Wenn Du Karlsch gelesen hast, dann schau doch mal auf S. 133f. und S. 228f

nvf33, Donnerstag, 20.10.2016, 20:43 (vor 3425 Tagen) @ DT5928 Views

Darin steht m.E. bündiger denn irgendwo, wie da der Stand der Erkenntnis ist zu Deinen Fragen:

Waren die angeblich "deutschen" Atombomben Uran- oder Plutoniumbomben?

Das ist mir nicht bekannt, und auch Karlsch nicht, es deutet aber einiges auf Plutoniumbomben - wohlgemerkt aber dank Hohlladungstechnik und dem im deutschen Reich chronischen Materialmangel mutmaßlich nur in taktischen Dimensionen, d.h. etwas anderes als die Hiroshima- und Nagasakibomben.

Wie wurde das Uran 235 separiert?

Wie gesagt, das Prinzip des SILEX-Verfahrens ist von der Idee her vermutlich schon Anfang der Vierziger Jahre von Felix Ehrenhaft erkannt worden (aus seinen Photophorese-Arbeiten und Andeutungen in Briefwechsel kann man das z.B. erschließen. D.h. dieses Verfahren ist zumindest nicht abwegig in dem Zusammenhang. Seit ca. 1970 ist es in der Physik Mainstream (A. Ashkin, PRL 24-4).

Wenn Plutonium, in welchem Reaktor wurde das erbrütet?

Das weiß ich nicht, und bei Karlsch steht es meines Wissens nicht. Das schwere Wasser jedenfalls kam aus Rjukane in Norwegen.

Welcher Reaktor in Deutschland wurde bis Ende 1945 kritisch?

Ich vermute, Du meinst Ende 1944(!). Lt. Karlsch gab es im Versuchsreaktor Gottow im Frühjahr 1944 einen Reaktorunfall, der auf überkritische Reaktionen hindeutet. (Karlsch S. 133 f)

Ich mag nicht alles durcheinander werfen. Was haben Ultrazentrifugen und
das SILEX Verfahren mit meinen obigen Fragen zu tun? Ich habe auch das Buch
von Rainer Karlsch gelesen, und ich antworte mit objektiven Analysen....

Das ist löblich und geht mir ähnlich. Allein ist der Spiegel-Artikel in der Hinsicht vielleicht objektiv, aber nicht wirklich vollständig. Sobald man sich um Vollständigkeit bemüht, muss man mit Widersprüchen klarkommen, und das macht der Spiegel leider nicht mehr so gern.

Ich warte immer noch auf meine Antworten, und nicht auf Verweise von z.T.
"Heimatforschern" (damit meine ich das Buch von Günter Nagel: Das geheime
deutsche Uranprojekt") ohne ausreichende naturwissenschaftliche Kenntnisse.

Das dieses Thema gefühlsmäßig aufgeladen ist, und damit nicht immer nur völlig nüchterne Analysen zu bekommen sind, stimmt leider. Allerdings liegt auch in der Forderung nach "ausreichenden naturwissenschaftlichen Kenntnissen" ein Gefühlsappell. Heißt das, ein Urteil ist nur mit einer Eins in theoretischer Physik im Diplom erlaubt? Oder heißt es, für ein Urteil muss man Professor sein? Oder muss man beliebt sein in den Feuilletons?
Und wenn alle diese Forderungen erfüllt sind, stellt sich dann automatisch Urteilsgleichheit ein?
Meiner Erfahrung nach geschieht eher das Gegenteil. Daher halte ich auch das Fazit von Klaus Mayer im Spiegel-Artikel für interessant, aber nicht für erschöpfend. Insofern lohnt die weitere Suche! Wenn Du Hinweise hast, lass sie hier gern sehen!

Viele Grüße
nvf33


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.