OT: Terra Preta, das Melanchthon der Landwirtschaftlichen Reformation, Boden-Amelioration mit gekonnter Brandrodung oder so
Wenn demnächst die Lichter ausgehen, wird es ein sprunghaftes Interesse an Selbstversorgung und eigenem landwirtschaftlichem Anbau und Gartenbau, sowie an Überlebenstechniken und Methoden zur Haltbarmachung von Lebensmitteln und Fermentieren geben.
Da sollte man sich mit den erforderlichen Methoden und Techniken bereits etwas zuvor vertraut machen bzw. sich die Literatur zulegen, solange die Lieferdienste noch verkehren, weil sie noch Sprit haben.
Effiziente Holzheizung versucht, den Heizwert des Holzes möglichst vollständig auszunutzen, bei der Herstellung von Terra Preta jedoch muß man den Verbrennungsprozeß rechtzeitig stoppen durch Ablöschen des verkohlten Holzes und die Verbrennung unter sauerstoffarmen Bedingungen durchführen. Noch besser als das Löschen mit Wasser ist es, Terra-Preta-Biokohle mit vorher gesammeltem (menschlichem und/oder tierischem) Urin oder Brennesseljauche zu löschen, da sich diese dann gleich mit dem nötigen Stickstoffdünger für die spätere Bodenverbesserung vollsaugt.
Vgl. "Terra Preta. Die schwarze Revolution aus dem Regenwald" oder "Geheimnisse der fruchtbaren Böden: Die Humuswirtschaft als Bewahrerin unserer natürlichen Lebensgrundlage" bzw. "Kompost, Erde & Düngung: Gesunder Boden - gesunde Pflanzen".
Wer auf Komposttoilette umstellt, tut ohnehin gut daran, Urin und Fäkalien zu trennen und letztere zu kompostieren. Die ungetrennte Mischung, sprich Gülle, ist denkbar ungeeignet und deren massenhafte Ausbringung auf den Feldern im Rahmen der intensivierten Landwirtschaft trägt nicht wenig zur seit Jahrzehnten fortschreitenden Bodenverschlechterung und -erosion bei.
Der Urin kann entweder zur Aufladung der Biokohle verwendet und/oder in Verdünnung dem Gießwasser beigemengt als Flüssigdünger eingesetzt werden. Es gibt auch bereits Mischanlagen zur Zudosierung zum Spritzwasser bei Gartenschläuchen usw. (Verhältnis 1:10 oder 1:20 z.B.).
Terra Preta war bereits den Ureinwohnern im Amazonasgebiet vertraut.
Die Erfolge, die mit Terra Preta als Bodenzusatz erzielt werden, gehen bis zu mehrere hundert Prozent Ertragssteigerung, insbesondere, sofern Terra Preta direkt im Wurzelbereich eingebracht und nicht flächendeckend untergearbeitet wird. Nicht nur spart das Mengen ein, es führt (bei dieser selektiven Einbringungsmethode) auch zu einer intensiveren Düngung und Stickstoffversorgung der Nutzpflanzen, während gleichzeitig die Stickstoffversorgung der unerwünschten Pflanzen ('Unkraut') verschlechtert wird, so daß sich die erwünschten Pflanzen stärker durchsetzen und nicht be- und verdrängt und/oder beschattet werden.
In Verbindung mit pflugloser Bodenwirtschaft und 'Vermikultur', d.h. Förderung des Besatzes mit Regenwürmern und Permakultur sind, bei entsprechend vermehrter Handarbeit, mehrfache Erträge gegenüber der herkömmlichen Landwirtschaft zu erzielen. Allein, es fehlt meist der Glaube und 'es kann der Beste nicht in Frieden leben', wenn der Nachbar haufenweise Gift auf's benachbarte Feld kippt.
All das, sowohl das maschinelle Pflügen, Grubbern, Eggen wie auch das Verspritzen von Gülle und Herbiziden, wird sich ja beim vom ETP-Modell bzw. 'Peak Oil' vorhergesagten Kollaps der motorisierten Landwirtschaft von selbst erledigen; werden die Böden nicht weiter kultiviert, wächst dort wieder Wald. Oder der Mensch besinnt sich auf die Entwicklungen in biologischer Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte und wendet diese Erkenntnisse konsequent und umsichtig an.
Noch nie in der Menschheitgeschichte (vgl. Palaterra), soweit es jedenfalls Überlieferungen gibt, wußte man soviel über Pflanzenökologie und -soziologie, Bodenleben, Humusaufbau, Fruchtfolge, Haltbarmachung von Lebensmitteln ('hundert Jahre altes Brot') usw. Es wäre dem Teil der Menschheit, der sich auf eine konsequente kleinräumige, konservierende Landwirtschaft, Garten- und Obstbau einließe, ein leichtes, gesund und ohne physische Einschränkungen auch nach einem 'Game over' zu überleben, sofern man jedenfalls nicht in direkter Nachbarschaft von evtl. dann ungekühlten Kernkraftwerken wirtschaften muß.
Holzkohle im Boden hat auch heilende Wirkungen.
Siehe auch z.B. BIOCHAR.info.
Zur Herstellung vgl. z.B. die 150-seitige Literaturstudie "Methods for Producing Biochar and Advanced Biofuels in Washington State - Part 1: Literature Review of Pyrolysis Reactors" oder biochar-journal.org "Making biochar in soil pit kilns" (PDF, 35 Seiten)
Siehe auch
- europäische Richtlinien zur Zertifizierung von Biokohle: "Guidelines, European Biochar Certificate - for a sustainable production of biochar" (PDF, 23 Seiten) und
- HARRY GROOT, KATHRYN FERNHOLZ, MATT FRANK, JEFF HOWE, JIM BOWYER, STEVE BRATKOVICH: "BIOCHAR101: AN INTRODUCTION TO AN ANCIENT PRODUCT OFFERING MODERN OPPORTUNITIES" PDF, 13 Seiten)
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