Grundsätzliche Methodik von Wahlprognosen
Guten Tag,
ich möchte zum angesprochenen Thema auf die kritische Analyse von Prof. Fritz Ulmer auf der Seite http://www.wahlprognosen.info/indexDE.htm - dort dann am Ende der Seite auf "weiter" klicken oder gleich bei http://www.wahlprognosen.info/inhalt.htm einsteigen. Dort dann in der Navigation rechts oder unten links weiter.
Die Seite ist leider nicht immer auf dem neuesten Stand und auch ziemlich unübersichtlich aufgebaut. Das Grundsätzliche, um das es hier geht, ist davon aber nicht betroffen.
Einführung hier: http://www.wahlprognosen.info/einfuehrung.pdf und etwas ausführlicher dort: http://www.wahlprognosen.info/archiv/rot.pdf
Zusammenfassung: aussagekräftige Prognosen von Wahlergebnissen oder gar Analyse von Tendenzen im Bereich weniger Prozentpunkte sind mit der typischen Umfragegröße bei bundesweiten Befragungen (durchschnittlich 2000 Befragte bei etwa 62 Millionen Wahlberechtigten) schlichtweg nicht möglich. Die unvermeidbaren "Lotteriefehler" - Zusammensetzung der Stichprobe stimmt nicht mit derjenigen der Grundgesamtheit überein - sind dazu viel zu groß. Die Auswahl der "repräsentativ Befragten" kann schließlich mangels entsprechender Daten gar nicht von vornherein auf die Zusammensetzung der Wählerschaft (Alter, Geschlecht, Beruf, Familienstand, sozialer Status und manches andere) angepasst werden, sondern es werden einfach Telefonnummern zufällig angewählt. Dazu kommen noch systematische Fehler in unbekannter Größe, beispielsweise weil Befragte absichtlich eine falsche Antwort geben. Würden die Prognosen mit einem realistischen Fehlerbereich angegeben - das heißt: Fehlerbandbreiten bei großen Parteien bis zu 10 Prozentpunkte und bei kleineren bis zu 5 Prozentpunkte -, würde kein Mensch mehr Geld für solche Umfragen ausgeben oder sie ernst nehmen.
Halbwegs funktionieren solche Umfragen nur deshalb, weil sich bislang erfahrungsgemäß die Wahlergebnisse von Wahl zu Wahl relativ wenig unterscheiden und sich die allgemeine Stimmung nur langsam ändert. So können dann stark schwankende Umfrageergebnisse durch "Gewichtungen" nachträglich verändert werden, damit sie realistisch wirken. Würden die unveränderten Umfragedaten mit den notwendigerweise aufgrund statistischer Fehler stark schwankenden Zahlen veröffentlicht, würde jeder sich gleich fragen, wie realistisch dies alles sei. Treten wirklich starke Stimmungsumschwünge auf, enden die Prognosen naturgemäß als Fiasko (siehe Beispiele auf der Internetseite).
Zugespitzt mit Prof. Ulmer ausgedrückt: Es werden nicht Wahlergebnisse anhand der Umfragedaten prognostiziert, sondern mit Hilfe der letzten Wahlergebnisse und eines vermuteten zwischenzeitlichen Trends werden "Korrekturen" und damit die veröffentlichten Umfrageergebnisse erzeugt.
Ich hoffe, dies war von Interesse.