Persönliche Worte des Abschieds
Um ehrlich zu sein, habe ich die großen Abschiedszeremonien im Gelben immer irgendwie lächerlich gefunden und dachte mir, dass dieses ganze Brimborium ja wohl nur der Selbstbeweihräucherung dient und um ein paar "Geh nicht!"-Kommentare zu ernten. Jetzt weiß ich, dass das viele und vor allem die Alteingesessenen wohl für sich selbst machen, um wirklich abschließen zu können. Man denkt zwar immer, das sei ja "nur" ein Forum, aber letztendlich bin ich doch schon knapp 8 Jahre dabei und das Gelbe war ein wichtiger Teil meines Lebens, in den ich sehr sehr viel Zeit mit Lesen, Studieren und Schreiben investierte.
Und da sind wir auch schon beim Knackpunkt: ZEIT! Man muss es heutzutage ja schon fast als Privileg betrachten, "nur" 40 Stunden in der Woche arbeiten zu müssen und rechnen wir mal zusammen: 24 Stunden hat der Tag,
- 8 Stunden sollte ein guter und ausgewogener Schlaf dauern (wer nimmt heute wirklich 8 Stunden Schlaf in Anspruch?)
- Minimum (!) 1h braucht man vom Aufstehen/Frühstücken bis man ins Arbeitsleben aufbricht
- konservative 45 min braucht man von daheim zur Arbeitsstelle
- ca. 9 Stunden arbeitet man am Tag.
- konservative 45 min braucht man von der Arbeitsstelle bis nach Hause
- eine aufgerundete Stunde braucht man, bis daheim der Haushalt halbwegs erledigt ist
- Einkaufen, Rechnungen bezahlen, mails beantworten, etc. etc. rechne ich im Schnitt pro Tag nochmal eine halbe Stunde
Wie viel Zeit bleibt übrig? 3 (!) Stunden, die man für sich selbst hat und diese 3 Stunden beinhalten keine Kinder! Mit Kinder bleibt einem bestenfalls eine schwarze Null oder man zweigt eben etwas Zeit vom Schlaf ab oder bezahlt sich eine Haushälterin.
Ist das der Fortschritt, von den man uns erzählt? Worum geht es im Leben? Um Menschen am Mond und Roboter am Mars? Um Smartphones, Internet und Flachbildschirme? Inwiefern hat sich die Lebensqualität seit dem Nomadentum verbessert?
Ohne näher auf meine Pläne eingehen zu wollen: Auf lange Sicht (und auch wenn die ökonomischen, sozialen und weltpolitischen Umstände mir dann vermutlich einen Strich durch die Rechnung machen) will ich mit selbstständiger Arbeit, die mich wirklich ausfüllt, weg von all dem und deshalb kann ich nicht auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Ein Symptom davon ist ein schlecht recherchierter Artikel, weil mir schlichtweg die Zeit fehlt und das hat mir jetzt endgültig die Augen geöffnet. Außerdem will ich wieder mehr im realen, als im virtuellen Leben stehen und mehr im sozialen Umfeld aufgehen und das Leben genießen. Mein Abschied vom Gelben bedeutet auch einen weitgehenden Abschied vom Internet, von Nachrichtenportalen und allen anderen Medien. Von meiner Seite ist ohnehin alles gesagt - der Rest wäre reine Selbstprofilierung.
Danke für die Kommentare! Abschiede müssen nicht für immer sein, aber der Weg zu sich selbst ist nie eine Linie, sondern ein Kreis. Der Narr im Tarot verlässt seine gewohnte Heimat nicht, weil er über sie hinausgewachsen ist, sondern weil er innerlich wachsen muss, um sie am Ende, spirituell gereift, neu zu entdecken.
Beste Grüße
Stefan Gruber aka Phoenix5