Scabies = Krätze: Pyrethroide, Ivermectin, Moxidectin
Das Thema wird seit jeher in der Medizin stiefmütterlich behandelt, die Literatur ist gegenüber anderen, ähnlich verbreiteten Erkrankungen, wie Tuberkulose, erschreckend spärlich, vgl. z.B. Suchbegriff "Scabies" - gerade mal ein Fachbuch bei Amazon. Gerne kann jeder nach anderen Krankheitsbildern suchen, da wird man erschlagen!
Auch in der fremdsprachigen Literatur fehlen einschlägige Monographien.
Viel wichtiger, wie kann ich mich schützen?
Eher nicht, außer durch Meidung von Hautkontakt und Verwendung von sauberer Wäsche (Kleidung, Bett, ggf. sogar Teppiche, wenn Befall auftrat).
Helfen NEMs, Vitamine, Mineralien u/o Aminosäuren?
Eher nicht. Das einzige 'natürliche' Mittel ist seit alters her Schwefelsalbe, d.h. eine Suspension von Schwefelblüte in geeigneter Salbengrundlage. Durch das entstehende SO2 - schweflige Säure - werden die Milben über die Atemwege vergiftet (und die Haut etwas gebleicht). Aber das funktioniert auch nur, wenn man es
- flächendeckend
- lange (u.U. Monate!)
- und dünn aufträgt, denn wenn die Schwefelblüte nicht mit Luftsauerstoff zu SO2 reagieren kann, fühlen sich die Milben unter der Abdeckung nur umso wohler ...
... in ihren Gängen. Denn sie graben Gänge zwischen oberster und zweiter Hauschicht. Dort legen sie Eier ab. Diese können u.U. noch nach Jahren in Einzelfällen aktiv bleiben. Begatten und befruchten tun sie sich auf der Hautoberfläche, dort kann man sie daher bekämpfen, die Eier bekommt man, auch bei Hunden, kaum direkt in den Griff, denn sie sind zwischen den beiden Hautschichten noch nicht am Blutgefäßsystem beteiligt, so daß also Mittel, die über die Blutbahn wirken, sie gar nicht beeindrucken und die AUF die Haut applizierten Mittel sie ebenfalls kaum erreichen.
Für Haustiere sind Ivermectin- und Moxidectin-haltige Mittel (auch gegen Würmer [innerlich verabreicht] wirksam) 'Mittel der Wahl'. Sie werden äußerlich appliziert - aber das Problem bleiben die Eier. Bei Hunden hat sich das innerlich verabreichte Floh-Mittel Bravecto erstaunlicherweise gegen Milben bewährt, auch wenn der Wirkmechanismus ungeklärt scheint (s.o. - Milben saugen nicht, wie Flöhe, und werden daher i.d.R. über Mittel in der Blutbahn nicht affiziert).
Bei Menschen gibt es die normale und die norwegische Scabies - letztere meist nur eine chronische Verlaufsform der ersteren.
Begünstigt wird die Chronifizierung dadurch, daß Ärzte, bekannt für ihre Schnelldiagnosen, gegen Entzündung und Juckreiz Cortisol verschreiben und damit die Sache schlimmer machen, da sie Juckreiz und Immunantwort weiter dämpfen, das Problem dadurch vorübergehend 'weg'bekommen, was zu einer explosionsartigen Ausbreitung der Krätzemilben, insbes. bei immunschwachen Personen, führt.
Mittel der Wahl sind Pyrethroid-Cocktails und eben Ivermectin, die Zulassungspraxis für diese Mittel in der Humanmedizin ist aber ein Flickenteppich.
Diagnose erfolgt durch Hautabschabung und Bestimmung von Eiern oder anderen Entwicklungsstadien dieser Spinnentiere unter dem Mikroskop. Das bedarf eines erfahrenen Auges, kann man daher bei den meisten Ärzten vergessen und ... es ist ja nicht gesagt, daß man gleich beim ersten Schaben auf Verdacht was findet. Ein negativer mikroskopischer dermatologisch-histologischer Befund bei eindeutigen Symptomen ist also kein diagnostischer Ausschluß!!!
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