Pizzagate: Ich widerrufe und ziehe mich aus dem Gelben und den sozialen Netzwerken zurück
Liebe Foristen,
nein, mich hat keiner zu diesem Schritt gezwungen. Gezwungen hat mich gute journalistische Arbeit, die meinen Beitrag auf f+f zerpflückt hat und die mir vor Augen führte, wie mein Urteilsvermögen durch meine Emotionen getrübt werden kann. Ich war derartig in Flammen, dass wir 15 Jahre nach Dutroux endlich die "smoking gun" in der Hand halten, dass ich sämtliche journalistische Grundsätze über Board warf. Ja, ich habe mindestens 10 Stunden an dem Beitrag auf f+f gearbeitet, aber dem hätten mindestens 2 Wochen an echter Recherche vorausgehen müssen, anstatt dass ich mich auf Basisdaten von Hobbydetektiven auf reddit, youtube und Co verlasse.
Halte ich die Clintons für Verbrecher? Ja, das tue ich. Glaube (!) ich, dass es diese Pädophilenringe auch mitten in Washington DC gibt? Ja, das glaube ich! Aber mein Artikel auf f+f war dafür leider kein Beweis und bevor ich mithelfe Menschen anzuschütten, die möglicherweise tatsächlich nichts mit der ganzen Sache zu tun haben, halte ich mich lieber an den Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten", statt mich an einer Rufmord-Kampagne zu beteiligen.
Diese Kommentare auf f+f zu meinem Artikel, die ich - zumindest zu einem größeren Teil und das hat genügt - nachrecherchiert und für richtig befunden habe, gaben für mich den Ausschlag:
Postings 1:
"Ich weiß nicht, ob dieser Artikel von seiner Grundsubstanz her wahr ist oder nicht, vermutlich werden das erst weiterführende Untersuchungen zeigen. Allerdings habe ich auf Grund der von @Stefan Gruber geposteten Links kurz weiter recherchiert und bin schon auf die Schnelle auf manche Widersprüchlichkeiten gestoßen, jedenfalls, was James Alefantis und seinen behaupteten Zusammenhang mit Podesta / Clintons betrifft:
1. Zusammenhang mit “Comet Ping Pong�
[quote]Ständig ist von Käse, Pizza, pasta, Dominos, Eiscreme, usw. die Rede – meist im[/quote]
[quote]Zusammenhang mit einer Pizzeria in Washington DC namens „Comet Ping Pong“.[/quote]
Dieses “meist im Zusammenhang mit†stimmt so doch nicht! Es gibt vergleichsweise wenige Podesta-Emails wo “Comet Ping Pong†(oder auch verkürzt - “Comet†oder “Ping Pongâ€) vorkommen. In Zusammenhang mit “ice cream†oder “domino†wird “Comet Ping Pong†in KEINEM EINZIGEN Email erwähnt, in Zusammenhang mit “pizza†nur insgesamt 4x, und das sind inhaltlich gänzlich unverdächtige Emails (bitte am besten selbst mit der Suchfunktion dort überprüfen)!
So also die Emails von John Podesta tatsächlich auf Kinderpornographie hindeuten: Der Zusammenhang mit “Comet Ping Pong†ist - jedenfalls nach den geleakten Emails - eigentlich nicht vorhanden. Damit fällt aber auch die Argumentation eines guten Teils des Artikels in sich zusammen!
2. Die Liste der 50 mächtigsten Menschen in Washington enthält - noch VOR James Alefantis, der Nummer 49! - ziemlich viele Menschen, die jetzt auch nicht soo wichtig scheinen, z.B. “38. Capital Weather Gang - Bloggers, The Washington Postâ€, “41. José Andrés - Restaurateurâ€, “42. Svetlana Legetic, Jayne Sandman, Barbara Martin - Party plannersâ€. Mag sein, dass er - der in der Liste eben als “49. James Alefantis - Restaurateur and Bon Vivant†geführt wird, eine bekannte Persönlichkeit ist. Das Aufscheinen in der Liste eines Online-Magazins hat nicht viel Aussagekraft.
3. Das Instagram-Profil von James Alefantis…
IST GAR NICHT das Instagram-Profil von Alefantis - übrigens ein nicht so seltener griechischer Nachname, damit nicht wahrscheinlich, dass es sich um ein Pseudonym handelt, siehe http://www.whitepages.com/name/Alefantis -: es handelt sich um Screenshots, offenbar eine Selektion, einige der geposteten Photos sind von jemandem händisch markiert wurden, zudem sind einige einmontierte Hinweise manipulativ und gar nicht alle Beiträge von ihm: Ein Hashtag “chickenlovers†macht noch keinen Päderasten aus jemandem, ebensowenig, wie eine gelbe Halskette unbedingt jemandes sexuelle Interessen dokumentiert. Der “Boum Boum Room†ist ein Night Club in Washington, NICHT Teil des “Comet Ping Pongâ€. Wo war noch der Zusammenhang? Das Bild vom “Kill Room†und die Bilder vom Sarg stammen NICHT von Alefantis und wurden auch nicht von ihm kommentiert. Ich finde, das alles hat wenig Aussagekraft, jedenfalls macht das Alefantis nicht automatisch zum Teil eines Pädophilen-Ringes.
Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde es wichtig, dass das aufgeklärt wird. Aber aus offensichtlich dubiosen Quellen kopieren ist einfach nicht dasselbe wie eine gründliche Recherche! Passend zum Schlussabsatz - “Seit den 90ern ist die digitale Revolution und mit ihr die virtuelle Vernetzung explodiert und zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit können Informationen mit der ganzen Welt in wenigen Sekunden geteilt werden.â€
Ja, klar, aber ebenso können aber auch DESinformationen in wenigen Sekunden geteilt werden. Geschwindigkeit und Zugänglichkeit ersetzen journalistische Gründlichkeit keinesfalls!"
Posting 2:
"Ich hab mich in den letzten 24 Stunden ausführlich mit dem Thema auseinandergesetzt und möchte nach einer schlaflosen Nacht auch meinen Senf dazu geben. (Achtung, langer Post!)
Du schreibst: „Einige dieser E-mails enthalten Korrespondenzen, die inhaltlich, aber auch grammatikalisch, keinerlei Sinn ergeben. [...]Ständig ist von Käse, Pizza, pasta, Dominos, Eiscreme, usw. die Rede – meist im Zusammenhang mit einer Pizzeria in Washington DC namens „Comet Ping Pong“. So wird in diesen mails beispielsweise gefragt, ob man Domino besser auf Käse oder auf Pasta spielen kann oder es ist die Rede von „pizza-related“-Taschentüchern mit schwarz-weiß-Muster, Pizzas werden für Gäste „eingeladen“, Kinder „demoliert“ usw. Schnell machte das Gerücht die Runde, dass es sich bei diesen offensichtlich verschlüsselten Wörtern um Codes aus der Pädophilenszene handeln soll und auch wenn die Texte danach tatsächlich mehr Sinn ergeben, bleibt diese Behauptung für mich unüberprüfbar.“
Man kann sich aber zumindest die eMails etwas genauer ansehen, um die es geht:
Beispiel 1 – der Domino-Satz:
„Do you think I’ll do better playing dominos on cheese than on pasta?.“
Ein Satz, der so zunächst tatsächlich wenig Sinn zu machen scheint. Schaut man sich die komplette Mail an, wird der Kontext etwas deutlicher:
Mary and John
I think you should give notice when changing strategies which have been long in place. I immediately realized something was different by the shape of the box and I contemplated who would be sending me something in the square shaped box. Lo and behold, instead of pasta and wonderful sauces, it was a lovely, tempting assortment of cheeses, Yummy. I am awaiting the return of my children and grandchildren from their holiday travels so that we can demolish them.
Thank you so much. I hope you and your gang are well.
I miss you both
Best wishes fro a merry Christmas and Happy New Year.
Herb
Ps. Do you think I’ll do better playing dominos on cheese than on pasta?
John und Mary Podesta haben ihrem Freund Herb also offenbar eine Geschenkbox mit Käse zu Weihnachten geschickt. Und es geht wohl tatsächlich, so banal es klingt ums Domino spielen mit den Kindern und Enkelkindern und um die Frage ob man mit Käse im Magen besser gegen sie spielt als mit Pasta. Das „demolish“ bezieht sich wohl eher auf das Käsegeschenk, dass gemeinsam verputzt/niedergemacht werden soll.
Beispiel 2:
„The realtor found a handkerchief (I think it has a map that seems pizza-related. Is it yorus? They can send it if you want. I know you're busy, so feel free not to respond if it's not yours or you don't want it.“
Das ist wiederum die Mail einer gewissen Susan (Herbs Tochter), der folgende Mail ihrer Maklerin voran geht:
Susan & Herb
I just came from checking the Field house and I have a square cloth handkerchief (white w/ black) that was left on the kitchen island.
Happy to send it via the mail if you let me know where I should send it.
Auch wenn ich nicht weiß, was ein pizza-related Taschentuch sein soll - was daraus im Netz gemacht wurde, ist doch sehr fragwürdig.
1) Im Netz behauptet irgendjemand, dass (Cheese) Pizza in der Szene das Code Wort für Kinderpornographie ist und Map für männlichen Samen steht ohne irgendwelche Belege dafür zu haben (und nein, der link auf „urban dictionary zählt nicht) und man nimmt das einfach als gegeben hin und hinterfragt das nicht? Wenn ich jetzt behaupte im Darknet spricht man von
2) Bloß weil es ziemlich altmodisch ist, Stofftaschentücher zu benutzen, heißt das nicht, dass es da draußen nicht noch Leute gibt, die das tun. Und – oh Wunder – es gibt diese Taschentücher auch bedruckt mit Karten (einfach mal googlen). Ein besonders auffällig bedrucktes Taschentuch würde auch erklären, warum die Maklerin diesbezüglich noch einmal nachgefragt hat. Aber nein, es scheint viel plausibler, dass sich „handkerchief“ auf irgendein Geheimwort für sexuelle Präferenzen bezieht, immerhin gibt es ja diesen „Hanky Code“ in der Schwulenszene.
3) Angenommen es wäre tatsächlich ein Code – dann macht die Aussage doch überhaupt keinen Sinn. Männlicher Samen (map) auf einem Taschentuch als Rest einer Nacht mit Minderjährigen (pizza-related) auf der Kücheninsel eines fremden Hauses? Warum sollte die Maklerin per Mail nachfragen, ob sie dieses Taschentuch mit der Post nachsenden soll?
Erschreckend wie reine Spekulation zu Fakten umgedeutet wird, ohne dass es dafür irgendeinen handfesten Beweis gibt.
Beide Beispiele haben übrigens keinerlei Bezug zu besagter „Comet Ping Pong“ Pizzeria, woher kommt also die Behauptung, dass die Mails „meist im Zusammenhang“ mit dieser stehen?
Ohne Frage, es gibt eine Verbindung zwischen Podesta und Alefantis. Nach einem Fundraising-Event 2008 schrieb Alefantis eine Mail an Podesta um ihm zu danken:
Great show! Great speech.
Raised over 40 grand. My only regret is I did not make you a nice pizza. When can I?
Da ist es wieder das böse Wort. Und besonders verdächtig aus dem Mund eines Pizzabäckers. Der muss was anderes damit meinen.
„Da sieht man ein lächelndes, mit Klebeband gefesseltes Kleinkind“ – klingt in der Tat erschreckend. Es fehlt aber das Detail, dass das Kind lediglich mit seinen Händen per Malerkrepp an einem Tisch „festgeklebt“ ist. Muss man nicht lustig finden. Man muss es aber auch nicht als Indiz für einen Paedophilen-Ring deuten.
„ein Baby, das an einem Bündel Geldscheinen nuckelt“
Das an den Tisch geklebte Mädchen, das Baby, das an Euros nuckelt, und das Kleinkind auf dem Chickenlover Bild sind ein und dasselbe Mädchen. Sie heißt Caris und ist die Tochter von Freunden (der Mann auf dem Chickenlover Bild ist ihr Vater Scott). Sie ist außerdem die Patentochter von Alefantis.
„ein Baby mit einem Preisschild“ – das ist eine Puppe im Schaufenster eines Antiquitätengeschäfts
„ein Foto eines leeren Kühlraums, der von Alefantis mit „this looks like fun“ und „murder“ kommentiert wird und von seinen Freunden mit „Killroom“ oder „just rinse it off, when you´re done“ usw.“ – makaber, aber als Dexter Fan versteht man die Anspielung
„Fotos von Kindersärgen (!)“ - es handelt sich um das Foto eines Möbelbauers, der den Sarg selbst als „coff (ee) in table“ bezeichnet. Den Kontext kennen wir nicht. Ob es eine Auftragsarbeit ist oder eine Halloween-Bastelei – wir wissen es nicht. Auch ist nicht klar in welcher Beziehung Alefantis und dieser Möbelmacher stehen, außer dass sie über Instagram befreundet sind.
„einen Mann mit einem „Ich liebe Kinder“-Aufdruck (J'aime l'enfant) – j’aime l’enfant heißt nicht „ich liebe Kinder“, sondern wortwörtlich übersetzt: Ich liebe das Kind. Sonst müsste es nämlich „j’aime les enfants“ heißen. Beim „L’enfant“ handelt es sich um ein Café/eine Bistro (eine Anspielung an enfant terrible?), welches ein beliebter Treffpunkt der LGBT-Szene in Washington zu sein scheint ... dort gibt es auch den „Boum Boum Room“ und da es dort des Nächtens schrill und sicher auch nicht ganz jugendfrei zu geht, sind da halt keine Handys erlaubt ... ist im Berghain auch nicht anders.
Baby- oder Kinderfotos, die mit derben (z.B. „Hotard“ = Ho + retard) kommentiert werden – der Einschätzung, dass das Wort derbe ist, stimme ich zu, doch ergänzend möchte ich anfügen, dass nicht das Baby auf dem Foto (übrigens wieder die Patentochter) gemeint ist, sondern sich die beiden erwachsenen Poster gegenseitig scherzhaft so nennen
Beim nackten Mann mit der Pizza auf seinem Penis fehlt mir der Bezug zum Kindersex-Vorwurf. Solche Fotos kursieren doch en masse auf Instagram und Pinterest mit allen möglichen Lebensmitteln. Der Poster dieses Bildes scheint ein Mitarbeiter der Pizzeria zu sein und auch eher der LGBT-Gemeinde zugehörig. Dass man da mit dem Thema Sex ein wenig lockerer umgeht, ist ja kein Geheimnis. Aber auf keinem dieser Bilder geht es um Kinder. Auch nicht auf dem Bild mit der „von einer Pizza verdeckten Vagina“ (einer erwachsenen Frau), welches ebenfalls als Valentines Einladung von diesem Mitarbeiter an seine Freunde gepostet wurde. Das Bild taucht auch auf anderen Instagram-Accounts auf. Nirgendwo steht dort das Wort Lolita (https://i.sli.mg/8Ziyud.png)
Soweit also zu den Bildern. Kommen wir zur Kunst.
„Tony Podestas Lieblingskünstlerin (nach eigener Aussage), deren Gemälde sein Haus schmücken, ist die Serbin Biljana Djurdjevic, die für ihre pädophilen Bilder von gefesselten, missbrauchten oder toten Kinder bekannt ist.“
Wo genau sagt er das? In dem Artikel des Washington Magazine auf den sich viele pizzagate-poster zu beziehen scheinen, wird zwar erwähnt, dass er auch Werke von ihr besitzt, nach seinen Lieblingskünstlern befragt, nennt er allerdings fünf andere Namen. Ein Bild von Djurdjevic scheint aber tatsächlich in seinem Wohnzimmer zu hängen: „School Girl“ aus dem „Paradise Lost“-Zyklus. (http://archive.is/JgiQk#selection-1241.45-1241.81). Das abgebildete Mädchen ist aber weder nackt, noch gefesselt, noch tot. Ja, sie hat einen kurzen Rock an und ja, es gibt andere Bilder von Djurdjevic, die ziemlich krass sind, wie beispielsweise das von dem Jungen im Schwimmbad, der gefesselt und an den Armen aufgehängt den Betrachter anstarrt, aber die Werke der Künstlerin als pädophil abzutun ohne sich mal mit ihrem persönlichen Hintergrund beschäftigt zu haben oder sich anzuhören, was ihre Motive sind, halte ich für eine vorschnell. Hier eine andere Sichtweise von einem Museum in Schweden anlässlich einer Ausstellung:
„The violent themes in Serbian artist Biljana ÄurÄ‘ević’s works reflect her development as an artist during the horror-stricken 1990s – when violence in her country peaked following the collapse of the communist regime in Eastern Europe.“
„Daneben sind die Podestas, Clintons und Soros´ gern gesehene Gäste bei der Satanistin Marina Abramovic und ihrem bizarren „spirit cooking“-Ritual.“
Marina Abramovic als Satanistin zu bezeichnen zeugt entweder von Ignoranz oder einem völligen Unverständnis für ihre Kunst. Abramovic ist sozusagen die Mutter, ach, Urgroßmutter aller Performance Künstler(innen). 2010 war ihre Performance „The Artist is present“ auch im Mainstream ein Thema. Hier saß sie mehr als 700 Stunden auf einem Stuhl an einem Tisch im Museum und schwieg. Besucher konnten sich dazu setzen und Augenkontakt aufnehmen. Insgesamt taten das 1500 Menschen, darunter auch Promis wie Sharon Stone, Lady Gaga oder Björk. Ich könnte jetzt auch erläutern, welch verblüffenden Effekt das auf die Teilnhemer der Performance hatte, aber das führt am Thema vorbei. Was hat es mit dem „Spirit Cooking“ auf sich. In den 90ern hat Abramovic einige Werke unter diesem Titel angefertigt. Neben dem Bleistift nutzte sie für ihre Rezepte bei einer Performance wohl auch Schweineblut mit dem sie folgendes an eine Wand schrieb: “Mix fresh breast milk with fresh sperm milk / Drink on earthquake nights.â€. Für die einen ist das Kunst, für die anderen offenbar schon Satanismus. Wenn dann noch eine eMail auftaucht, in der Abramovic Podestas Bruder Tony zum „Spirit Cooking“ einlädt, passt das natürlich wunderbar ins Bild. Abramovic selbst äußerte sich folgerndermaßen: “It was just a normal dinner,†Abramovic said, adding that about 10 people attended. “It was actually just a normal menu, which I call spirit cooking. There was no blood, no anything else. We just call things funny names, that’s all.â€
„Auch der „Künstlerin“ Amanda Kleinman, deren offizielles Geschäft auf Pädophilen-Anspielungen beruht, wird in der Pizzeria Comet Ping Pong eine Bühne geboten, wo sie mit dem Publikum über Kindersex und sexuelle Präferenzen lachen und Baby-Geräusche in welchem bizarren Kontext auch immer nachahmen darf.“
Das müsstest Du noch einmal näher erläutern. Inwiefern beruht AKs offizielles Geschäft auf Pädophilen-Anspielungen und was genau ist in dem verlinkten Video zu sehen bzw. zu hören, das einen Zusammenhang zu den Vorwürfen herstellt?
„Sieht man sich die Speisekarte der Pizzeria an, findet man dort das Logo der Pizzeria (vor 2 Wochen aufgrund des öffentlichen Drucks geändert) – eine Pizza in Form eines Symbols, welches vom FBI der Pädophilenszene zugeordnet wird und „boy lover“ bedeutet.“
Das Logo um das es geht, ist nicht das von Comet Ping Pong. Es ist das einer Pizzeria in der Nähe (Besta Pizza).
„Außerdem findet sich dort ein weiteres Symbol aus zwei Ping-Pong-Schlägern, das dem Symbol für „child lover“ markant ähnelt.“
Wenn zwei gekreuzte Ping Pong Schläger in Verdacht stehen ein Symbol für Pädophilie zu sein, weil sie angeblich einem „Herzchen-Schmetterling“ ähneln, sollte sich Langnese aber warm anziehen. Deren Logo sieht nämlich EXAKT so aus wie das Symbol für „Girl Lover“. (http://www.mirror.co.uk/news/world-news/parents-warned-over-innocent-looking-7843597)
„Für tiefergehende Recherchen zur Causa seien noch folgende Schlagwörter für die eigene Recherche genannt:
Die enge Verbindung Bill Clintons mit dem pädophilen Mädchenhändler Jeffrey Epstein“
Mich wundert, dass im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein immer nur von Bill Clinton die Rede ist, wo Epstein doch auch gut mit Trump befreundet zu sein schien.
“I’ve known Jeff for fifteen years. Terrific guy,†Trump told New York Magazine for a 2002 profile of Epstein. “He’s a lot of fun to be with. It is even said that he likes beautiful women as much as I do, and many of them are on the younger side. No doubt about it — Jeffrey enjoys his social life.â€
Interessant in diesem Zusammenhang auch die anstehende Gerichtsverhandlung zur (angeblichen) Vergewaltigung einer 13jährigen in zwei Wochen. (https://www.theguardian.com/us-news/2016/oct/12/donald-trump-jeffrey-epstein-alleged-rape-lawsuit)
„Die enge Verbindung der Clintons zum pädophilen Anthony Weiner“
Ich will hier nichts relativieren: Anthony Weiner hat einer 15jährigen offenbar „gesextet“ und das war falsch und sollte geahndet werden. Ihn deshalb aber als pädophil zu bezeichnen, ihm also „primäres sexuelles Interesse an Kindern, die noch nicht die Pubertät erreicht haben“ zu unterstellen, halte ich dennoch für falsch. Bisher scheint sie die einzige Minderjährige unter einer Vielzahl von Frauen zu sein und solange das FBI noch ermittelt bzw. sich keine weiteren Opfer melden, kann hier nicht die Rede von „primärem Interesse“ sein.
„Die mögliche Verbindung der Podestas zum Pädophilen Clement Freud und die mögliche Verbindung beider zum Verschwinden des Mädchens Maddy McCanns in Portugal 2003“
Nach Angaben seiner Familie hielt sich Freud zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden in England auf. Er lud die McCanns erst zwei Monate nach Maddies Verschwinden zu sich in seine Villa in Portugal ein. Hat er in seiner Abwesenheit seine Villa an die Podestas vermietet? Im Netz gibt es keinerlei Beweise dafür, dass sich Freud und die Podestas überhaupt kannten. Eine Website spricht von einer ominösen FBI-Quelle, die bestätigt, dass sich die Brüder im Mai 2007 in Portugal aufgehalten haben, doch Belege dafür werden nicht geliefert. Außerdem kursieren Phantomzeichnungen der Entführer im Fall Maddie, die vermeintlich große Ähnlichkeit mit den Podestas aufweisen. Nun ist es aber so: die zwei Zeichnungen zeigen ein und dieselbe Person, basierend auf den Angaben einer Urlauberfamilie, die an besagtem Abend einen Mann mit einem Kind auf dem Arm gesehen hat. Geht also irgendwie nicht ganz auf die Theorie.
„Hillary Clinton und der Mädchenhandel in Haiti nach dem Erdbeben“
Der Begriff Mädchenhandel ist nicht ganz korrekt, zumindest wenn er sich auf den Fall von Laura Silsby und neun weiteren Missionaren aus dem Jahre 2010 bezieht. Silsbys Gruppe wurde an der Grenze mit insgesamt 33 Kindern aufgegriffen. Sie behauptete die Kinder seien Waisen, die in einem Kinderheim in der Dominikanischen Republik untergebracht werden sollten. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Kinder Eltern hatten und so kam es zur Verhaftung. Tatsächlich wurde Silsby später verurteilt (for „organizing illegal travel“) kam aber mit einer milden Strafe davon, weil die Eltern ihre Kinder freiwillig mitgegeben hatten um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen.
Für mich ergibt sich aus der Geschichte eher das Bild einer fehlgeleiteten Wohltäterin, die in guter Absicht das Falsche tat als das einer professionellen Mädchenhändlerin. (http://www.wsj.com/articles/SB10001424052748704533204575047720443045194)
Auch hier geht es nicht darum irgendetwas schön zu reden – den Eltern wurden falsche Versprechungen gemacht (Besuche bei den Kindern) und das Ganze ist und bleibt eine strafbare Handlung, doch wenn ich schon so schwerwiegende Vorwürfe wie „Mädchenhandel“ bringe, dann wäre es schon schön alle Fakten auf den Tisch zu legen.
Und was genau verbindet Hillary Clinton mit der Geschichte und führt letztendlich zu dem Vorwurf die Clintons wären in irgendeinen dubiosen Kinderhandel-Ring verstrickt?
Dass Bill Clinton damals als UN Gesandter in Haiti war und auch im Fall der inhaftierten Missionare versucht hat zu vermitteln? Dass Hillary Clintons Beraterin Huma Abedin ihr eine eMail zum Fall Silsby weiter geleitet hat? (ein Fall, der die damalige Außenministerin ja durchaus interessiert haben dürfte). Dass es bei Wikileaks eine Art Abstract zum geplanten Waisenhaus Projekt von Silsby aus dem Jahre 2001 gibt in dem sie die Kosten auflistet, die unter anderem auch den TRANSPORT in einem Bus abdecken sollen? (Gegenfrage: Gibt es eine Mail, die beweist, dass die Clinton Foundation Gelder zur Verfügung gestellt hat?)
Ich lass mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber bisher finde ich die pizzagate-Beweiskette mehr als fragwürdig.
„Diesmal darf die Wut nicht verebben. Diesmal muss der Skandal mit allen Mitteln wach gehalten werden. Der Hashtag „Pizzagate“ muss so oft wie möglich in verschiedenste Diskussion eingestreut werden, um den Bekanntheitsgrad exponentiell zu steigern und Pizzagate-Enthüllungen müssen über soziale Netzwerke geteilt werden, auch wenn man sich mit diesem Einbruch in den geregelten Alltag des Durchschnittsfreundes nicht unbedingt beliebt macht.“
Basierend auf welchen Beweisen? Irgendwelchen Spekulationen von übereifrigen Hobbydetektiven auf reddit und 4chan, deren Sensationsgier und Geltungssucht keine Grenzen zu kennen scheint? Das lief beim Boston Bomber damals auch “super“. Da wurde schnell jemand öffentlich verdächtigt, der mit der Sache überhaupt nichts zu tun hatte. Rufmord nennt man sowas. Damit machst du dich nicht nur unbeliebt, sondern ganz einfach auch strafbar.
Alefantis hat Morddrohungen erhalten, die Pizzeria sollte niedergebrannt werden, die Eltern seiner Patentochter haben ihre Anwälte eingeschaltet, weil ihr Recht am Bild verletzt wurde. Eine Universitätdozentin wurde belästigt, weil sie zufällig auch Amanda Kleinmann hieß.
Ganz normale Menschen sind in eine Sache hineingezogen worden, die im Zweifelsfall ihr Leben, ihre Existenz ruinieren kann und das alles ohne auch nur einen stichhaltigen Beweis für solch schwere Vorwürfe. PoltiFact, Snopes, die New York Times – sie alle haben pizzagate als Hoax entlarvt, das hält den Mob jedoch nicht davon ab, weiter zu wüten. Mittlerweile hat sich auch die Polizei eingeschaltet, jedoch eher weil es mehrfach täglich zu Drohanrufen in der Pizzeria kam und nicht weil es verdächtige Aktivitäten in der Pizzeria gab, die auf Kinderpornographie hindeuten.
Für Hardcore-Believer ist das natürlich ein Zeichen, dass da was vertuscht wird. Ich persönlich finde es unerträglich, wenn der Wille jemand „dran zu kriegen“ größer ist als eine objektive Auseinandersetzung mit den Fakten und dies die Menschen so verblendet, dass sie gegen alle Regeln der Vernunft losziehen und eine Hexenjagd betreiben. Wirklich beängstigend."
Um ehrlich zu sein, bin ich schockiert über mich selbst. Gerade bei so einem heiklen Thema darf das nicht passieren.
In Zukunft werde ich mich wieder auf das konzentrieren was ich kann: Bücher schreiben.
Edit: Und weil ich per mail gefragt wurde, ob dieser Fauxpas wirklich meinen Abgang rechtfertigt. Vor ein oder zwei Jahren wäre das noch nicht der Fall gewesen, aber ich zerreiße mich schon die letzten Monate zwischen meinem Interesse fürs Gelbe und meinen privaten Vorhaben, die neben einem Fulltime-Job zeitlich nicht zusammengehen. Das Gelbe ist in gewisser Hinsicht ja auch eine Sucht und mein schlecht recherchierter Artikel, der ein winziges Scherflein dazu beitrug einen möglicherweise Unschuldigen das Leben zu ruinieren, war ein Wink des Schicksals, dass es nun endgültig Zeit ist aufzuhören.
Ein allerherzliches Dankeschön an Elli dafür, dass er mich durch die Bereitstellung des besten deutschsprachigen Forums im Netz, zu einem reifen Menschen hat werden zu lassen. Du erst (und viele gute Schreiber, allen voran Paul C. Martin aka dottore) haben mir meine Ziele im Leben vorgegeben und meinen Lebensweg, den mir das Schicksal hoffentlich erlaubt zu gehen. Dafür werde ich euch ewig dankbar sein. Auch von allen anderen grandiosen Schreibern (es wäre unfair hier einige aufzuzählen und möglicherweise andere zu vergessen) möchte ich mich bedanken und verabschieden.
Ich glaube, dass das passieren musste, um einen neuen Lebensabschnitt beginnen zu können.
Mit besten Grüßen
Stefan Gruber