Der Film haette also nicht "The Big Short", sondern "Luegen aus Leidenschaft" heissen sollen ...

CrisisMaven ⌂, Montag, 18.01.2016, 23:26 (vor 3672 Tagen) @ harryinfo1692 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 18.01.2016, 23:49

Oder, da eine bestimmte Organisation diesen Werbespruch ja bewusst so gewaehlt hat (von einer Werbeagentur hat waehlen lassen), dass er sich in vielen Sprachen (alliterationsmaessig) reimt: "A passion to perjure". Vgl. auch die Kirch-Affaere.

Die Quintessenz aus der ganzen Geschichte ist die, zu erkennen, dass die Idioten aus der Finanzwirtschaft die gleiche Sauerei - nur in viel größerer Dimension - gerade wiederholen. Und wir alle - auch Du - werden davon betroffen sein.

Ja, aber sie, diese Milchbubis mit den dicken Daumen, letztlich auch. Das sind m.E. meist schwanzgesteuerte Maenner, die sich mit Boni teure Autos, teure Kunst und dann ... teure Frauen kaufen, weil sie sie billiger nicht kriegen. Denn dazu braeuchte man entweder Esprit oder Muckis. [Edit: Herrhausen war wohl auch in dieser Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung.]

Mein Vater hat mal einem mittellosen Kunstmaler mit Rat aus einer Patsche geholfen und bekam daraufhin eins seiner Bilder, das er eigentlich als Werbung jahrelang im Schaufenster -als unverkaeuflich gekennzeichnet- haengen hatte, geschenkt (ich weiss das, weil dessen Schaufenster auf meinem Schulweg lag, wo ich es seit der ersten Klassenstufe sah. Als ich in der Dritten war, hing es ploetzlich bei uns zuhause an der Wand).

In Kolumbien breitete sich irgendwann, wohl in den achtziger Jahren, die Drogenmafia aus. Die Soehne der Bosse hatten aufgrund ihrer herausgehobenen Stellung Probleme, "normale" Frauen kennenzulernen (man kann ja nicht ohne zehn Bodyguards in eine Disco - und dann interessieren sich die Maedels fuer die Bodyguards). So ist die Geschichte eines Maedchens ueberliefert, das von einem solchen "Sohn" an einer Bushaltestelle angesprochen wurde: "Gehst Du mit mir aus? Ich schenk' Dir auch mein Auto." Manche haben eben nix gelernt, ausser "Sohn". Wenn's nicht zum Mafia-Vater reicht, bleibt nur noch eine Bankkarriere ...

Viele fielen wie die Heuschrecken in Miami ein, um Luxusartikel zu kaufen (Miami deshalb, weil wegen der Kuba-Fluechtlinge dort ueberwiegend Spanisch gesprochen wird, in jedem Geschaeft). Dort hiessen sie bald die "Damedos" - von "da me dos" - "gib' mir zwei". Sie kauften "von allem zwei" (vgl. auch die "tabarato").

Das Problem, will mir scheinen, ist, dass viele "Bank(st)er", so jedenfalls meine Beobachtung, auch aus persoenlicher Unterhaltung, ihr eigenes Geschaeft nicht (wirklich) kennen. Bin aber auch nur Laie ...

Es reicht bei denen zwar, um das Tagesgeschaeft zu taetigen, aber wehe, es geht schief, dann stehen sie da und schwafeln vom "schwarzen Schwan" und dass keiner haette vorhersehen koennen, dass irgendwas "jenseits der sechsten Standardabweichung" eintritt. Als ich nach dem LTCM-Debakel mir mit einem Mathematiker das Merton-Scholes-Modell vornahm, mussten wir unwillkuerlich lachen. Alles lineare Hochrechnungen, wie ich den Begriff hier verwendet habe. Dass in deren Gleichungen Variablen enthalten sind, die nicht voneinander unabhaengig sind und daher nur in "normalen" Zeiten als fuer den Berechnungsvorgang "konstant" betrachtet werden durften, das ficht einen Professor mit "tenure" nun mal nicht an.

Erstens ist allein das mit der Standardabweichung schon gequirlter Kaese, denn alles, was nicht Wahrscheinlichkeit "Null" hat, kann JETZT eintreten. Alles nur Laien, auch Jain, Blankfein und Ackermann, und dazu zaehlen alle mathematische Betriebswirte, ueber die reine Mathematiker Witze reissen wie Geiger ueber Bratscher, auch Krugmann kriegt jedesmal Rechenfehler nachgewiesen, kann aber trotzdem weiter publizieren.

Alles, was Wahrscheinlichkeit groesser "Null" hat, kann JETZT eintreten - aber die Formulierung "einmal in zehn Millionen Jahren" ruft beim blutigen Laien (dazu zaehlen auch die meisten Sicherheitsingenieure, bis ... "da faellt mir was ein" - letzte Worte eines Architekten), diese "zehn Millionen Jahre" erwecken den Eindruck, es kaeme eben erst "in" zehn Millionen Jahren vor. Nein, es kommt -absolut gleichverteilt- in jeder Sekunde vor. Erst wenn diese (Schreck-) Sekunde vorbei ist, weiss man, dass es (noch) nicht vorkam. Haus und Hof so zu verwetten, ohne ein Absicherungsgeschaeft einzugehen, das GARANTIERT (und nicht nur statistisch) gegenlaeufig ist, ist gehobenes Lottospielen. Bloss weil es hinter einer Glasfassade mit goldenen Tuerknaeufen stattfindet - es ist dennoch so.

Und zweitens koennen "Shorts" auf Dauer nur gutgehen, wenn man diversifiziert und eben nicht Haus und Hof verwettet.

Denn beim "Leerverkauf" (und allen Spielarten davor, die auf fallende Kurse spekulieren) geht das nur solange gut, wie ich nicht in Groessenordnungen gelange, in denen ich den meinen Berechnungen zugrundegelegten Markt selbst deformiere. Ab da beginnt meist -ceteris paribus- die Bewegung in die genau entgegengesetzte Richtung.

Da aber ein einmal erkannter "guter Deal" ja nur besser werden kann, wenn man noch mehr davon konsumiert ... die Leute sollten halt mal Weinkenner werden, da gilt das auch nicht.

Ich vertrete immer die Ansicht, dass man etwas nur dann verstanden hat, wenn man es einem (normal intelligenten) Fuenfjaehrigen erklaeren kann. Misslingt das, ist es entweder komplett unverstaendlich, so, wie Quantenphysik, fuer die es kein Verstaendnis, sondern nur "Deutungen" gibt, oder man hat es eben nicht wirklich verstanden.

So habe ich mich nicht nur mit der Erklaerung von "Shorts" (ausser bei Getraenken), sondern auch mit "Schroedingers Katze" oder der Heisenbergschen Unschaerferelation bei Studierten des jeweiligen Faches abgemueht - aber nicht bei Fuenfjaehrigen bzw. nicht bei Kindern, solange das Thema noch nicht in der Schule durchgenommen war. Danach wird's schwierig bis unmoeglich.

--
Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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