Danke fuer die Infos

CalBaer, Mittwoch, 14.12.2016, 18:15 (vor 3375 Tagen) @ PPQ2611 Views

... und sehr schoen geschrieben.

Holm war nicht nur einer, der wie so jeder Jugendliche in der DDR bearbeitet wurde, laenger fuer die NVA zu dienen und dann zufaellig und unbeabsichtigt ueber 'Feliks' in den Stasi-Dienst geraten ist, sondern er war sich vom Anfang an ueber seine geplante Stasi-Karriere bewusst. Die Verpflichtungserklaerung, die er als Jugendlicher unterschrieben hat, ist dick und fett mit dem Stasi-Emblem geschmueckt und die Kopfzeile traegt "Ministerium fuer Staatssicherheit". Die ihm bekannten Planungen waren schon aeusserst priviligiert, denn nach einem Jahr waere er trotz dreijaehriger "NVA"-Dienstzeit aus der Kaserne rausgekommen und haette seinen Dienst undercover in zivilen Einrichtungen fortgesetzt.

Hier kann sich jeder selbst ein Bild von Holms Absichten machen, Holms Stasi-Akte:
http://static.bz-berlin.de/data/uploads/2016/12/andrej-holm-kaderakte_1481453629.pdf

Ich wurde selbst als Judendlicher im Wehrkreiskommando von mehreren Erwachsenen stundenlang bearbeitet, weil ich eine mir vorgelegte Verpflichtungserklaerung nicht unterschrieben habe - einfach weil ich es ablehnte, diesem Unrechtsstaat freiwillig zu dienen. Mir wurde sogar gedroht, die Arbeitsstellen meiner Eltern einzubeziehen, falls ich nicht unterschreibe. Als Strafe durfte ich dann nicht studieren, wurde aber sonst in Ruhe gelassen.

Holm haette das auch tun koennen, denn zu dieser Einschaetzung wie ich als Jugendlicher kam, haette er auch kommen koennen. Zumindest haette er sich spaeter nach der Wende von der Stasi und dem Unrechtsstaat distanzieren koennen, was er aber nicht tat.

Vera Lengsfeld war selbst ein Opfer eines politischen Prozesses (Verurteilung zu 6 Monaten Haft), wo Stasi-Leute wie Holm als Zeugen auftraten und das heute noch rechtfertigen.

Holm gab am 14.12.2007 der taz gemeinsam mit zwei anderen Hausbesetzern und einer Bürgerrechtlerin ein Interview. Zu den Interviewpartnern gehörte Herbert M., den ich besser kenne, als mir lieb ist. Herbert M. war der Mann, der im Stasi-Prozess gegen mich den Zeugen der Anklage abgab und alle Aussagen lieferte, die zu meiner Verurteilung führten. Dieser M. erklärte im Interview:

„Wir haben schon damals gesagt: Der Bereich der Staatssicherheit, der sich gegen uns gerichtet hat, war konterrevolutionär. Aber der Bereich, der international tätig war und zum Beispiel Konzernstrategien aufgeklärt hat oder faschistische Strukturen ausfindig gemacht hat, den fanden wir richtig.“

Die Bürgerrechtlerin protestierte, kein Widerspruch von Holm, obwohl der vorher geäußert hatte, seine Sicht auf die Staatssicherheit hätte sich nach dem Ende der DDR verändert.
http://www.achgut.com/artikel/linkeund_die_stasi_gehoert_zu_euch

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