Etliche gehen weg - Eindruck aus Süditalien.
Wir werden jedenfalls, wie geplant, so schnell wie möglich verschwinden.
Ein Leben in ständiger Angst vor dererlei Gängelungen sind wir leid. Gute
Nacht, D.
Einen schönen guten Tag Goldmarie,
da kommt wohl langsam eine Völkerwanderung in Gange, ähnlich der Republikflucht vieler Akademiker aus der DDR?
Wir haben in den nächsten Wochen durchgängig(!) zu tun für Leute aus Deutschland und Österreich, um sie übersetzend zu begleiten und die Gegend und auch die Hürden zu erklären.
Als gebrannte Kinder wissen wir ja nun gerade um Letzteres, was hilft, Fallstricken der Bürokratie erfolgreich aus dem Wege zu gehen.
Nach Weihnachten gehts dann weiter, sowas gab es noch nie in dieser geballten Form.
Leider fällt dadurch der 2. Teil unserer Olivenernte wohl ins Wasser.
Diese Reisenden suchen sich z.B. im Internet von irgendwoher Angebote zusammen und lassen sich dann von uns zu Besichtigungen begleiten.
Die Auswahl der Objekte zeigt, abgesehen vom Schriftwechsel, in dem man schon grob erfährt, um wen es sich handelt, dass zum einen Fluchtburgen hier am beschaulichen Absatz des Stiefels gesucht werden.
Aber zum anderen planen manche, sich völlig zu verabschieden und hier Aktivitäten zu starten.
In diesem Falle werden dann Steuerberater usw. hinzugezogen, denn es ist zwar einfacher geworden, aber die Prozeduren sind andere als in Deutschland.
Soweit gehen die Pläne schon, teils sehr ausgereift und unterlegt mit privatem Einzelunterricht der italienischen Sprache.
Was mich erstaunt:
Es sind durchweg gebildete und offene Menschen, die sich nach einer Alternative umsehen und herumreisen, um diverse Möglichkeiten auszuloten außerhalb Deutschlands. Demnächst kommt ein Herr mit Gattin, welcher schon ganz Südeuropa bereist hat auf seiner Suche.
Auf diesen Besuch freuen wir uns.
Beide sind damals aus der DDR per Ausreiseantrag verschwunden und sehen nun das Erstarken einer similen Staatsform, was beiden Angst macht.
Es sind auch zwei Paare, von denen einer kein Deutscher ist, dabei!
Meine Herzdame weiß aus der DDR zu erzählen, als die "Intelligenz", eher benachteiligte Klasse, sich aufmachte, das Land zu verlassen.
Gesinnungsdiktatur und schwindende Möglichkeiten, sich zu verwirklichen, Angst und Unfreiheit waren die Motive.
Und nein, den wenigsten ging es um Bananen, welche hier stellvertretend für materiellen Zugewinn stehen sollen.
Vielleicht ist es übertrieben, gleich die Koffer zu packen.
Was ich am ehesten nachvollziehen kann als Beweggrund, ist, wenn uns Leute schreiben oder sagen, dass sie eine Möglichkeit suchen, eine stürmische Zeit woanders zu verbringen und abzuwarten, bis sich alles geregelt hat und die Normalität zurückgekehrt ist.
Also die berühmte Fluchtburg, die sie später dann z.B. an Touristen vermieten möchten und für ihren Urlaub nutzen.
Eine ganze Truppe wird kommen, da haben sich 3 Familien zusammengetan, um eine Art Mehrgenerationenwohnen auf die Beine zu stellen. Durch mehrere Renten wären sie dann hier erstmal unabhängig, wenn sie bescheiden bleiben.
Da es keine Schulpflicht gibt und, wer Abi nachweisen kann oder sich einen Privatlehrer nimmt, Kinder zuhause unterrichten darf, sehen diese Eltern es als Chance, die Kinder dem Zugriff der staatlichen Gehirnwäsche zu entziehen, am Hausunterricht selber auch teilzunehmen und so die Sprache schnell zu lernen.
Nicht selten fällt das Wort "Bürgerkrieg" in den Emails. Und es sind keine spinnerten Verschwörungstheoretiker!
Als Fluchtburg eignet sich unser Fleckchen hier, wo man meint, die Zeit sei in den 60ern stehengeblieben.
Aber wer hofft, schnell den Glücksritter zu machen und richtig Kohle zu verdienen, dem raten wir ab.
Das Leben ist beschaulich und eher bescheiden, so wie die ländliche Bevölkerung.
DIe Süditaliener sind den Deutschen gegenüber freundlich aufgeschlossen, sie gelten als diszipliniert, ordentlich und zuverlässig.
Im Gegensatz zu anderen Volksgruppen, die auch hier nicht gern gesehen wären und sich auch nicht niederlassen, es ist einfach kein leichtes Pflaster für Fremde, die auch noch äußerlich sehr auffallen.
Jeder kennt irgendwann jeden, die Bürgermeister halten ihren Ort lieber "sauber" und politische Korrektheit ist hier unten kein Begriff.
Wenn man so auf der Piazza, beim Friseur oder auf der Gemeindeverwaltung zuhört, wenn über die euopäische Asylpolitik gesprochen wird, dann sind das Gespräche, dafür würde man in Deutschland wohl inzwischen einsitzen oder zumindest gemobbt werden. Wobei es nicht dumpf prollig zugeht, aber klar und deutlich.
Wie das im Norden ausseht weiß ich nicht, aber der südlichste Südzipfel hat vom Kriegsgeschehen nichts mitbekommen und nun sieht er auch das Chaos nur aus der Ferne. Manchmal ist es von Vorteil, wenn man von Rom, wie immer, vergessen wird..
Wir wünschen allen, dass sie gut durch diese unsicheren Zeiten kommen und sich irgendwie noch alles in Wohlgefallen auflöst.
Grüsse von
modesto und Herzdame