Wie machen es die Bienen?

Weiner, Sonntag, 07.06.2015, 15:31 (vor 3874 Tagen) @ Dieter2227 Views

Hallo Dieter,

vielen Dank! Du hast vollauf verstanden und die Dinge weiter auf den Punkt gebracht.

Natürlich sollte in jedem der 299 Wahlkreise eine Kerngruppe vorhanden sein (etwa 20 Köpfe), die alles übersieht und organisiert. Die jeweils zweihundert Unterstützer der Direktkandidaten müssen sich ebenfalls gegenseitig kennen. Zweihundet Menschen in einem Saal können bei entsprechender Bereitschaft durchaus miteinander umgehen, sich besprechen und Beschlüsse fassen - ich habe das schon erlebt. Die 200 Unterstützer müssen allerdings begreifen und umdenken, dass nicht sie vom Kandidaten geführt werden, vielmehr dass sie den Kandidaten führen - denn der ist Repräsentant der Gruppe im Bundestag, er hat ja sein MANDAT von ihnen (und weiteren Wählern). Das stößt sich im Augenblick ein bißchen mit der GG-Vorgabe "nur seinem Gewissen verpflichtet", deshalb ist hier echtes Vertrauen entscheidend. Die 200er Gruppe sollte eine wirkliche Gemeinschaft sein. Es wäre ganz gewiss nicht von Nachteil, wenn auch die 2000 Unterstützer auf Landesebene sich gegenseitig persönlich kennen würden. Sie würden das darstellen, was im Augenblick die Parteien auf Landesebene sind.

Für die Verbreitung und den Aufbau der Organisation über solche Basisgruppen hinaus schlage ich ein Vorgehen wie beim Multi-Level-Marketing vor. Wenn jeder der 200 Initiatoren lokal jeweils 10 weitere Unterstützer gewinnen kann, ist man bei 2000 pro Wahlkreis. Und wenn jeder dieser 2000 im gleichen Wahlkreis weitere 10 Unterstützer werben kann, dann ist das schon sehr "relevant für das System". Ab dem Augenblick kann man dann auch in die Öffentlichkeit gehen. Vorher wäre es nicht ratsam.

Die Ausarbeitungen zu Gesetzesänderungen, -abschaffungen, - vorlagen sind
dabei immens wichtig, also nur von Fachleuten hinzubekommen, ansonsten
haben wir das Niveau von Petitionen.

Das hast Du sehr richtig erkannt! Wie ich bereits einmal erwähnte, sind aber in vielen Bereichen solche Gesetzentwürfe längst vorhanden. Beispielsweise hat der Verein "Mehr Demokratie e.V." schon einen kompletten Entwurf für ein Abstimmungsrecht (direkte Demokratie). Fortschrittliche Juristen haben schon eine Justizverfassung ausgearbeitet. Kirchhof hat mit seiner Gruppe ein Steuerbuch entwickelt - und das sind nur drei Beispiele von Dutzenden, die beigebracht werden könnten. Selbstverständlich wird es hier weitere Fachdiskussionen geben und geben müssen. Ohne einen soliden Grundstock in diesem fachlichen Bereich, kommt man nicht in der Tat nicht vorwärts: wahre politische Autorität entwickelt sich nur in Verbindung mit Sachkenntnis. Sonst sind wir wieder am Stammtisch und bei den Petitionen (siehe unten das Bild).

Weiteres Beispiel zu Gesetzentwürfen: Ich gehe davon aus bzw. weiß, dass etwa die Polizei aus ihrer täglichen Erfahrung heraus sehr wohl Verbesserungsvorschläge hat, wie in bestimmten Bereichen der Kriminalitätsbekämpfung agiert werden sollte. Aber diese Vorschläge werden von der gegenwärtigen Verwaltung und Politik nicht aufgegriffen. Indem man nun derartige Vorschläge sucht, ihnen Aufmerksamkeit schenkt, sie respektiert, prüft, bespricht, kommuniziert usw., bündelt man nicht nur Sachkenntnis sondern erhält auch bereits die entsprechende politische Unterstützung. Es ist mein Eindruck, dass das Wissen um das, was wir in der gegenwärtigen Lage machen sollten, hier in Deutschland durchaus vorhanden ist. Die Menschen mit Sachkenntnis sind nur ungehört, frustriert und viel zu vorsichtig (ängstlich?).

Selbstverständlich ist alle Sachkenntnis relativ - das Forum hier würde beispielsweise keinen Konsens über ein neues Geldsystem erzielen können (leider!!). Aber man sollte eine gewisse Zeit ernsthaft um ein Optimum ringen, muss dann die Alternativen kommunizieren und um Unterstützung werben - und zwar im Rahmen der obigen Organisationsstruktur.

Insgesamt geht es darum, eine sehr tiefgreifende Staatsreform zu leisten, vielleicht sogar den Staat in einigen Bereichen durch anderer Formen von "Gemeinschaft" zu ersetzen. Das erfordert einen komplexen sozialen Prozess, zu dem man befähigt und bereit sein muss, und der folgende Komponenten aufweisen muss:

1) regionale, lokale Basisgruppen mit der Aufgabe, die Arbeit vor Ort zu bewältigen (Kandidatensuche und -auswahl, Kommunikation mit Fachgruppen und mit landes- bzw. bundesweiten Gliederungen, Formalitäten des Wahlprozesses sich aneignen, Suche um Untertützung von Wählern und Förderern vor Ort).

2) überregionale Fachgruppen, die um die Gesetzentwürfe sich kümmern, neue Politiken formulieren und sich über diese Themen ständig mit den Basisgruppen abstimmen.

Der aktuelle existierende Staatsaufbau ist komplett schief, morsch und korrupt. Wenn man die Dinge wirklich ändern will, muss man parallel einen neuen Staat (oder vergleichbaren Ersatz) im bestehenden Staate aufbauen, der am Wahlabend in der Lage ist, den alten zu ersetzen. Ein solcher Vorgang gehört zu den diffizilsten sozialen Prozessen, die man sich überhaupt denken kann. Das ist vergleichbar dem Umbau eines Kohledampfes in ein Passagierschiff - und zwar während der Fahrt auf hoher See. Dennoch kennt die Natur solche Vorgänge fortlaufend. Wenn eine Bienenkönigin alt wird, bemerkt es das Bienenvolk, und die Ammen ziehen bzw. füttern eine neue Königin heran. Warum können die Bienen das - und warum die Menschen scheinbar nicht?

Das fragt sich, mit sonntäglichen Grüßen an das Foum,
Weiner

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