Nicht der Euro, die EU ist das Problem

aliter, Freitag, 10.07.2015, 10:00 (vor 3845 Tagen) @ Apostroph5751 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 10.07.2015, 13:16

nehmen wir mal an, die Griechen würden tatsächlich die Drachme wieder einführen und gehörig abwerten.

Die Folgen wären u.a.: Griechischer Tourismus wird billiger und damit konkurrenzfähiger. Importe nicht nur aus Asien, sondern auch aus dem Euro-Raum würden teuer, damit lohnte es sich für die Griechen wieder, Landwirtschaft zu betreiben und selber zu produzieren und diese im EU-Ausland konkurrenzfähig zu verkaufen. (Neulich zeigten die im Fernsehen, dass "Birnen aus Südafrika" nach Griechenland importiert werden!)

Aber auch die Löhne und Renten werden nach Euro-Wert sehr viel niedriger, sagen wir mal Stundensätze von umgerechnet 6 Euro, Einkommen umgerechnet um die 1000 Euro.
Griechische Anleihen in Drachmen müssten satte Zinsen anbieten, um sich durchzusetzen, daher sollte das Schuldenmachen tunlichst vermieden werden.

Für die Griechen wäre es nur für die Oberschicht möglich, teure Importautos zu kaufen oder schicke und teure Westgüter (Miele-Küchen z.B.)

Damit könnte ein südeuropäisches Land ohne großen Exportüberschuss ohne weiteres leben.

Nun machen wir das Gedankenexperiment und sagen die Drachme wird wieder in Euro umgetauscht, aber sonst bleibt es wie oben beschrieben.

Da sehen wir sofort, dass das gar nicht geht.
Griechen würden für harte Arbeit weitaus weniger bekommen, als Hartz4 in Germany, griechische Anleihen (dann wieder in Euro) würden hoch bewertet, Europäische Mindeststandards (Z.B. Sozialstrukturen) würden in GR. weit unterschritten (z.B. Sicherheit- Datenschutz- und Gleichstellungsbeauftragten für Kleinstbetriebe ...) etc.
Griechen und griechische Firmen könnten zu Billigpreisen im EU-Ausland arbeiten und die teuren Wessis deutlich unterbieten.

Es gibt da auch eine Analogie zum DDR-Anschluss: Hätten die NBL die DDR-Mark und die Arbeits- und Sozialgesetzgebung weiter beibehalten, wären vermutlich die DDR-Firmen nicht über den Jordan gegangen. Vermutlich wären aber nicht nur 20 Prozent sondern 80 Prozent der Bevölkerung in den Westen gegangen. Die Möglichkeit bot die gemeinsame Staatsbürgerschaft "deutsch" und die Niederlassungsfreiheit. Natürlich hinkt der Vergleich, denn die patriotischen Griechen wollen wohl nicht mehrheitlich im kalten Deutschland wohnen.

Meine persönliche Folgerung wäre: nur erheblich reduzierte EU-Standards und Rücknahme der Niederlassungsfreiheit wären damit kompatibel.

Vermutlich wird weitergewurschtelt, bis auch die West-Länder ( insbes. BRD) total verschuldet und auf PIGS-Niveau sind.


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