Wir streiten uns wohl um des Kaisers Bart ...
Ganz ehrlich, was macht einen TU-Abschluss so toll, dass er ca. 20 Dienstjahre im öffentlichen Dienst von einem FH-Abschluss sich abhebt?
Das kommt ganz darauf an. Wenn es um praktische Dinge geht, um die Anwendung, wenig, eher ist der FHler da "fitter".
Wenn es um wissenschaftsphilosophische Dinge geht, nun ja, die Quantenphysik ist jedenfalls damals nicht von einem graduierten Ingenieur entwickelt worden.
Aber das aendert sich seit der gescheiterten Bologna-Reform, denn das "studium generale" gibt es schon lange nicht mehr, jetzt werden statt Doktorhueten Scheuklappen aufgesetzt.
Meines Erachtens haette man gerade das studium generale ausweiten und aufwerten muessen, und das, was Bologna vorgeblich leisten soll, ausschliesslich auf einen (in andern Laendern erst noch zu schaffenden) Fachhochschul-Zweig "auslagern" sollen.
Hier in Deutschland scheinen aber die Bologna-Apologeten nicht kapiert zu haben, dass im Ausland ein Bachelor frueher schon eher ein Fachhochschul-Abschluss schon immer war und die deutschen Universitaeten eine Aussenseiter-Rolle, im Guten wie im Schlechten, hatten.
Das fing schon damit an, dass das deutsche Abitur nirgends anerkannt war, man also erst i.d.R. nach dem Vordiplom (alias "abgeschlossenes Grundstudium") im Ausland studieren konnte. Dann aber die Anerkennung der "credits" nach Rueckkunft beim Akademischen Auslandsamt zum Spiessrutenlaufen wurde. Das sollte besser werden durch Bologna, Ergebnis: jetzt sind die credits nicht mal mehr zwischen einzelnen inner-deutschen Universitaeten uebertragbar ...
Als FH-ler sind mir Absolventen der FH wesentlich lieber als verkopfte (und versnobte) TH, U usw. gewesen.
Ja, wir hatten mal einen TU-Architekten in meiner frueheren Baufirma, der wollte unbedingt mal ein "Baupraktikum" machen - mit vierzig Jahren. Fand ich toll. Dann gaben wir ihm eine Garage zum Kalkulieren fuer ein Angebot. Er kam bei ca. 20.000 Mark 'raus, wo wir hoechstens 6.000 verlangen konnten.
Dann hat er immer den Knopf gedrueckt beim VW-Bus, und den Schluessel im Zuendschloss stecken lassen. Ich daraufhin, als es das zweite Mal passierte: "Darum schliesse ich immer ab!" Er: "Aber ich hab' doch abgeschlossen!" Ich: "Nee, haett'ste abgeschlossen, haettest Du den Schluessel jetzt in der Hand".
Ich nannte Hochschulen schon immer "Schulen fuer theoretisch Bildbare".
Aber eines muss ich auch loswerden: die FHler schauen auf die forschenden "verkopften" Uni-Absolventen ungefaehr ebenso herab, wie der Maurermeister auf die FH-Ingenieure. Und der Maurergeselle auf den Polier. Man muss m.E. beides (oder alle vier Gattungen) besucht/abgeschlossen haben, um sich wirklich da hineinzuversetzen. Jedes Metier hat Vor- und nachteile und mein Bildungsideal waere es, das endlich zu vereinen.
Ich provoziere jene auch gerne damit, dass ich grundsätzlich deren Titel weg lasse und ganz ohne das jene anspreche. Man ist, was man ist, nicht der Titel zählt.
Da bin ich voll bei Dir. Der beeindruckendste Mensch ueberhaupt, dem ich in wissenschaftlichen Disputen je begegnet bin, war ein (selbstverstaendlich unstudierter) Chemie-Facharbeiter der BASF, der mir am Rande des Eroerterungstermins fuer das Bibliser Kernkraftwerk Block C "ein Ohr abschwaetzte" ueber Neutrinos, und wie viele bei der Kernspaltung erzeugt werden, und dass er sich mal mit einem mannsgrossen Feldspat (schwer zu bekommen) neben die AKW-Bloecke A und b stellen wolle, denn dann sei rechnerisch (relativitaetstheoretisch und quantenphysikalisch) eine Zeitreise moeglich. Leider habe ich ihn aus den Augen verloren, aber mir schwirrte der Kopf - - und soweit ich ihn ueberhaupt verstehen konnte, hatten seine Ableitungen Hand und Fuss.
Tatsächlich aber ist bald wohl jeder Akademiker und dann wohl auch praktisch keiner mehr. Dann zählt nicht mehr der Titel, sondern auf welcher (privaten) Hochschule man war.
Ja, wie in den USA auch schon. Ich machte mir eh noch nie was daraus, habe mir lieber das Meisterstueck eines Handwerkers zeigen lassen, da war mir wohler ...
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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