Wie immer gibt es hier widersprüchliche Interpretationsmuster, wie bei allen "Patchwork"-Religionen
Die Erbauer des Domes haben damit eigentlich schon buchstäblich „von vorne herein“ klargelegt, dass sie Anhänger der sog. Hermetischen Lehren“ seien und nicht gewillt, diese unter das Dogma der Kirche zu stellen.
... Es verwundert also nicht, wenn sich diese Tradition auch in den USA fortsetzte und in diversen Geheimbünden oder Logen ihre Verzweigung fand.
Dem kann man folgendes Zitat entgegensetzen:
"Many Christian writers, including Lactantius, Augustine, Giordano Bruno, Marsilio Ficino, Campanella, and Giovanni Pico della Mirandola, considered Hermes Trismegistus to be a wise pagan prophet who foresaw the coming of Christianity. They believed in a prisca theologia, the doctrine that a single, true theology exists, which threads through all religions. It was given by God to man in antiquity and passed through a series of prophets, which included Zoroaster and Plato. In order to demonstrate the verity of the prisca theologia, Christians appropriated the Hermetic teachings for their own purposes. By this account, Hermes Trismegistus was either a contemporary of Moses, or the third in a line of men named Hermes, i.e. Enoch, Noah, and the Egyptian priest king who is known to us as Hermes Trismegistus on account of being the greatest priest, philosopher, and king."
Demnach wäre also Hermes auch von eminenten christlichen, "dogmatisch gefestigten" Autoren als ein Vorläufer der christlichen End-Offenbarung gesehen worden. Auch könnten solche Neu-Interpretationen des Hermes-Mosaiks Ausgeburten der Aufklärungszeit sein. Oft werden althergebrachte Traditionen stets neu im Lichte moderner, zeitgenössischer Meinungen re-interpretiert.
Selbst Abraham konnte sich unter seinen Zeitgenossen nicht legitimieren, ohne Anleihen bei einem noch früheren Melchisedek zu machen. Ebenso Jesus Christus seine Mission nicht ohne den Segen eines Johannes Baptist antreten.
Stets werden so vielfältige Interpretationsmöglichkeiten hinterlassen, die die jeweilige Religion quasi "krisenfest" gegenüber neueren Strömungen machen (sollen?).
Die katholische Kirche, die bevorzugt heidnische Tempel überbaut hat, kann man einerseits so interpretieren, als hätte sie dieses Heidentum auslöschen wollen, andere geben zu bedenken, daß vielmehr das Heidentum sich geschickt gewandelt und sich so im Christentum gerettet und sich dieses anverwandelt hat.
Daß der Dom von Siena ausgerechnet eine marianische Kirche ist, Ausfluß einer mächtigen marianischen Bewegung im Katholizismus, könnte man auch so interpretieren, daß sich in der Muttergottes eben die vorchristlichen, ja vor-mosaischen Göttinen- und Sonnengott-Kulte verborgen ("hermetisch") weiterverbreitet und (gesund-) erhalten haben.
Zumal man hier wieder auf ein interessantes Phänomen stößt: die Eliten der Welt sind einerseits Satanisten und lassen beim Mittagsmahl einen Stuhl für den Gottseibeiuns frei, andererseits leitet die Welt ein jüdisch inspirierter Geheimvatikan, dann wieder sind es die Trismegisten, wenn sie nicht gerade allesamt von Repitilien abstammen.
So besteht der Boden der sienenser Kathedrale ja nicht nur aus dem hermetischen Mosaik, sondern aus dutzenden anderen, die über zwei Jahrhunderte hinweg von 40 verschiedenen Künstlern erschaffen wurden. Ebenso könnte man daher "Beweise" für Stierkulte und vieles andere dort finden. Überhaupt enthalten alle Kathedralen seltsame Symboliken einschließlich Geis(t)wesen, gehörnte und gefiederte u.a. Kreaturen.
Vielleicht sollte man auch nicht außer acht lassen, daß wir erst heute YouTube haben, und seit ca. 150 Jahren erst photographische, dann kurz darauf bewegte Bilder und daß vor der Erfindung der Druckkunst die Kirchenfenster und die Fresken und Mosaike die einzigen (bunten) Bilder waren, die die normale bäuerliche Bevölkerung in ihrem Leben je zu Gesicht bekam. Entsprechend war deren Wirkung, etwas, das die letzten drei, vier, fünf Generationen überhaupt nicht mehr nachvollziehen können!
Aber ich nehme die hermetische Literatur mal auf meine Vorschlagsliste.
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