Hermetik

Leserzuschrift, Sonntag, 07.08.2016, 13:18 (vor 3489 Tagen) @ stokk3602 Views

Hallo zusammen,

zum Thema Hermetik kann ich ein klein wenig beitragen.

Zunächst ist Hermetik keine Religion, wie manche annehmen. Es ist eher das Gegenteil von »Glauben«. Hermetik ist eher eine Philosophie, die sich mit dem weniger »Offensichtlichen« hinter der angenommenen »Realität« beschäftigt. Daher sind sehr viele Forscher und Wissenschaftler unter denen zu finden, die sich mit der Hermetik beschäftigen bzw. beschäftigt haben.

Typisch die Hermetik die methodische Auseinandersetzung mit der sogenannten »materiellen Welt«. Im Gegensatz zur heute in der Wissenschaft weit verbreiteten Weltsicht, ging die Hermetik immer von »unsichtbaren Ursachen« und »Kräften« aus, die das erzeugen, was dann als »Materie« erlebt wird. (Denn obwohl heute jeder Physiker weiß, dass die sogenannte »feste Materie« in Wirklichkeit hauptsächlich aus »Nichts«, »Energie« und noch winzigeren scheinbar »festen« Materieteilchen besteht, ist offensichtlich kaum jemand bereit, die sich daraus ergebenen philosophischen Konsequenzen zu Ende zu denken.)

Hermetik heißt sie deshalb, weil sie von Hermes Trismegistos stammen soll, dem dreimal großen Hermes. Das war der griechische Name vom Thot der früheren Ägypter. Sowohl Hermes als auch Toth galten als »Schriftgelehrte«, die sehr »große Denker« gewesen sein sollen. Damals soll das Fundament der Hermetischen Philosophie gelegt worden sein.

In Holland kann man Hermetik sogar an der Uni studieren, doch handelt es sich dabei nur um die historische Betrachtung des Phänomens (wer, was, wann) - eine inhaltliche Auseinandersetzung findet dort nicht statt. Zumindest nicht auf der qualitativen Ebene. Der eigentliche Zweck der Hermetik, selbst zu eigenen Erkenntnissen in diesem Themengebiet zu kommen, wird dort nicht gelehrt.

Dass in unserem Sprachgebrauch von »hermetisch verschlossenen« Behältnissen gesprochen wird, ist sicher kein Zufall. Die vielen sogenannten »Geheimgesellschaften«, und deren Nähe zur Hermetik, wurden ja bereits erwähnt. Trotzdem hütet die Hermetik keine »Geheimnisse«. Sie beschäftigt sich nur mit dem großen »Geheimnis« namens »Welt«, von manchen auch »Natur«, »Materie« oder »Universum« genannt. Ein Hermetiker »glaubt« nicht, er »forscht«. Er versucht systematisch das zu ergründen, was laut Faust »die Welt im Innersten zusammenhält«.

Es gab zwar viele zutiefst religiöse Menschen unter den Hermetikern, auch heute noch, aber es gab und gibt auch sehr viele, die man heute eher zu den Agnostikern zählt. Allen gemein ist jedoch die Überzeugung, dass es »mehr zwischen Erde und Himmel gibt« als das, was wir sehen und greifen können.

Insofern handelt es sich eher um ein »Mysterium«, was zu ergründen versucht wird. Das Wort »Geheimnis« ist in diesem Zusammenhang leicht irreführend. Denn Geheimnisse werden zu bewahren versucht, während ein Mysterium nur darauf wartet, dass es (endlich) jemand erkennt.
Aus diesem Grunde wurden übrigens die geschichtlichen Vorgänger der »Geheimgesellschaften« auch »Mysterienschulen« genannt.

Selbstverständlich wirken »Geheimnisse« aber auf eine große Zahl von Menschen deutlich interessanter als irgendeine philosophische Forschung.

Genauso selbstverständlich gibt es unter diesen Gesellschaften »solche und solche«. Abhängig vom Bewusstsein der jeweils beteiligten Menschen.

Was die Hermetik so »geheimnisvoll« macht, ist der massive Einsatz von Symbolen, die verwendet werden, um die bisher gemachten Erkenntnisse weiter zu geben. Entweder bildlich-gegenständliche Symbole oder in Form von Allegorien und Metaphern in Textform. Solange man nur die wortwörtliche Interpretationsebene betrachtet, wird man nie dahinter kommen, was wirklich gemeint ist.

Wie wir wissen, war Europa vor einigen Jahrtausenden kein Ort, an dem es leicht war, mit »neuen Ideen« daher zu kommen. An der amtskirchlichen Weltsicht kam niemand vorbei. Daher hat diese verschlüsselte Form der Überlieferung auch sehr viel mit Selbstschutz zu tun.

Einige Schriften, Kunst- oder Bauwerke wurden daher in der Symbolik so entworfen, dass sich ihre wahre Bedeutung auch noch in weit entfernter Zukunft dem Menschen erschließt, der sich aufrichtig und intensiv mit ihnen beschäftigt.

Eine große Ausnahme ist übrigens das bereits von Nemo erwähnte Kybalion. Dort wurde zwar auch einiges symbolisch umschrieben. Es ist insgesamt aber außergewöhnlich klar und deutlich beschrieben, um was es in der Hermetik geht. Empfehlenswert ist da allerdings vor allem die englische Version (kostenlos im Netz), weil die bisher vorhandenen deutschen Übersetzungen entweder schwer lesbar, oder gut formuliert, aber inhaltlich verzerrt sind. (Es reicht halt nicht, irgendetwas »Original« zu nennen, man muss auch wissen, worum es überhaupt geht, wenn man etwas umformuliert.)

Ein völlig anderes "Machwerk", aber meines Erachtens dennoch gut geeignet, um diese gänzlich andere Weltbild kennen zu lernen, ist das Buch von Pauwels und Bergier mit dem Titel "Aufbruch ins dritte Jahrtausend" (Originaltitel: Le Matin des magiciens).

Die nähere Beschäftigung mit der Hermetik ist jedoch wirklich nur für jene interessant, die - ernsthaft - mehr über das wissen wollen, was wir Mikro- und Makrokosmos nennen. Es ist keine leichte Kost und mit Religion hat es noch weniger zu tun (selbst wenn einige Symbole und Formulierungen dies anzudeuten scheinen).
Man braucht auch eine gewisse Ergebnisoffenheit, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Wer mit bestimmten Erwartungen an dieses Thema herantritt, wird wahrscheinlich ziemlich schnell enttäuscht sein.

Viele Grüße
Mark


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