Stigmatisierung des Psychischen
Dein Unbehagen teile ich.
Mir ging dieser Tage aber noch ein ganz anderer Gedanke durch den Kopf. Ganz unabhängig davon, ob Andreas L. nun unter Depressionen/depressiven Episoden, Angstzuständen, Panikattacken oder was auch immer die Diagnoseschlüssel der Psychiatrie hergeben, litt, so ist nun eine Diskussion über das Psychische in Gang gekommen, die böse auf jeden von uns allen zurückfallen könnte.
Ich bin weit davon entfernt, psychische Erkrankungen kleinreden oder bagatellisieren zu wollen. Ganz im Gegenteil sehe ich die Körper-/Psyche-Einheit in unserer Medizin nicht ansatzweise adäquat gewürdigt.
Psychiatrische Diagnosen sind aber m.E. nicht sehr viel mehr als Kaffeesatzleserei und ungemein anfällig für Manipulationen und Willkür (der Fall Mollath dürfte noch in Erinnerung sein).
Jetzt werden schon Rufe laut, die psychischen Rahmenbedingungen der Piloten besser zu kontrollieren. Als ob man ein Psychometer anschnallen könnte, dann einen Meßwert zwischen 0 und 100 bekäme und bei >95 ist alles ok. Obwohl... Vielleicht wird genau das passieren. Vielleicht wird das Ganze noch eine ungeheure Eigendynamik bekommen, um an verschiedenen gesellschaftlichen Positionen ärgstenfalls mit dem Verweis auf eine psychische Erkrankung jemanden zu diskreditieren und somit mundtot zu machen oder von der gesellschaftlichen Bildfläche verschwinden zu lassen, ganz gleich ob Politik, Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft, etc.
Die Art und Weise, wie die Presse mit diesem sensiblen Thema umgeht, sucht ihresgleichen. Es wird sie geben, die Trittbrettfahrer, die beherzt auf den Zug der Psychoangst aufspringen werden - "schöne" neue Welt.