Immobilienpreise gehen durch die Decke - die Leute kaufen trotzdem!
Ich habe den Eindruck, eine "günstige" Gegend gibt es im deutschen Immobilien-Sektor mittlerweile gar nicht mehr. Ich wohne z.B. in einer äußerst ungünstigen Ecke Norddeutschlands - im Norden die Nordsee, im Westen die Weser, also quasi "halber Einzugsbereich". Keine Industrie, bis auf eine größere Stadt mit rund 100.000 Einwohner sehr ländlich geprägt, Hamburg knapp 3 Autostunden entfernt (sehr bescheidene Verkehrsanbindung). Hohe Arbeitslosigkeit gepaart mit bescheidenen Einkommen sorgen für überschaubare Kaufkraft. Größter Arbeitgeber in der gesamten näheren und mittleren Umgebung einer der größten Containerhäfen der Welt.
Trotzdem gehen selbst hier die Preise für Häuser und Wohnungen durch die Decke. Selbst für total abgewohnte 50er bis 70er Jahre Buden muss man aufgrund der Nachfrage Mondpreise berappen, die noch vor 10 Jahren kein Mensch im Traum gezahlt hätte.
Und als ob das gar nichts ausmachen würde, werden diese Hütten gekauft. Kaum hat der Makler sein Schild an der Straße aufgestellt, wechselt die Laube auch schon den Eigentümer. Auch Baugrundstücke sind davon betroffen. In besonders krassen Fällen kaufen die Leute so eine 50er Jahre Bude, nur um sie anschließend abzureißen und einen Palast auf das Grundstück zu stellen.
Hier werden mittlerweile Häuser gebaut, die sich meine Eltern nicht im Traum hätten leisten können. Da ist alles vom Feinsten, lasierte Dachziegel, Echtholzfenster, aufwendig verklinkert, mehrgeschossige Bauweise, Portale, Doppelgaragen, vom Gartenbaubetrieb angelegte Gärten, hochwertige Pflasterungen. Wie gesagt, der Neubau meiner Eltern 1979 war dagegen eine Hundehütte.
Wie ist das möglich?
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"Ich lege für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, dass ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwänglichen Dummheit verachte und mich schäme, ihr anzugehören."
Arthur Schopenhauer