Wird russisches Staatsdoping zu Unrecht verunglimpft, weil es auch andere Sportler gibt, die beim Doping erwischt werden?
Der chinesische Sportminister Do Ping wurde neulich ja ganz gelb um die Nase, weil er befürchtete, die WADA habe was gegen seine Sportler in der Hand. Aber nein, die Russen war'n's (das ist kein 'n' in Apostrophen ...).
Staatsdoping long: Nun liegt der nächste Bericht des in Sachen russisches Staatsdoping bestellten Sonderermittlers ('Independent Person') vor. Mittlerweile sind ca. 1.000 russische Sportler auf den Verdachtslisten, da deren nachgetestete Urinproben Auffälligkeiten aufweisen. Die Anweisungen bzw. 'Forschungshilfen' dazu, wie man u.a. durch Zusatz von Kaffee Urinproben 'verharmlost', scheinen direkt aus dem russischen Sportministerium gekommen zu sein. Der Inlandsgeheimdienst FSB soll dabei direkt die Finger im Spiel gehabt haben, was immerhin Präsident Putin nun völlig entlastet; ist ja eh nur ein Kavaliersdelikt.
Forbes wirft dem Sonderermittler vor, beim vorherigen Bericht, der vor der Olympiade erschien, die deswegen aber nicht den Bach runter ging, einseitig ermittelt zu haben. Allerdings verkennt das m.E. den Status einer 'Independent Person' - deren Ermittlungen sollen zügig zu einem ersten Ergebnis kommen, um dann eine Entscheidungsgrundlage zu haben, ob echte Ermittlungen sinnvoll sind. In diesen nun, trotz Herrn Bachs an Scharpings Aussitzungsvermögen gemahnender Intransigenz, nur noch durch Rechtsbeugung zu vermeidenden umfangreichen Ermittlungen, werden vemutlich nach dem Litvinenko-Mord weitere Russen bei internationalen Reisen Vorsicht walten lassen müssen. Aber im Inland gibt es ja auch genügend zu tun; andere verteilen dagegen nach Sprengungen großzügig Anthrax aus dem Militärlabor. Jedem sein eigen' Polonium ...
Hier der ursprüngliche 96-seitige Bericht von Richard M. Laren "WADA INVESTIGATION OF SOCHI ALLEGATIONS" und hier eine 103-seitige Version. Der regelmäßig aktualisierte Wikipedia-Beitrag zum russischen Doping verschafft einen Überblick und Laren hat die Beweismittel-Datenbank (a la einer Art Wikileaks) ins Internet stellen lassen. Leider hat der Gute nicht so ganz begriffen, daß man dort nur suchen kann, wenn man schon weiß, wonach man sucht, aber das kann ja noch werden, oder man macht sich die Mühe und nimmt die Stichworte aus den vorgenannten Berichten zur Datenbank-Abfrage, siehe auch WADA-AMA.
Nun gibt es Doping ja nicht nur in Rußland, auch in Italien hat man den Grappa verwechselt, während West-Deutschland unschuldig-ungläubig zuschaute. Einzig das arme Kuba kann sich sowas nicht leisten. Wer nicht den Vorteil hat, daß ihm, wie in Rußland, die nationale Doping-Agentur den Rücken stärkt, muß bis nach Spanien reisen, um fündig zu werden, wo leider, wie in Italien kontra Mafia, die Polizei vergessen wurde, einzuweihen; 'timeo danaos et dona Fuentes', wie der Romanist zu sagen pflegt.
Aber die USA schlagen, wie in Syrien, wacker zurück.
--
Literatur-/Produkthinweise. Alle Angaben ohne Gewähr! - Leserzuschriften