Bremerhaven hat auch Schattenseiten

Otto Lidenbrock, Nordseeküste, Samstag, 28.05.2016, 09:17 (vor 3550 Tagen) @ n0by2650 Views

Vielen Dank für Deinen wunderschönen Reisebericht, wie immer sehr empfehlenswert - man glaubt, dabei gewesen zu sein!

Zur Seestadt Bremerhaven möchte ich noch erwähnen, dass Du wirklich nur die wenigen Highlights fotografiert hast. Der Rest der Stadt ist leider an vielen Stellen in negativer Hinsicht sehenswert. Touristen schauen sich verständlicherweise immer nur die Häfen und den Weserdeich mit seinen Prestigebauten an und geraten dann schnell ins Schwärmen, wenn die Wolkendecke von Zeit zu Zeit mal aufbricht und das fotoaffine Szenario mit Licht flutet.

Politische Misswirtschaft über Jahrzehnte gepaart mit hoher Arbeitslosigkeit haben aber dazu geführt, dass sich viele Teile dieser Stadt in einem desolaten Zustand präsentieren. Schäbige Stadtviertel mit maroden Straßen und Häusern, sehr hohe Arbeitslosigkeit und eine gigantische Verschuldung gehören nämlich ebenfalls zu Bremerhaven.

Auch das niedersächsische Umland ist zum größten Teil völlig trostlos. Hier leben mehr Kühe als Menschen und die Landschaft hat für das Auge nichts zu bieten. Intensive Landwirtschaft mit fabrikartigen Auswüchsen, Biogas-Anlagen so groß wie Kraftwerke und die totale Verspargelung der Landschaft durch riesige Windräder prägen das Bild. Dazwischen viele kleine Dörfer und viele Kilometer eingezäunte Wiesen und Weiden. Das sogenannte "Elbe-Weser-Dreieck" zwischen Bremen, Cuxhaven und Hamburg wird unter Fachleuten auch "nasses Dreieck" genannt, weil es hier so viel regnet und die Zahl der Alkoholiker so hoch ist.

Vielleicht sind dies einige der Gründe, warum die Bevölkerung Bremerhavens seit Jahren stetig sinkt. Nur Containerhafen und Autoumschlag erhalten diese Stadt am Leben, ansonsten wäre es hier vermutlich auch bei gutem Wetter zappenduster.

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"Ich lege für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, dass ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwänglichen Dummheit verachte und mich schäme, ihr anzugehören."

Arthur Schopenhauer


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