Folgenabschätzung

Positiv, Mittwoch, 12.10.2016, 09:01 (vor 3433 Tagen) @ DT2557 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 12.10.2016, 09:34

Moin DT,

ich muss Dir leider bei ein paar Details widersprechen. Das ausufernde "IoT" ist eine ganz schlechte Idee! Mal abgesehen davon, dass ich noch nie den Sinn von ans Netzwerk angeschlossenen Toastern, Kaffeemaschinen, Rasenmähern und Kulis begreifen konnte, birgt das eine riesige Gefahr für das Internet: Die Verschlüsselung / Sicherung von diesen ganzen Billigmodulen aus China ist unterirdisch. Bedeutet, dass jeder mittelmäßig talentierte Hacker bei einem simplen Portscan zigtausende solcher Geräte ungeschützt im Netz vorfindet und der Einladung, damit Unsinn anzustellen nicht widerstehen kann.

Haben wir neulich gesehen, beim bisher größten DDoS Angriff aller Zeiten, welcher eine Bandbreite von über einem Terabit pro Sekunde erreichte. Damit zwingt man auch Profiinfrastruktur in die Knie.

Wie wurde das gemacht? Mit einem Botnet aus > 1.000.000 gehackten (also fremdgesteuerten, weil nicht wirksam zugeschlossenen) IoT Zeugs, u.a. Kameras und mit dem Internet verbundenen Festplatten-Receivern...

Dieser Trend ist eine ernsthafte Gefahr für das Internet, wie wir es kennen. Und meine Glaskugel verrät mir, dass dies erst der Anfang ist. Soviel zum gelobten IoT.

Nächster Punkt: Industriesteuerung mittels Arduino. Die Aussage, es sei nicht mehr weit von der Steuerung eines Schrittmotors zu mehrachsigen Industrierobotern, welche im Verbund tolle Sachen machen ist ungefähr vergleichbar mit der Aussage, es sei von der Erfindung des Rades nicht mehr weit zum verbrennungsmotorgetriebenen Fahrzeug...
Ich schreibe das, weil ich mich selbst mit dem Sprung von 3- auf 4-Achs-Kinematik beschäftige und dabei regelmäßig Knoten im Hirn bekomme. Und ich habe Mathe / Physik zu Zeiten gelernt, als die Ausbildung noch etwas taugte. Dass vernünftige Software zur Steuerung von 5 Achsen > 100.000 Euro kostet hat u.a. den Grund, dass für deren Entwicklung richtig dicke Bretter gebohrt werden mussten.
Man unterschätze die Komplexität nicht, geschmeidige Mehrachsbewegungen effizient und mit Kollisionsvermeidung zu berechnen. Jeder Motor muss (in Abhängigkeit des Zustands des restlichen Systems) einzeln gebremst und beschleunigt werden, um Belastungsspitzen abzufangen - und dies muss für alle Achsen gleichzeitig passieren. Es gibt zahlreiche Dissertation über die dabei entstehenden Teilprobleme. Und trotzdem ist es am Ende nur ein blöder Roboter - eine menschliche Hand hat 22 Achsen (Freiheitsgrade) - die dahinter stehende Rechenpower, um dies sinnvoll zu steuern, ist immens.

Zurück zu Arduinos: Ist eine tolle Sache, um mit wenig Sachverstand schnell zu ersten Ergebnissen zu kommen. Ist Bestandteil von vielen schulischen und studentischen Ausbildungen. Im Arduinoforum laufen die Leute reihenweise auf, wenn sie mit ihren Hausaufgaben nicht klarkommen. Ich will nicht polemisieren, aber das sieht folgendermaßen aus: Einer von 10 kann eine konsistente Frage formulieren. Einer von 20 ist des selbstständigen Lesens und Verstehens mächtig. Einer von 50 schafft es, nach Verweis auf ein Dutzend Quellen sein Problem selb- und vollständig zu lösen.

Das Problem ist, dass Arduino (und verwandte Bunti-Klicki-Oberflächen) viele Sachen (zu) einfach machen, z.B. finden sich in praktisch allen von Arduino selbst bereitgestellten Anleitungen blockierende Delays - pausengesteuerte Programme. Wenn nur eine LED blinken soll, ist das okay, aber spätestens wenn gleichzeitig Taster ausgelesen werden sollen geht es nicht mehr ohne endlichen Automaten. 9 von 10 Schülern haben dieses Konzept auch nach einem Jahr noch nicht begriffen - und schreiben folglich schrottigen Code, welcher - wenn er überhaupt funktioniert - nicht wartbar oder erweiterbar ist. Ändert sich die Problemstellung minimal, müssen sie von vorn anfangen. So entsteht keine Qualität, sondern nur billiger Copy & Paste Mist. Industrie 4.0?! Ich muss lachen. Und diese Leute halten sich dann tatsächlich für kompetente Programmierer. Arduino ist für die Informatik so nützlich, wie Lego für Ingenieurwissenschaften: Um Interesse zu wecken durchaus geeignet. Einer von hundert Legospielern wird Ingenieur. Und einer von 100 Ingenieuren wird ein guter solcher.

Tut mir leid, wenn ich da nicht so optimistisch sein kann. Aber 2h am Tag Coding für Anfänger wäre sicher ein guter Gegenpol zum fordernden Frühsport.
Für den inneren Ausgleich und zum Training rudimentärer Logik und Willensstärke gewiss brauchbar.

(OT) Meine persönliche Prognose: In spätestens 2 Jahren haben wir die Integrationslager. Die Antifa wird bis dahin auch dabei sein und z.B. korrektes tanzen und feiern unterrichten wollen. <img src=" />

Beste Grüße,

Positiv.


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