Wachregiment FED
Hallo Gelbes Forum,
da das Wachregiment FED z.Zt. wieder im Fokus steht und im Laufe der Jahre viel Unrichtiges verbreitet wurde, kurz ein paar Richtigstellungen und Informationen dazu (gedient 1970-73).
Was Hannes schrieb, ist im Großen und Ganzen richtig, aber:
- meines Wissens hatten normale NVA-Wehrdienstleistende nur 3 Monate Grundausbildung
- im Laufe der 2,5 Jahre Wachdienst im WR-FED hatte man meist 3 bis 5 „Stamm-Objekte“, insofern eine gewisse Abwechslung
- nach 1,5 Jahren wurde man oft als Einlassposten eingesetzt (war meist unbeliebt, weil streng kontrolliert)
- erster Ausgang noch in der Grundausbildung, wenn dem nichts entgegenstand (dreckige Stiefel, unaufgeräumter Schrank, zu langes Haupthaar usw.)
- die Stuben waren immer mit 12 Mann belegt (6 Doppelstockbetten); das war eine „Gruppe“. 3 Gruppen ein Zug, 4 Züge eine Kompanie. Mit Gruppen-, Zug- und Kompanieführer, Sani und Spieß reichlich 150 Mann auf einer Etage eines Kasernengebäudes mit insgesamt 3 Kompanien, was dann einem Bataillon entsprach
- normale Beförderung für Wachsoldaten war nach einem Jahr Gefreiter, nach 2 Jahren Stabsgefreiter und (keinesfalls immer!) nach 2,5 Jahren Unteroffizier (ohne jede Befehlsgewalt!)
- auf Unteroffiziers-Schule kam man nur als Genosse, also Kandidat oder Mitglied der SED.
Dann wurde man nach der Grundausbildung Uffz.-Schüler und nach einem weiteren halben Jahr Uffz. und Gruppenführer, kam in die Wachkompanien, wurde nach 2 Jahren Unterfeldwebel und sehr selten auch nach 2,5 Jahren Feldwebel und Zugführer. Die „normalen“ Zugführer waren meist ehemalige 3-jährige, die es nicht auf die Offiziersschule schafften und als 10-jährige Berufs-Unteroffiziere dienten.
Man konnte also im Wachregiment 3 Jahre als Wachsoldat dienen, 3 Jahre als Unteroffizier dienen (nur als Pateimitglied!), meist 10 Jahre als Berufs-Unteroffizier (max. Stabsfeldwebel) oder natürlich auf eine Stasi-Offiziersschule gehen und für „P+R“ unterschreiben, d.h. so lange zu dienen, wie Partei und Regierung es bestimmte. Darüber hinaus gab es für Berufs-Unteroffiziere noch die Möglichkeit, über einen internen Lehrgang (Bäcker-Lehrgang genannt) zum Unterleutnant zu kommen und auf diese Weise die Offizierslaufbahn zu beginnen.
Während des 3-jährigen Dienstes wurde man, beginnend in der Ausbildungskompanie, mindestens einmal im Halbjahr dahingehend bearbeitet, länger zu dienen; entweder im WR selbst oder aber beim MfS. Aus meiner Ausbildungskompanie in Erkner sind bereits über 20 Mann nach der Grundausbildung direkt zur Stasi gegangen! Bis wenige Tage vor der Entlassung kamen sogar noch Volks- und Transportpolizei mit der Werbetrommel vorbei.
Wenn ein junger Mann nach diesen 3 Jahren das Regiment verlassen hat, ohne in die Fänge des Staatsapparates geraten und ohne Parteimitglied geworden zu sein, setzte das schon einen starken Willen voraus. Natürlich gab es auch Ausnahmen, also charakterlich miese Typen oder Alkoholiker, die nicht mal die Stasi oder Vopo wollte.
Insgesamt muss man sagen, dass, wenn es für „Wessis“ um die Einordnung eines „Ossis“ geht, die Frage nach der Parteizugehörigkeit an erster Stelle stehen sollte. Etwas pauschal gesagt, waren Genossen entweder wenig intelligent oder unehrliche Karrieristen; aber das ist ja auch heute auf allen Karriereleitern noch gleich.
Ich selbst bin übrigens nach den 3 Jahren in meinen Beruf zurück und kann heute rückblickend zumindest die körperliche Ertüchtigung als positiven Effekt des WR-Dienstes konstatieren.
Schöne Grüße an alle „Gelben“!
Frank