"Debitist zu sein, das bedeutet lediglich, seinen Blickwinkel zu verlagern..."
@Ashitaka
(Diese Blickänderung ist in der Tat ein Wandel.)
Lieber Rybezahl,
Nur ein paar kurze Anmerkungen von mir, ich bin mal so frei.
Danke dir dafür.
Anmerkungen sind mir stets willkommen, wenn Wissen in mir vor sich hin murmelt und verdaut werden will.
All das, was hier von klugen Menschen zusammengetragen wurde, hinterlässt ja Spuren beim Denken, Handeln und sozialen Interagieren.
Bin ich infiziert vom Debitismusdenken, kann ich nicht mehr zurück, außer ich belüge mich selbst.
1. Ist der Debitismus nun eine Variante des zweiten Hauptsatzes
der
Thermodynamik (@el_mar, @Zara, @Kurt u.A.) oder nicht?
Gilt der im Grunde nicht für alles im Universum?
Der Wirkungsgrad der dem
System zusätzlich zugeführten Schulden sinkt weiter und weiter.
...je mehr Verschuldung bereits erfolgte, ohne getilgt/ausgebucht zu werden.
@Kurt schrieb damals:
"Mit der Thermodynamik kann man vieles erklären, bis hin zu dem Phänomen, dass die Evolution (lokal begrenzt!) von ganz alleine zu immer höherer Komplexität (z.B. nen Insektenauge oder nen Intel Pentium Prozessor) kommen kann, während doch eigentlich alles stattdessen dem Tod in der Wärmesuppe zustreben sollte. Die Thermodynamik hatte erkannt: man braucht ganz einfach nur ein anhaltendes Temperaturgefälle, damit all das wunderbar immer höher und weiter "evoluiert".
Im Debitismus braucht man analog immer nur ein anhaltendes Schuld(ner)gefälle, damit die Wirtschaft immer wunderbar so weitergeht. Sprich, jede Schuld eines Einzelnen braucht mehrere Nachschuldner, die ihm diese immer wieder abnehmen. Sprich, die ganze Wirtschaft ist ein Ponzi-System, das nun leider an seine Grenzen stößt, da man auf dem Globus keine Nachschuldner mehr findet, und im Weltall noch keine gefunden hat."
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=218278
Hat jeder
beliebig viel Staatsgeld zur Verfügung, entspricht der Wert den
Herstellungskosten, die ihrerseits an beliebig viel Staatsgeld gemessen
werden müssen, also nahe => 0.
Geld interessiert im Debitismus historisch recht spät, Lehmtäfelchen, tally Stick's, Quipus u.a. taten's auch, Weltreiche kamen ohne Geld aus - es geht um die Ver- und Entschuldungen bzw. Insolvenzen von Einzelpersonen und ganzen Gesellschaftsbereichen bis hin zum ganzen Reich.
"DEBITISMUS ist keine Theorie oder Lehre, sondern reine Beschreibung, was sich ergibt, sofern notwendigerweise oder erzwungenerweise Schulden existieren.
Jede Theorie der Geldwirtschaft, ist eine beschränkte Modellierung, gefangen im Debitismus. Der Debitismus ist keine Modellierung. Debitist zu sein, das bedeutet lediglich, seinen Blickwinkel zu verlagern und damit sowohl das Verständnis des Kapitalismus mit all seinen Geldveranstaltungen zu umgreifen, als auch sich selbst anders zu verstehen. Das hat nichts mit Gut und Böse zu tun, sondern mit einer klaren, offenherzigen Betrachtung der Realität.
@Ashitaka
z.B.
"Monetaristen sehen nur das Geld, nicht den Verschuldungsprozeß, der ...als einziger die Wirtschaft vorwärts treibt und Wachstum in Form von Mehr-Produkt schafft."
@dottore S.171 im Buch
4. Wenn dem so wäre, wäre es dann nicht nach @dottore in
"Sachwert schlägt Geldwert" (S.182 ff.) sauber dargelegt nur eine
Frage
der Zeit bis zur Zerschlagung der segmentären Gesellschaften als
letzte
Entwicklungsstufe einigermaßen gewaltarmer und als familliäre
Verbände
funktionierende matristische Menschenclans gewesen durch deren Ende
folgende Elemente entstehen:
I. Anfänglich mit Charismatikern, Machtmenschen, sich
gottgleich
erlebenden Psychopathen, dann mit einem beliebigen zivilisierten,
austauschbaren Personenkreis besetzte, und in ihrer Gesamtheit in den
heutigen Tagen völlig personenunabhängige Zentralinstanz,
II. machtlose Massen aus Einzelindividuen (hier auch vereinzelt
als
Schwarm benannt), die nur wählen können, die ZI zu unterstützen oder
eben nicht, die sie aber nicht beenden können weil inzwischen
weltumspannende
III. Machtkreisläufe aufgebaut und über die Jahrtausende so
sehr
stabilisiert und optimiert wurde, dass seine Komponenten alle in jedem
einzelnen Bürger, jedem zivilisierten Menschen verankert sind mit all
den
dazu gehörenden Memen und Memplexen, die auch sämtlich Evolution mit
Shift und Drift unterliegen, und damit der berühmte Kopf der Hydra
nicht
mehr abgeschlagen werden kann, da Macht und strukturelle Gewalt - einmal
in
die Welt gebracht - bis zu ihrem eigenen Ende wachsen und metastasieren
wie
ein Krebs.
Sehr schön! Das ist es, was eigentlich allgemein (besonders im Gelben
Forum) verstanden werden müsste. Würde vielen Leuten mit Bluthochdruck
helfen.![]()
An der Quelle sitzen aber nicht trinken wollen. Schade.
Oft ist es auch ein
"nicht trinken können"
"nicht trinken dürfen" oder ein
"sich nicht trauen".
Die aus den Erkenntnissen im DGF wachsenden Veränderungen von eigenen Lebensumständen können so erschüttern, dass sie eine Weltsicht und ein lebenslang gepflegtes stabil scheinendes System zerstören, als wenn man von einer Religion abfällt.
Das ist ein schwerwiegender Prozess mit Instabilität, Vulnerabilität und Gefahr des Zusammenbruchs - aber eben auch mit großen Chancen.
Dem wird sich jeder erst aussetzen, wenn er meint, so weit zu sein.
Viele fühlen sich offensichtlich noch nicht so weit.
Und danke für den Tipp. Habe gerade nachgeschlagen und irgendwie ist dort
schon alles im Ansatz vorhanden, nur ohne Beleg. Es ist ja auch alles ganz
logisch! Auch schön zum Thema Staatsgeld S. 169.![]()
Irgendwie ist ja wirklich auch schon alles gesagt.
Irgendwie möchte ich mich dann aber doch noch einmal über verschiedene angesammelte Gedanken austauschen, ohne gleich Bäume anzubellen wie Nikolas so schön schrieb.
Im Wald gibt es halt nur zwei Arten: "Bäume" und "keine Bäume".
So gibt es beim @dottore auch nur zwei Daseinsarten: "Stamm" oder "Staat"
Alles dazwischen ist herummogeln.
Wenn ich
1. den Debitismus,
2. die vom @dottore daneben gestellte Machttheorie und
3. die von Heinsohn/Steiger sehr gut erarbeitete ergänzende
Eigentumsökonomik verstanden habe...
Geschoren werden am Ende alle.
Nach dem anfänglichen Schock, der das Thema bei mir ausgelöst hat,
auslösen musste, denn das haut einen einfach um, das muss ja das Weltbild
massiv verändern - nach diesem Schock kann ich mich so langsam nur dem
anschließen, was der geschätzte
@trosinette
mal so nett ausgedrückt hat.Mich hat es enorm weitergebracht.
Mich auch, trotz Schock und Erschütterungen.
Wenn man eine Täuschung erkannt hat, kann man nicht mehr zurück zum Tauschparadigma und der schönen heilen Welt.
Liebe Grüße
Silke
![[[sauer]]](images/smilies/sauer.gif)