Wieviel Training ist nötig - und welches Training schadet?
Als ob bei der WELT hier jemand mitgelesen hätte - kommen die Sportwissenschaftler nun zum Schluss, dass es
- zuviel (falsches) Training geben kann
und
- dass weniger zeitaufwendiges, aber zielgerichteres Training wesentlich bessere Ergebnisse erzielen kann, als stundenlanges, aber nicht wissenschaftlich untermauertes, Training "auf's Geratewohl".
Die beiden in kurzem Abstand erschienenen Studien sind insofern bemerkenswert, als sie das alles gründlich über den Haufen werfen, was von der Mehrzahl der Freizeitsportler ständig praktiziert wird. (Auch viele Leistungssportler und eine bestimmte Art "Trainer" sehen dabei nicht unbedingt gut aus.)
In "60-Sekunden-Übung wirkt wie ein 45-Minuten-Workout" liest man:
"Mit zeitlich geringem Aufwand können gleiche Ergebnisse erzielt werden wie beim Ausdauersport. ... bereits 60 Sekunden starker körperlicher Anstrengung am Tag [sind] genauso gut für die Fitness, wie 45 Minuten leichtes Training. ... Das Ergebnis zeigt, dass drei Monate Intervall-Training den Körper genauso fit machen wie Ausdauertraining."
Tja, jetzt muss man es nur noch richtig machen, d.h. ohne Gelenke, Bänder und Sehnen zu schädigen. Daher als Update zur Sammlung Trainingsliteratur das Buch
Frédéric Delavier "Der neue Muskelguide Vol 2" (Band 1: Der neue Muskel Guide: Gezieltes Krafttraining · Anatomie hier, vgl. auch "Muskel Guide für Frauen")
WELT.de zitiert hieraus: "Die gefährliche Planlosigkeit in deutschen Fitness-Studios":
"Übermotiviert, aber ahnungslos stürzen sich Millionen Deutsche auf Hanteln und Gewichte. ... wie vielfach trainiert wird, treibt Experten Sorgenfalten auf die Stirn. ... In kaum einer anderen Sportart sind Ahnungslosigkeit und Selbstüberschätzung so weit verbreitet und gehen eine so gefährliche Verbindung ein wie beim Fitness. ... trainieren auf eigene Faust weiter, bis es zu dauerhaften Schäden kommt ... Dr. Markus Klingenberg, Orthopäde und Leiter der Sportmedizin an der Bonner Beta-Klinik, beziffert den Anteil derjenigen, die potenziell gesundheitsschädigend trainieren, auf ein Viertel bis ein Drittel. ... Rund jeder dritte Bodybuilder oder Kraftsportler hat beispielsweise Schulterprobleme, kaum einer kann seine Arme seitlich über 90 Grad heben. ... die Verletzungen wiederum resultieren knapp zur Hälfte aus fehlender Aufwärmung - und zu mehr als einem Drittel aus Selbstüberschätzung. ... viel zu hohe Trainingslasten für Gelenke, Sehnen, Knorpel, Bänder. ... Sehnen, Bänder und Gelenke aber brauchen wesentlich länger als Muskeln, um sich an die steigende Belastung anzupassen ... zwei große Gruppen, die besonders gefährdet sind: Junge Männer bis etwa Mitte 20 und hochmotivierte Wiedereinsteiger zwischen Mitte 40 und Mitte 50. ... 'Ein Übermaß an Training oder Training mit zu hohen Gewichten hat dramatische Folgen etwa für die Gelenke, da können dauerhafte Schädigungen die Folge sein', warnt Banzer. ... die Trainerausbildung 'befindet sich meist noch auf Stand der 80er Jahre, ...'"
Eine Anleitung, wie man ganz ohne Studio und Maschinen zu denselben Ergebnissen kommt, gab es ja bereits hier (vgl. Diskussionsthread zum Thema und Literaturanhang).
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