Zentralbank-Swaps vs. FX-Swaps unter Privaten

BillHicks ⌂, Wien, Freitag, 07.10.2016, 12:32 (vor 3487 Tagen) @ paranoia1171 Views

Grüß Dich paranoia,

sprichst Du von den Swap-Linien der C6 (FED, EZB, BoE, SNB, BoJ, BoC)
oder meinst Du Basisswaps mit anderen Zentralbanken?


Von den sechs genannten, aber ich rechne mit einer Ausweitung der
Teilnehmerzahl im Fall der Fälle...

Ja, ich auch. Das wird dann wieder Fragen von amerikanischen Abgeordneten geben nehm' ich mal an. Die FED hat nun mal kein Mandat als Weltzentralbank, sondern nur als Zentralbank der USA. Einem Kongressabgeordneten aber in einem Paar-Minuten-Statement das Weltfinanzsystem zu erklären... schwierig. Ben Bernanke ist es damals kaum gelungen. Vielleicht macht Janet Yellen dann "im Fall der Fälle" didaktisch dann einen besseren Job. [[freude]]

Bei Zentralbank-Swaps spielen die Wechselkursrisiken soweit ich weiß
im Allgemeinen keine Rolle, weil die Forward-Rates dem aktuellen Spot
entsprechend gewählt sind (!) und so entstehen auch bei
Wechselkursänderungen nur implizite Gewinne/Verluste. Da die ZBen ihre
Bücher in der eigenen Währung führen spielen diese impliziten
Gewinne/Verluste bei Wechselkursänderung keine Rolle für die Solvenz
der ZBen.


Die Wechselkursbewegungen spielen keine Rolle, solange noch kein
anfänglicher Währungstausch stattgefunden hat. Sobald das passiert ist,
hast Du, von den zwischenzeitlichen Zinszahlungen mal abgesehen, einen
nackten Forward da stehen, also ein Termingeschäft, das je nach
Währungsentwicklung einen positiven oder negativen Marktwert hat.

Das ist freilich ein gedachter, impliziter Marktwert, weil diese Forwardpositionen ja nicht gehandelt werden. Geübte Praxis bislang war, dass diese bis Fälligkeit in den Zentralbank-Bilanzen verbleiben. Ich hab' die Zentralbank-Swap-Agreements bisher nicht wirklich gelesen obwohl sie nur erstaunlich kurz sind. Ich würde aber schätzen: das Verkaufen dieser Positionen ist nicht vorgesehen.

Jetzt könnte man meinen, das sei ja egal, weil die ausländischen
Notenbanken ja spiegeldbildlich auch Basisswaps mit ihren Inlandsbanken
abgeschlossen haben.

Nun, das auch. Aber das meinte ich nicht.

Was passiert, wenn diese ihre
Fremdwährungsverbindlichkeiten nicht mehr bedienen können? Dann muss die
Notenbank die Devisen eindecken oder die Basisswaps zu vermutlich
ungünstigeren Konditionen prolongieren.

Die Konditionen für den nächsten Swap werden wieder auf Basis des aktuellen Spots festgelegt und wieder für die ganze Swap-Laufzeit. Die Zinszahlungen können freilich steigen und ggf. muss mehr eigene Emission als "Kollateral" hinterlegt werden, s.u.

In jedem Fall aber erleidet die Notenbank dann Verluste, weil die
verliehenen Devisen mehr wert geworden sind.

Das ist - soweit ich es verstehe - gerade nicht der Fall.
1. Initial wird zu Spot getauscht.
2. Der Terminkurs wird gemäß dem Kassawechselkurs gewählt.
3. Zinsen zahlte bislang derjenige, der die Linie in Anspruch nahm, d.h. von wo die Initiative für den Swap ausging. Bislang war das nie die FED, sondern immer der Counterpart (z.B. die EZB), da es bislang immer an Dollars mangelte.
4. Die Forwards (Termingeschäfte) verbleiben in den Bilanzen bis Fälligkeit
5. Die Forwards werden zur Fälligkeit erfüllt zum ursprünglich festgelegten Kassakurs. Da die beiden Zentralbanken in eigener Währung bilanzieren können keine Verluste (über etwaige Zinszahlungen hinaus) entstehen.
FX-Swap unter Privaten abläuft, das ist klar. Zentralbank-Swaps wie sie sich seit 2008/09 etabliert haben sind keine "normalen" FX-swaps.
Kein Privater weltweit kann sich durch Emission eigener sofort fälliger Verbindlichkeiten bei einer Zentralbank refinanzieren (überall wo das geht... Simbabwe?! Weimar?!). Die EZB, falls sie die Linie bei der FED heute in Anspruch nimmt, macht kaum etwas anderes als ein Wertpapierpensionsgeschäft mit der eigenen Emission als Kollateral. Sie zahlte bislang OIS + 100 Basispunkte, was in der Wirkung bedeutet: die EZB kann an das discount window der FED, und kann damit in einem nächsten Schritt allen Banken Dollars zum discount window Zinssatz der FED verschaffen, die heute zwar direkten Zugang zur EZB nicht aber direkten Zugang zur FED haben. Dass diese Möglichkeit nur unter extremem Stress wahrgenommen wird dürfte klar sein, da die privaten Preise, wenn es "normal" läuft, innerhalb dieses "outside spread" notieren. 100 Basispunkte über dem OIS ist ja nicht nix.

Gruß
paranoia

Schöne Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.


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