Das Schmerzverarbeitungssystem
Lieber EM-Financial,
ich möchte kurz versuchen das Schmerzverarbeitungssystem zu beschreiben, denn dies ist wichtig, um Schmerzen und deren Behandlung verstehen zu können.
Unser Schmerz verarbeitendes System ist sehr komplex und umfasst den ganzen Körper. Es teilt sich in seiner Morphe in ein zentrales und peripheres System ein. Ersteres ist das Encephalon (Gehirn), welches alle Reize bzw. Informationen in Form von Exterozeption (Informationen aus der Umwelt) und Enterozeption (Informationen aus dem Körper) verarbeitet. Zweiteres sind alle peripheren Nerven (Nerven außerhalb des Wirbelkanals), deren Aufgabe es ist, Informationen zu generieren und weiterzuleiten. Allgemein dient Schmerz als Wahrnehmung dazu, unseren Körper oder das betroffene Gewebe vor dessen Zerstörung zu schützen, damit ist Schmerz eine der wichtigsten Wahrnehmungen im Körper. Kommt es, durch z.B. eine Verletzung, zu einer Gewebeschädigung, einem akuten Schmerz, wird eine Kaskade von Entzündungsmediatoren ausgeschüttet, welche die Schmerzrezeptoren aktivieren, die wiederum über einen peripheren Nerven zum Rückenmark geleitet werden, um von dort an bis zum sensiblen Kortex (der Teil im Gehirn, in dem unser Körperabbild, der Homunculus repräsentiert wird) zu gelangen. Zu unterscheiden sind hier zwei Schritte der Schmerzverarbeitung. Erstens die Generierung des Reizes und dessen Weiterleitung, welche durch peripher wirkende Analgetika unterbunden werden kann, sowie zweitens die Schmerzwahrnehmung, welche im zentralen Nervensystem geschieht und mit zentral wirkenden Analgetika behandelt werden kann.
Ebenfalls ist es wichtig, die körpereigene Schmerzhemmung zu kennen. Sie wird im Hirnstamm generiert, durch die PAG (Periaqueductales Grau) und weitere Kerne (Ncl. raphe magnus) und bewirkt eine Schmerzhemmung auf Rückenmarksebene. Dieses System wird meistens nur aktiviert, wenn sich der Körper in einer akuten Notsituation befindet und es um Leben und Tod geht. Bei einer Aktivierung dieser Zellen kann temporär eine völlige Schmerzfreiheit trotz größter körperlicher Verletzungen erreicht werden, die im besten Fall zum Überleben der verletzten Person beitragen. Nicht unwichtig für die Schmerzverarbeitung ist auch unser Limbisches System, hier werden unsere Gefühle und Stimmungen generiert, welches ebenfalls einen großen Einfluss auf die Wahrnehmung von Schmerz hat. In der Behandlung von chronischen Schmerzpatienten werden beispielsweise Antidepressiva oder Cannabinoide eingesetzt, um dieses System zu modulieren, um Schmerzweiterleitung auf Rückenmarksebene zu «bremsen» bzw. zu regulieren. Auf die Pathophysiologie, welche bei chronischen Schmerzen eine wichtige Rolle spielt, wird hier nicht eingegangen.
Ich finde es nicht hilfreich, in diesem Fall konkrete Behandlungsratschläge zu geben, da noch viele Informationen und eine Untersuchung nötig sind, um den Schmerz sinnvoll einzuordnen. Diese sind wichtig, um z.B. degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates von Schmerzen eines Tumorleidens zu unterscheiden. Oder aber es ist in diesem Fall Nervengewebe selbst betroffen, was eine analgetische Behandlung erschwert. Ebenfalls müssen Alter, Gewicht und eventuelle Nebendiagnosen bekannt sein, denn Analgetika haben auch Nebenwirkungen, welche im schlimmsten Fall zum Tod des Patienten führen können.
Jegliche Therapieempfehlung finde ich äußerst fahrlässig!
Ich würde folgendes Vorgehen vorschlagen:
Es könnte ein Schmerzarzt aufgesucht werden, der eine genaue Anamnese und Untersuchung durchführt, worauf er Rückschlüsse auf das schmerzgenerierende Gebiet ziehen kann, denn jedes Organ, jeder Nerv und jeder Muskel hat sein für sich typisches Ausstrahlungsgebiet. Daraufhin kann die Region eingegrenzt und eine Fragestellung formuliert werden, welche sinnvollerweise mit einem bildgebendenverfahren (Sonographie, Röntgen, CT, MRT) kombiniert wird. Damit könnte es gelingen, die Schmerzen in den Griff zu bekommen.
Mit besten Grüßen ins Forum
DerSuchende
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