ad Generationskonflikt und Tontafeln
"Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben. Sie ist böse, gottlos
und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher und es wird ihr
niemals gelingen unsere Werte zu erhalten."Wer hier zustimmend mitklatschen würde, bei diesem Zitat, bitte die
Hintergründe in Erfahrung bringen...
Ich hab die Watzlawick-Vorlesung dazu gleich mal richtig hingespult:
https://youtu.be/M7aMmiMrYmU?list=PLgWOQZ2ueFyLGis3wKC0gJ_ChWh_6sobD&t=224
Ich habe jetzt lange im Netz eine valide Quelle gesucht, ob diese Tontafel tatsächlich aus 1000 v. Chr. stammt und woher aus Babylonien sie genau stammt und leider (bis auf Watzlawicks Behauptung, die überall im Netz übernommen wird) nichts gefunden. Tatsächlich gibt es mehrere solche Tontafeln aus unterschiedlichsten Jahrtausenden, die Kritik an der Jugend üben und sie stammen zumeist aus einer Zeit der zunehmenden Urbanisierung, Bürokratisierung, arbeitsteiligen Wirtschaft und Massenproduktion der jeweiligen Kultur (z.B. Ende Uruk-Zeit [ca. 3000 v.Chr.] oder Ende UrIII-Zeit [ca. 2000 v. Chr.] mit anschließendem rapiden Verfall), ergo sind diese Generationskonflikte ein Symptom der Zivilisationsphase und nicht der Kulturphase eines Reiches. Wer sie lächelnd als Argument benutzt, dass die Jugend schon seit 5000 Jahren heruntergemacht wird, der verkennt das zyklische Element der Weltgeschichte. Auch Sokrates´, Platos´ und Aristoteles´ Kritik an der Jugend läuteten die Winterphase ihrer Kultur ein. Natürlich hat nicht die Jugend schuld am Untergang der Zivilisation - vielmehr hat die Zivilisation schuld an der Degeneration der Jugend. Ein ähnliches Symptom für eine untergehende Zivilisation ist ja auch die Kinderlosigkeit, die in verschiedensten Epochen beklagt wird. Wer sie als Argument benutzt, dass ja "von Reaktionären schon immer gegen die Kinderlosigkeit gewettert wurde", der sollte mal genau hinschauen, was mit diesen entsprechenden Kulturen am Ende geschah.
Beste Grüße
Phoenix5