Wer ist eigentlich die Mehrheit?
Woher will man wissen, was diese vielen Menschen gedacht haben und was ihre Intention war? Wenn 50.000 Menschen zu einem Fußballspiel pilgern, tun die Allermeisten dies nicht, um eine überteuerte Bratwurst zu essen und sich mit Bier volllaufen zu lassen, sondern weil sie das Fußballspiel interessiert.
Das Demonstrationen, d.h. die öffentliche Kundgebung einer Meinung, per se undemokratisch sein soll, erschließt sich mir nicht. Ich denke, eine solche Anzahl an Menschen ist sogar repräsentativer für die Meinung eines Volkes, als die Stimmabgaben bei einer Wahl. Die Demonstrationsteilnehmer haben sich nämlich Gedanken gemacht, Wähler zum großen Teil nicht - was die Wahlergebnisse der letzten Jahrzehnte eindrucksvoll unterstreichen.
Die Regierung darf handeln, wie sie möchte, solange sie sich im verfassungsmäßigen Rahmen bewegt. Leider besteht bei der aktuellen Mehrheitssituation im Parlament die Gefahr, dass dieser Rahmen nach Gutdünken verschoben bzw. erweitert wird.
Das Regierungen Verhandlungen für ihr Volk im Geheimen führen, ist ein Unding und gehört sofort abgeschafft! Alles muss öffentlich sein, es darf keine Geheimverträge geben.
Die allermeisten Wähler haben sich vor ihrer Stimmabgabe mit Sicherheit keine Gedanken darüber gemacht, was sie zukünftig alles in Kauf zu nehmen haben. Wenn nur noch halbwegs informierte Bürger wählen dürften - was durch einen kurzen Test an der Wahlurne festgestellt werden könnte - , würden die Parlamente wohl anders aussehen.
Jeder, der sich über TTIP keine Gedanken macht bzw. den die Folgen von TTIP nicht interessieren, braucht im Grunde bei der Entscheidungsfindung nicht berücksichtigt zu werden. Die Menschen, die jetzt demonstriert haben, sind eigentlich vermutlich in der Mehrheit. Demos von TTIP-Befürwortern habe ich bislang nicht wahrgenommen.
Nur weil südamerikanische Militär-Juntas mit Minderheiten brutal und menschenverachtend umgehen, ist das wohl kaum legitimierend. Verstehe ich die Einwände richtig, Demonstranten, die für eine Minderheitsmeinung auf die Straße gehen, dürfen umgebracht werden, weil sie eine andere Meinung haben, als die angebliche Mehrheit?
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"Ich lege für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, dass ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwänglichen Dummheit verachte und mich schäme, ihr anzugehören."
Arthur Schopenhauer