Zusammenrottung
Es ist viel simpler und natürlich auch langweiliger, weil weniger
spannend, weil vorhersehbar. Es ist der Lauf des kollektivistischen
Autosklaventums... Die selbstzerstörerische Zusammenrottung glücklicher
Sklavenmassen, die sich die Grundlagen ihrer eigenen Versklavung schaffen,
erhalten und bis auf's Blut verteidigen.
Das platte Gegenteil ist richtig, und wir befinden uns längst in dem Anarcho-Kapitalismus , welchen du nun letztlich gar als die Lösung vorschlägst, um sich aber ironischer weise genau aus diesem zu befreien. Entgegen deiner Behauptung engagiert sich niemand ernsthaft auf der kollektiven Ebene, weil genau dieses vom System her unterbunden ist. Es besteht somit nicht im Geringsten eine von dir behauptete „Zusammenrottung“. Die Menschen rotten sich höchstens noch vor der Glotze zusammen.
Die Sklaverei besteht in der Abwesenheit einer staatlichen Ordnung, welche einzig der kollektiven Sphäre Ausdruck verleihen könnte, und entsprechend die kollektiven Interessen zu schützen hätte. Nur deshalb erleben wir uns als Kollektiv nun bar jeden Schutzes diesem brutalen Überfall gegenüber gestellt, und nur ein inzwischen eiliges Zusammenrotten könnte uns noch vor dem Schlimmsten bewahren.
Deine Diagnose beruht auf einer längst schon grotesken Fehleinschätzung der Gegebenheiten. Nur weil wir allenfalls in Städten dicht bei einander leben, und weil das Fernsehen eine permanente Polit-Show inszeniert, hätten wir kollektiv irgendetwas gemacht, was wir nur hätten lassen sollen. Oder hätten wir uns auch nur nicht zivilisieren sollen, um statt dessen lieber in den Höhlen zu bleiben?
Was Ihr Anarchos nicht kapiert ist, dass menschliches Leben neben dem individualistischen Aspekt immer auch einen kollektiven Gesichtspunkt aufweist, welcher spätestens im Familienleben sichtbar wird. Typisch, dass diese Anarchos das Geschäftsleben als einen rein individualistischen Ausdruck preisen, und dabei doch glatt übersehen, dass die von ihnen geliebten Firmen in sich selbst wieder die typischen kollektivistischen Strukturen tragen. Da gibt es also einen Chef, einen König sozusagen, und der hat seine Angestellten, die Untertanen … Der kollektivistische Aspekt ist aus dem Leben genauso wenig wegzudenken, wie das Lesen ohne das Schreiben auskommt. Wie schon erwähnt, erfolgt die, die Sklaverei begründende Unterdrückung, nicht auf der individuellen Ebene, indem gegen Gesetze des Kollektivs verstoßen wird, sondern auf der Kollektiven Ebene auf der versklavende Gesetze erlassen werden. Das heißt – wie ich hoffentlich nun deutlich machen konnte – nicht, dass wir den kollektiven Aspekt nun einfach aufzugeben hätten – was nämlich nur einen Irrwitz bedeuten würde. Vielmehr hätten wir nun endlich zu begreifen, dass wir unsere Interessen im gleichen Maße auf der kollektiven Ebene zu verteidigen haben, weil es eben nämlich nicht hinreichend ist, Interessen nur auf der individuellen Ebene wahrzunehmen – wie heute mehr den je sichtbar wird. Und dieses eben im diametralen Gegensatz zu diesem stereotypen Anarcho- Gefasel a la Oliver Janich und Co.
Schöne Grüße
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... in Wirklichkeit ist ... immer alles ganz anders, als es ... in Wirklichkeit ist ...