Dein Eindruck stimmt schon irgendwie
Ich kann nichts beitragen zur Kampagne, die vermutlich ein ganz guter
Ansatz ist:Wir (im Rahmen eines internationalen Konzerns) sind im Zuge des
Outsourcing irgendwann in Timeswar mit der Leiterplattenbestückung
gelandet. Auch wegen wiederkehrender Qualitätsprobleme hatte ich mehrere
Gespräche mit unseren Einkäufern. Ungefähres Fazit: Die Mentalität der
rumänischen Mitarbeiter war nicht sehr kompatibel mit dem was man in einem
gut funktionierendem Qualitätssystem erwartet. Nicht rechtzeitiges
Erscheinen bei der Arbeit war nur eines der Probleme.
Mein Kommentar dazu: In Rumänien hat man bei der Führung der Arbeitskräfte ein spezielles Naturell an den Tag zu legen. Auch ich mußte das lernen. Nach meiner Arbeitseinstellung, auch im Zusammenhang mit den Mitarbeitern, lege ich großen Wert auf Harmonie und Freude an der Arbeit. Für diese Neigung war ich auch immer bereit, über so manches hinwegzusehen. Das ist in Rumänien grundfalsch.
Mein Sohn, der sich derzeit in der Berufsausbildung befindet, aber bereits selbständig Teilbereiche meines Betriebes führt, ist da ganz anders. Allerdings ist er auch in Rumänien aufgewachsen und adaptiert sich ganz anders mit der hier vorhandenen Mentialität. Bei dem gehts knallhart zu, - entweder hopp oder tropp. Er hat auch mehr Erfolg bei dieser Vorgehensweise, - anscheinend verstehen die Rumänen das besser und legen eine "weiche" Mentialität wie die meine als Schwachheit aus.
Da aber in diesem Fall unsere Endkunden sehr hohe Ansprüche haben, die
Folgekosten an uns selbst hängen blieben, war das Interesse groß,
Missstände in den Griff zu bekommen. Harte Arbeit für die Einkäufer und
das deutsche Mutterunternehmen.
Ich kenne hier erfolgreiche Unternehmen, deren Mutterkonzern in Deutschland ansässig ist, und die in Rumänien mit Erfolg produzieren lassen. Da gibts z.B. Produktionsleiter, die nicht nur zweisprachig agieren, sondern auch knallharte Vorgaben zelebrieren. Kann man ruhig beim Namen nennen, - das wäre z.B. die Fa. Bachmann (Elektroartikel) oder auch die Fa. Kromberg & Schubert (Autozulieferer). Beide produzieren sowohl für den einheimischen, als auch für den EU-Markt.
Ich hab da einen gewissen Einblick: Da gibts bestimmte Produktionszahlen, die erfüllt werden müssen. Aber mit Qualität. Die haben ein System, bei dem klar erkennbar ist, wer was verpfuscht hat. Wird automatisch vom Lohn abgezogen. Das ist übrigens die einzige Sprache, die man in Rumänien versteht und nach der man sich richtet.
Bei mir hat sich da auch einigs geändert, z.B.: Werkzeug auf der Baustelle. Eine Kelle abgebrochen und mir die kaputte Kelle gebracht, kein Kommentar, sofort kaufe ich eine andere. Fehlt die Kelle (der Mann hat sie z.B. irgendwie verschlammt), wird sie ihm vom Lohn abgezogen. Ähnlich bei den Fahrzeugen, bei zerbrochenem Blinkerglas etc. Jeder Fahrer haftet für das zur Verfügung gestellte Fahrzeug. Fährt ihm ein anderer hinein, dann ist das was anderes und der Verursacher bezahlt (über dessen Haftpflicht). In der Früh um 10 Minuten verspäten, bedeutet bei einer 3-er Gruppe einen Abzug auf dem Stundenzettel von einer halben Stunde, weil die anderen wegen dem Verspäteten auch nicht auf die Baustelle können (die Leute werden mit dem Firmenfahrzeug zur Baustelle gebracht).
In eurem Fall sitzt der Endkunde in Rumänien, die Berichterstattung nach
Österreich dürfte gefiltert sein, da findet sich dann im Konzern niemand,
der großen Handlungsbedarf sehen will.
Klar, man will ja Gewinne einheimsen und nicht in Instandhaltungsmaßnahmen reinvestieren.
Ein Hebel ist sicher, dies an die Öffentlichkeit zu bringen. Ein anderer
Hebel könnte sein, dass Verstöße gegen Lebensmittelrichtlinien vorliegen
(dazu müsste man sich aber schlau machen). Bei einem schlampig geführten
Betrieb ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass beispielsweise abgelaufene
Ware in den Regalen liegt. Dazu müsste es eigentlich eine nationale
Anlaufstelle mit Eskalationsmöglichkeit zur EU geben, da Lebensmittel
reguliert sind.
Da passen die Angestellten des Supermarktes ganz genau auf, weil das ihren Arbeitsplatz kosten kann. Ich hab mich letztes Jahr einige Male geleimt gefühlt, weil in abgepackten Einheiten (z.B. Kartoffel, oder Zwiebel) das darauf angegebene Gewicht nicht gestimmt hat. Es war meistens etwas weniger. Die Filiale führte das auf den Feuchtigkeitsverlust beim Lagern der Ware zurück. Fest steht, ich habe den Verbraucherschutz angerufen (das gibts auch in Rumänien), die Kerle sind gekommen, haben das genauso festgestellt und der Filiale eine Strafe (weiß nicht, in welcher Höhe) aufgebrummt.
Das ist leider in Rumänien eine verdammt blöde Einrichtung. Es gibt so gut wie nie eine Art der Verwarnung, ein Hinweis, dass es im Wiederholungsfalle Konsequenzen nach sich zieht, - es wird immer gleich zur Kasse gebeten. Im Straßenverkehr genauso. Davon finanziert sich der Staat.
Generell kann man an der Qualität in Supermärkten selten was aussetzen, - höchstens an Schnittblumen oder Topfpflanzen, weil die Kerle keine Ahnung haben, wie sowas aufzubewahren ist. Verfallsdatum wird beachtet, - lediglich mit der Logistik haperts öfters. Die sind zumeist nicht in der Lage, rechtzeitig die Artikel zu ordern, die aus irgendeinem Grunde schneller weggehen als üblich. Z.B. im Sommer mit Mineralwasser.
Da spielt noch die alte Einstellung aus dem Kommunismus mit, - man kauft nicht, wenn man etwas benötigt, sondern dann, wenn es vorhanden ist.