ungeachtet seiner Beobachtungen (Gedanken) ein noch zu zündender Gag ist, der am Ende jeden der 7 Milliarden Menschen umhauen wird. Lebensqualität bis zum Sterbebett, oder bereits heute Nacht bzw. morgen früh? Wer weiß!

Wenn ein Ereignis oder eine Ereigniskette bevorsteht, das/die man lieber umgehen würde, sich gedankliche Zustände nicht lösen wollen (ALARM: Lebensqualität in Gefahr!), dann sollte man sich als Beobachter darüber klar werden, dass dieses Ereignis erst durch mich als Beobachter, als ein beobachteter Gedanke, entsteht. Das Leben ist also kein "Wünsch ich mir!", die Lebensqualität kein "will ich, habe ich", sondern ein "das (der Gedanke) bin ich" und "ich bin (der Beobachter)".

Das gleicht einem Deja-Vu, einem ironischen "haut mich jetzt nicht mehr aus den Socken", sondern "taucht auf, will ich angehen" und genau deshalb leben, Erfahrungen als Beobachter sammeln. Sich nichts mehr vormachen, sondern die Scheiße als eine Lebensqualität erkennen. Morgen vor versammelter Mannschaft rufen: "Ich liebe scheiß Situationen!" Warte ab, was sich mit dem Schlüssel alles ändert, aber dennoch nicht verschwindet.

Ich schrieb es schon mal: "Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe, ihr müßt von oben her geboren werden. Der Wind weht wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist es mit jedem, der da aus dem Geiste geboren ist." Johannes 3:7-8

Also, Gedanken nicht so ernst nehmen, Hosen runter, zu den Vögeln oder ab ins kalte Wasser springen. Dich öffnen, verschließen, riskieren, verlieren, gewinnen und wieder verlieren, hassen, vor lachen weinen. Jeden Augenblick als unvollkommen betrachten, weil man weiß, dass die Beobachtung so oder so zu einem gehört.

Das Beobachten lieben lernen, nicht die Beobachtung (das Gedankenhaus).
Das verbiegt jeden Löffel, das würde ich als Lebensqualität definieren!

Herzlichst grüßend,

Ashitaka

--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.