Sprache als mächtiges Werkzeug
Derlei Fragestellungen, wenngleich freilich sehr "off-topic", empfinde ich als prinzipiell hochinteressant und es freut mich, dass es Menschen mit dieser Art von Sensibilität für Sprache gibt.
Gleichwohl muss ich konstatieren, dass ich Deine Frage nicht werde beantworten können. Um weitere Vergleiche anzuführen, müsste man sehr konsequent beleuchten, wie ein und dasselbe Medium - besser noch: ein und derselbe Autor - die verschiedenen Begrifflichkeiten verwendet. Dergleichen müsste man zunächst statistisch angehen, und hernach inhaltliche Ableitungen zu treffen.
Meine spontane Idee war, dass "Leiche" sicherlich öfter verwendet würde, wenn es um eine nicht namentlich definierte Person, insbesondere eine solche des nicht-öffentlichen Interesses geht, wohingegen "Leichnam" (dem Begriff, dem ich nun eine gewisse Würde zuordnen würde) eher für konkret referenzierte Personen, Kinder oder Personen des öffentlichen Interesses verwendet würde. "Leiche" induziert seltsamerweise oftmals sicherlich auch eher ein Gefühl des Abschreckens, von Kälte oder gar Brutalität. "Leichnam" hingegen zollt pietätvollen Respekt, ist warmherziger, bringt das Thema dem Leser näher.
Eine völlig andere Beobachtung (wenngleich noch nicht statistisch untermauert):
In Bayern kann - insbesondere beim Bayerischen Rundfunk - oftmals folgendes kulturrelevante Phänomen beobachtet werden: werden Nachrichten aus dem fränkischen Landesteil vermittelt (*), so hängt es von der Wertigkeit der Nachrichten ab, wie dieser Landesteil referenziert wird. Sind es "positive" Nachrichten, so ist oftmals von "Nordbayern" die Rede. Handelt es sich um eher "negativ" konnotierte Nachrichten, spricht man von "Franken".
Sprache ist ein mächtiges Werkzeug und das Bewusstsein dafür zu schärfen, wichtig, um Einflüsterer, Manipulanten und Gehirnwäscher zu entlarven.
(*) für Nichtbayern: Franken ist das in Altbayern ungeliebte Anhängsel innerhalb Bayerns. Eine selbstbewusste Region mit immerhin > 4 Millionen Einwohnern, die sich dem "Mir san Mir" nicht anschließt, die kulturell hochgradig unabhängig von Altbayern ist, über die Jahre hinweg aber zu Lasten des Wasserkopfs Oberbayern wirtschaftlich und strukturell massiv benachteiligt wurde.