Inflationsberechnung - eine kritische Analyse
Wir haben gegenwärtig offizielle 0,8 Prozent Inflation in Deutschland.
Berechnet wird sie bekanntlich mit dem s.g. "Warenkorb".
Kurzzusammenfassung der Berechnungsmethode:
Dorthinein wandert alles, was ein Durchschnittsmensch aus einer Durchschnittsfamilie in einem Jahr in Deutschland so durchschnittlich kauft.
Beispielsweise (fiktive Werte und Produkte):
1/128 Hut
1/10 TV-Gerät
100 Stck. Butter
129 KG Schweinefleisch
50 KG Rindfleisch
900 Liter Bier
[...]
Wer den echten Warenkorb kennenlernen will, findet ihn im Netz. Mir geht es nur um das Grundprinzip.
Und das geht so:
Die durchschnittlichen Preisunterschiede der durchschnittlichen Produkte im durchschnittlichen Warenkorb für durchschnittlich einkaufende Deutsche werden mathematisch verdurchschnittlicht... voilá: Die Inflationsrate ist da.
Zu erwähnen wäre auch noch, dass auch jährlich die durchschnittlich konsumierten Waren eine Rolle spielen, also was genau durchschnittlich gekauft wird. Sonst wäre das Modell sinnlos.
So viel zur Ermittlung der Inflationsrate.
Kommen wir nun zur Kritik daran:
Es gibt an dieser Inflationsratenberechnung viele kleine, aber drei große Kritikpunkte:
1. Wenn sich die Menschen keinen Luxus mehr leisten können, schwenken sie auf billigere Ersatzprodukte um. Das verfälscht das Ergebnis.
Beispiel: Rindfleisch wird teurer und die Leute kaufen daher mehr Schweinefleisch. Dann fällt in dem Jahr die Schweinepreisänderung stärker ins Gewicht, als die Rindfleischpreisänderung, die zu einer Änderung des Konsumentenverhaltens führte.
(Klingt langweilig, ist es vielleicht auch, aber ist der Vollständigkeit halber notwendig - da wird viel darüber gestritten.)
2. Der zweite große Kritikpunkt ist, die Zusammensetzung des Warenkorbes.
Die Kritik lautet konkret, dass viel zu viele Elektronikprodukte im Warenkorb sind. Tendenziell zu viel solcher Produkte, die billiger wurden. Geplante Obsoleszenz hin oder her - aber keiner kauft 10 TV-Geräte in Jahr (fiktiver, überspitzter Wert).
3. Ferner wird immer wieder gesagt, dass der Warenkorb vor allem so verzerrt ist, weil keine Vermögenspreise einfließen.
Das ist mein Favorit.
Bau, kauf, oder am besten habe heutzutage mal ein Haus!
Mehr als ein Schnitzel am Tag kann ein Reicher auch nicht essen (Konsumquote). Aber Sachwerte kaufen kann er viele.
Dass Vermögenspreissteigerungen von Sachwerten nicht in den statistischen Warenkorb einfließen ist für mich der Hauptgrund, warum das mit den 0,8 Prozent vorne und hinten nicht die Geldentwertung anzeigt.
Aber diesen Anspruch hat die Inflationsrate auch gar nicht - was viele nicht wissen. Die Inflationsrate zeigt an, wie sich Verbraucherpreise (ohne Vermögenspreise) verteuern (oder verbilligen).
Insgesamt taugt die Zahl halt nicht besonders viel.
Wegen grundsätzlicher Unsicherheiten (für die die Verfälschung ein Symptom ist) gehen viele in Sachwerte. Und damit schließt sich der Kreis.
Hab ich mir in den vergangenen Tagen mal so zusammengereimt und repetiert, was ich aus Lektüre dazu weiß.